Türkei bereitet sich für einen neuen Angriff auf die SDF vor

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T-155 Firtina an der türkisch-syrischen Grenze

Die Türkei scheint in den vergangenen Tagen vermehrt schwere Waffen, Fahrzeuge und Truppen in ihre besetzten Gebiete in Nordsyrien zu bringen. Diese Anzeichen könnten auf einen zukünftigen Angriff auf die SDF/YPG hindeuten, verschiedene Medien als auch die YPG erwartet einen Angriff auf den Afrin-Kanton, isoliert vom restlichen Territorium der SDF im Norden Syriens.

Die Türkei ist weiterhin versucht mithilfe der verbündeten Oppositionsgruppen seinen Einfluss im Norden zu erweitern und vor allem eine kurdische „Vereinigung“ zu verhindern. Deshalb startete man auch letztes Jahr die Operation „Euphrates Shield“, wo der Türkei und auch der USA nahe stehende Gruppierungen eine Offensive auf den Islamischen Staat in der Region um al-Bab startete. Das primäre Ziel war aber nicht die Bekämpfung des IS, sondern der Versuch einen Keil zwischen den verschiedenen Kanton zu treiben und eine Verbindung zu verhindern. Faktisch wurden diese Ziele jedoch verfehlt, da die syrische Armee die östlichen Territorien der Provinz Aleppo erobern konnte und die SDF bisher sich frei im Gebiet der Regierung bewegen konnte, insofern also auch eine Fahrt zwischen Afrin und z.B. Manbij möglich war.

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Der Afrin-Kanton (grün)

Der Afrin-Kanton befindet sich in der nordwestlichsten Ecke des Landes. Im Norden und Westen befindet sich die Türkei, deren Aktionen sich bisher an den Grenzen auf einem Mauerbau und Sperren beschränkten. Im Süden befindet sich die Provinz Idlib, die von islamistischen Gruppierungen wie Ahrar al-Sham oder Tahrir al-Sham beherrscht werden und die SDF abgrundtief hassen. Dort kam es in der Vergangenheit zu kleineren Plänkeleien, die jedoch nie ein größeres Ausmaß annahmen. Im Osten liegt das Gebiet des „Euphrates Shield“, dem Territorium also wo eine mögliche, nächste Offensive ausgehen könnte. In den letzten Monaten kam es in der Region um Tel Rifaat immer zu Kämpfen, die oppositionellen Kämpfer erwiesen sich aber meist als recht inkompetent und konnten keine Erfolge erzielen.

Im Südosten liegt außerdem noch die syrische Regierung und Russland, zu denen es besonders gute Beziehungen unterhält. Aufgrund der isolierten Lage von Afrin war es der USA nicht möglich einen Einfluss zu gewinnen, wodurch neue Optionen vor allem für Russland geöffnet wurden. Russland soll inzwischen mindestens zwei Militärbasen in der Region betreiben, Eines davon dient zugleich als Ausbildungsort für YPG-Kämpfer. Aber auch die syrische Regierung kooperierte mit Afrin, bei der Aufhebung der Belagerung von den schiitischen Orten Nubl und Zaraa startete man gemeinsam eine Offensive auf die Opposition, die beiden Fraktionen einen Gebietsgewinn brachte. Am Ende übergab die Regierung sogar freiwillig Orte wie Ahras an die YPG, die genauen Gründe sind unbekannt.

Umso interessanter als ein Angriff der Türkei auf Afrin, da es im Gegensatz zur restlichen SDF bessere Beziehungen zur syrischen Regierung und Russland pflegt. Es gab ja immer wieder Gerüchte, dass die Türkei sich inzwischen eher auf die Seite Russlands im syrischen Konflikt schlagen würde, insofern ein solcher Angriff aber widersprüchlich wäre.

Syrische Armee vertreibt Daesh bei al-Bab und erreicht kurdische Kantone

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Einheiten der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) unter der Führung von Suleil al-Hassan und seinen „Tiger Forces“ konnten in den vergangenen Stunden symbolisch wichtige Eroberungen verzeichnen. In einem Blitzangriff konnten in den vergangenen Tagen die Dörfer Umm Kahraz, Berazi, Majmuah, Natabah Kahbira, Sagihra, Jub al-Sultan, Jub al-Hamam, Mushayrifah, Zuzurah, Jayiah, Khirbat ad-Zib und Jub al-Khafi erobert werden.

Dieser Blitzangriff bedeutete einige, wichtige Faktoren: Einerseits wird ein weiteres Vordringen der türkisch-oppositionellen Operation „Euphrates Shield“ in Richtung Süden verhindert, wie es Erdogan des öfteren angekündigt hat (und auch die Aussage öfters verneint hat). Dabei ist es aber eher eine „präventive Sicherheitsmaßnahme“, da nach den äußerst verlustreichen Kämpfen in und um al-Bab wohl keinerlei Interesse an weiteren Abenteuern in Richtung Süden besteht. Auf der anderen Seite wird damit Handel und Schmuggel zwischen den von der Türkei unterstützten Gruppen (TBF) und Daesh entscheidend gestört.Gerüchten zufolge waren ursprünglich Tadef und Qabasin als solche Orte vereinbart, wurden aber dennoch später erobert. Beide Seiten können auf eine langjährige Tradition des Handelns zurückblicken, solange es zum eigenen Vorteil (gegen die andere Seite) ist. Unabhängig davon wurde mit der Eroberung von al-Bab und dem vollständigen zunichte machen der Verbindung der beiden kurdischen bzw. SDF-Kantone das Hauptziel der Operation erfüllt. Auch dies ermöglicht es, mehr Kapazitäten der TBF und türkischen Armee auf den „Anti-Terrorkampf“ gegen die SDF zu konzentrieren.

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SAA in Tadef

Trotz türkischen Willens, eine Demarkationslinie bei al-Bab zu errichten und eine Waffenruhe zu initiieren, kam es zu einigen Kämpfen entlang des M4-Highways bei al-Bab. Dabei versuchte die TBF, die Stadt Tadef zu erobern. Die Angriffe waren eine einseitige Eskalation, die SAA schoss nicht zurück. Inzwischen beruhigte sich die Lage ohne Territorialveränderungen.

Die SAA konnte mit dieser militärischen Aktion unter anderem einen Kessel von mehreren Dörfern südöstlich von al-Bab erschaffen, in dem sich noch einige Kämpfer des Islamischen Staates aufhalten sollen. Eroberungen innerhalb des Kessels werden aber nicht von der SAA getätigt, sondern lediglich von der TBF, die im vergangenen Zeitraum die Dörfer Sukkayriah, Jubb Nassane und Zammar erobern konnten. Die Prioritäten der SAA scheinen weiterhin im Süden zu liegen, den 23km entfernten Euphrat zu erreichen und damit die Wasserverbindung für Aleppo zu sichern.

Außerdem besitzt die SDF und SAA nun eine gegenseitige Verbindung, die einen Transport von Damaskus bis nach Qamishli ermöglicht, welches positiv für beide Seiten ausfallen würde. Auf der einen Seite kann die SDF nun ungefährlicher die anderen Gebiete in Afrin und das Viertel in Aleppo Sheikh Maqsoud besuchen, der syrischen Regierung ist hingegen Zugang zu Qamishli, Hasakah und teilweise Deir ez-Zor ermöglicht. Auch Handelsbeziehungen könnten sich intensivieren: Das von der SDF gehaltene Nordsyrien besitzt weite Ackerflächen, besitzen aber kaum nötiges Saatgut. Dies könnte die syrische Regierung bereitstellen, dafür könnten die Elektrizitätsimporte erhöht werden, die meisten Orte haben nur wenige Stunden Strom am Tag. Ein Pressesprecher äußerte sich bereits über diese Fortschritte positiv.

 

Türkische Offensive erobert vollständig al-Bab

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Vor wenigen Stunden verkündeten verschiedene Gruppierungen der türkischen Operation „Euphrates Shield“ im Norden Syriens die vollständige Eroberung von al-Bab. Die Stadt war das langfristige Ziel der Türkei, eine Vereinigung der kurdischen bzw. SDF-Kantone (Afrin im Westen, Manbij im Osten) im Norden zu verhindern. Dieses Ziel wurde durch enorme Verlusten, einem Imageschaden und großen Zeitaufwand erreicht.

 

Syrische Milizen veröffentlichten Bilder die zeigen, wie sich eigene Kämpfer im Zentrum und im Süden der Stadt aufhalten, wie z.B. dieses Bild auf diesem Platz aufgenommen wurde. Besonders eindrucksvoll/erstaunlich ist auch der Fortschritt innerhalb eines Tages, während gestern noch die Mehrheit der Stadt vom Islamischen Staat kontrolliert wurde, verloren sie es in nur wenigen Stunden alles. Am 22. Februar konnte man hingegen die Gebiete erobern, die man wiederum wenige Tage zuvor aufgrund einer Gegenoffensive des IS fast vollständig abtreten musste. Darunter fallen im Süden die Viertel al-Qubila, al-Zamzam und al-Salam, die Getreidesilos, Teile des Sportzentrums und des Ba’ath-Gebäudes. Im Norden in der Umgebung von Sheikh Aqil konnte hingegen die Fatimah-Zaid-Moschee zurückerobert werden. Zeitweise sah es sogar so aus, als müsste sich die TFSA („Türkische FSA“) nach ihrem ersten Vorstoß vollständig aus der Stadt zurückziehen. Ein brutaler Häuserkampf im Zentrum drohte.

Doch dann zog sich scheinbar der Islamische Staat in den Morgenstunden aus der Stadt vollkommen zurück, der exakte Grund ist aufgrund der militärisch vorteilhaften Position nicht nachvollziehbar. Vielleicht wollte man die durchaus teuren Kämpfe in al-Bab langfristig sparen, „Euphrates Shield“ wird trotz großer Träumereien von der Eroberung Raqqahs nicht weiter gegen den IS vordringen und sich den Kurden und der syrischen Regierung widmen.

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Karte des Territoriums, welches Euphrates Shield bisher erobern hatte

 

Die Schlacht um al-Bab dauerte von Mitte Dezember bis Mitte Februar und war äußerst zermürbend. Einige Personen bezeichneten die Kämpfe im Norden der Provinz Aleppo als „Ping-Pong“, da die türkisch-oppositionelle Operation genauso schnell Gebiete erobern konnte, wie es verloren wurde. Ein Beispiel: Das kleine Dorf Suflaniyah wurde erst beim 14. (sic!) Versuch erobert. Dieses Bild bestätigte sich vor allem auch bei den Kämpfen um die Aqil-Berge und dem südwestlichen Stadteingang, die letztendlich über 3 Monate andauerten. In Aqil verlor die türkische Armee ihre ersten Leopard 2A4-Panzer, insgesamt häuften sich die getöteten, türkischen Soldaten auf knapp 70 in der gesamten Operation. Auf den Seiten der syrischen Milizen gab es angeblich über 500 Tote. Für die türkische Armee war die gesamte Operation eine reine Blamage, nicht nur konnten die lange andauernden Kämpfe gegen die wohl größte europäische NATO-Macht vom IS gewinnbringend propagandistisch verwertet werden, große Mengen an moderneren Kriegsgerät wurden zerstört, oder erobert. Erdogan selber lies in seinen Mitteilungen bezüglich der Operation einen roten Faden vermissen: An einem Tage wolle man bis nach Raqqah vordringen und die YPG bekämpfen, an anderen Tagen möchte man nicht weiter als bis nach al-Bab gehen.

Verschiedene Generäle (siehe erstes Bild) verkündeten zur gleichen Zeit auch das nächste Ziel der Operation: Tadef, Qabasin und Bzaah vollständig zu erobern. Die drei Städte östlich von al-Bab sind ebenfalls seit mindestens 3 Monaten die aktive Front, nach mehrmaligen Versuchen sind jedoch alle Eroberungsversuche gescheitert. Im gleichen Zeitraum konnte die SDF die wesentlich größere Stadt Manbij vollständig erobern. Aufgrund der strategisch kritischen Position von Qabasin kamen auch Gerüchte auf, die FSA und Daesh würden dort gegenseitig Waffen etc. tauschen, weswegen der Ort niemals wirklich angegriffen wurde. Das darauf folgende Ziel könnten in dem Falle verschiedene Territorien der SDF/YPG werden, namentlich Manbij und Tel Rifaat. Während die SDF in Manbij direkt zu Beginn bis zum Sajur-Fluss zurückgedrängt wurde, ist die SDF in Tel Rifaat/Manbij seit jeher türkischer Artillerie und Luftschlägen ausgesetzt. Bisher waren allen Angriffe wirkungslos und konnten zurückgeschlagen werde.

Siehe auch: Welche Gruppen sind in der Operation „Euphrates Shield“ beteiligt?

Welche Gruppen sind in der Operation „Euphrates Shield“ beteiligt?

 

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Hamzaa Division vor dem Krankenhaus in al-Bab

Hierbei handelt es sich um eine Fortführung der Liste, welche zu Beginn der Operation „Euphrates Shield“ am 24. August erstellt wurde. Rein statistisch hat sich die Anzahl der Gruppierungen fast verdoppelt, was sich aber weniger in der Kampfkraft ausdrückt. Aus den geschätzten Personalstärken ergibt sich allem ein klares Bild: Die Türkische Armee spielt eine immer stärker werdende Rolle, sowohl quantitativ als auch qualitativ.

Die dort präsenten Oppositionsgruppen zeigen eine Kontinuität einer fehlenden militärischen Kampfkraft, seit Mitte Dezember konnte man keine besonderen Geländegewinne erzielen. Im gleichen Zeitraum konnte die YPG/SDF die wesentlich größere Stadt Manbij weiter östlich vollständig erobern. In sonstigen Oppositionskreisen sind alle dortigen Mitglieder äußerst unbeliebt, nicht nur werden sie (vor allem in Idlib) als Marionetten für türkische/imperialistische Interessen gesehen und als reine Söldner, die nur für das Geld der Türkei arbeiten. Ihnen wird auch oft Verrat vorgeworfen, einerseits durch ihr Erscheinen an den Astana-Friedensgespräche und ihr fehlenden Beteiligung bei dem letzten Versuch, die Belagerung von Ost-Aleppo aufzubrechen.

 

Ungesicherte Bestätigung/minimale Präsenz:

  • 30th Division
  • Liwa al-Fateh
  • Ahrar Tal Rifat
  • 1st Division of Aleppo
  • Brigade of Conquest
  • Turkem Martyrs‘ Battalion
  • Descendants of Saladin Brigade

Syrien & Türkei beschließen Demarkationslinie bei al-Bab

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SAA vor Tadef

Der russische Verteidigungsminister veröffentlichte in einer Pressemitteilung, dass sich die türkische und syrische Regierung gemeinsam auf eine Demarkationslinie bei al-Bab geeinigt haben. Diese Demarkationslinie soll sich südlich der Stadt al-Bab entlang des M4-Highways befinden. Damit würde das strategische und letzte Ziel der gesamten Operation in Richtung al-Bab der Syrisch-Arabien Armee bei Tadef liegen, eine gut garnisonierte Stadt südlich von al-Bab. Derweil sprach das russische Verteidigungsministerium auch vom Erfolg dieser Operation, angeblich sollen über den gesamten Zeitraum hinweg 650 Kämpfer des Islamischen Staates, 2 Panzer, 4 Truppentransporter, 18 Pick-Ups uvm. getötet/zerstört worden sein. Die Anzahl an getöteten Islamisten scheint aber arg inflationär gehalten, unabhängig von den zugefügten Verlusten durch russische Luftschläge auch in anderen Gebieten bzw. zur Unterstützung der türkischen Operation.

Ob man sich tatsächlich an die Demarkationslinie, den Frieden und gegenseitige Unterstützung hält, bleibt abzuwarten. Die syrischen Milizen als Verbündete der Türkischen Armee bewiesen bereits in der Vergangenheit eine gewisse Eigenwilligkeit, die zu unabsichtlichten Kämpfen mit anderen Fraktionen (SAA, SDF/YPG) führte.

Syrische Armee 1,5km von al-Bab entfernt | Opposition erobert weitere Gebäude in al-Bab

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Lage um al-Bab

Die Syrisch-Arabische Armee (SAA) konnte in der gestrigen Nacht das Dorf Abu Taltal vollständig erobern, welches etwa ~2km vom Ziel al-Bab entfernt ist. Damit stehen zwischen der Armee und al-Bab nur noch Felder und die strategisch wichtige und gut befestigte Stadt Tadef, die sicherlich ein schwer zu eroberndes Ziel sein wird. Derzeit finden schwere Kämpfe um die al-Bab-Getreidesilos und an den Eingängen von Tadef statt, wobei bisher vor allem Artillerie und russisch-syrische Luftschläge beansprucht werden. Das Ziel der SAA ist weiterhin unklar, wahrscheinlich möchte man nicht weiter als bis nach Tadef vordringen.

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Nach offiziellen Angaben von Ahrar al-Sham eroberte man in al-Bab heute die vorher erwähnten Getreidesilos und das Sportcenter  im Süden, was durchaus erstaunliche Erfolge darstellen. Weiteren unbestätigten Gerüchten nach wurde ebenfalls die Moschee Fatimah al-Zahra im Norden der Stadt erobert. Ahrar al-Sham ist erst seit einigen Tagen fest in den Kämpfen von al-Bab involviert, nachdem sie ein Trainingslager („Abu Noor“) in Jarablus errichteten. Ahrar al-Sham ist die zweitgrößte Oppositionsgruppe, welche ebenfalls Beziehungen zu al-Qaida aufweist.

 

Gefechte zwischen türkischer und syrischer Armee bei al-Bab | Russische Luftwaffe attackiert aus Versehen Türkische Armee

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Situation um al-Bab

Es kam zu ersten Konfrontationen zwischen den „Tiger Forces“ (offensive Eliteeinheit der Syrisch-Arabischen Armee) und verschiedenen, oppositionellen Milizen westlich von al-Bab, was eine koordinierte Bekämpfung des Islamischen Staates erheblich erschwert. Nachdem die Tiger Forces das Dorf Shamawiyah von Daesh erobert hatten kam es weiter nördlich im Dorf Abu al-Zandin zu mehreren Zusammenstößen, die nach oppositionellen Angaben 2 syrischen Soldaten das Leben kostete. Außerdem wurde ein BMP erobert. Die näheren Gründe und/oder der „Aggressor“ in dieser Situation können nicht geklärt werden, wenige Kilometer weiter westlich gibt es seit Wochen eine ruhige Front (siehe Karte) zwischen den beiden Fraktionen. Auf Seiten der Opposition kämpfen um Abu al-Zandin zurzeit die Hamza Division und Sultan Murad, türkische Artillerie soll ebenfalls aktiv sein. Am darauffolgenden Tag kam es hingegen zu keinen Kämpfen, möglicherweise handelte es sich hierbei nur um eine kurze Plänkelei.

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Die drei verstorbenen, türkischen Soldaten

Am selbigen Tage bombardierte die russische Luftwaffe ein Gebäude der türkischen Armee weiter nördlich von al-Bab, wobei 3 türkische Soldaten gestorben und 11 Weitere verletzt wurden. Putin sprach später sein Beileid für diesen „tragischen Zwischenfall“ aus und betonte erneut, dass dieser Angriff aus keinerlei Absicht entstanden ist. Es gibt dennoch Stimmen mit der Ansicht, dass der Angriff als eine Art Warnung im Zusammenhang mit den Kämpfen im Dorf Abu al-Zandin steht, vor allem da russische Luftschläge direkt auf al-Bab eher selten sind. Kreml-Pressesprecher Dimitri Peskow behauptete hingegen, die türkische Armee habe der russischen Luftwaffe die Koordinaten gegeben und es liegt insofern keine Schuld bei Russland.

 

Damit steigt die Anzahl an getöteten, türkischen Soldaten auf mindestens 60, manche Quellen nennen auch 69 Tote. Daesh selber spricht von 85 getöteten Soldaten, wobei diese Schätzungen doch als äußerst hoch und nicht verifizierbar erscheinen.

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Trotz all dieser Hindernisse konnte die Operation Euphrates Shield zumindest kleinere Erfolge an/in der Stadt al-Bab verzeichnen. Man konnte entlang des M4-Highways das al-Hikma-Krankenhaus erobern, welches zuvor Teil erbitterter Kämpfe war. Auch weiter nördlich konnte man in die ersten Teile der Stadt vordringen, wobei dort weiterhin Gefechte andauern.

Syrische Armee schließt den Ring um Daesh’s letzte Bastion in Aleppo

 

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Situation um al-Bab

Die seit einem Monat andauernde Operation im Osten der Provinz Aleppo konnte am gestrigen Tage einen entschiedenen Schlag gegen den Islamischen Staat erreichen: Durch die Eroberung des Dorfes Ayashia und dem gleichnamigen Hügel weiter nördlich konnte der letzte Korridor auf weniger als 4km verengt werden, was damit auch faktisch die Feuerkontrolle auf diesen Nachschubweg bedeutet. In den vergangenen Tagen konnten ebenfalls weitere Dörfer und Städte wie Aram, Umm Arkilah und Qutbiyah erobert werden. Damit gab es zwar einen leichten Schwenk in die eigentliche Richtung der gesamten Operation – gen Osten -, aber bisher scheinen es sich nur um Frontbegradigungen zu halten. Eine wirkliche Offensive bleibt vorerst abzuwarten.

Im Norden hingegen befindet sich die von der türkischen Armee angeführte Operation „Euphrates Shield“, welche seit Monaten vor den Toren al-Bab und ihren Nachbarorten steht. Erst vor weniger als einer Woche gelang er der türkischen Armee, das Dorf Suflaniyah nach Dutzenden (sic!) Besitzwechseln zu erobern. Derzeit steht man weiter südlich bei der Stadt Bzaah vor dem gleichen Fiasko, innerhalb der Nacht werden jegliche Eroberungen in der Stadt erneut revidiert. Dabei werden auch Autobomben und Selbstmordattentäter genutzt.

Die große Preisfrage bleibt aber weiterhin, welche Fraktion die Stadt al-Bab einnehmen wird. Wird die Syrisch-Arabische Armee überhaupt einen weiteren Vorstoß in Richtung Norden wagen mit dem Risiko, einen ähnlichen Schaden wie die Türkische Armee hinzunehmen? Was sind die zukünftigen Pläne nach der Operation? Die Türkische Armee wird es nicht wagen die Syrische Armee anzugreifen und die oppositionellen Gruppierungen sind selber zu schwach und inkompetent, um sich aktiv gegen die Syrische Armee zu wehren. Wird es danach zur Eskalation mit den Kurden/SDF in Afrin und Manbij kommen?

Türkisch dominierte Offensive in al-Bab gestoppt | IS erbeutet deutsche Panzer

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Situation um al-Bab nach den zugefügten Verlusten

Die türkisch-oppositionelle Operation „Euphrates Shield“ im Norden der Provinz Aleppo wurde vor ihrem eigentlichen Ziel, die Stadt al-Bab, gestoppt. Die letztens eroberten Stellungen um den Berg Aqil wurden mithilfe von 3 Selbstmordattentätern am gleichen Abend revidiert, die Verluste belaufen sich im zweistelligen Bereich.

 

Die 3 Selbstmordattentäter wurden allesamt bei der Rückeroberung des Berges genutzt, welcher einen strategischen Vorteil für die ganze Stadt verschafft. Über diese drei Personen ist erstaunlich wenig bekannt, eine Person heißt Abu Usahma al-Gazzawi und stammte aus Gaza, ein Anderer aus dem Irak und über die dritte Person ist (noch) nichts bekannt. Zumindest ein Selbstmordattentäter griff die Positionen südwestlich des Krankenhauses am Berg an.

Die genauen Todeszahlen sind wie üblich relativ undurchschaubar, während die Daesh nahe stehende Nachrichtenagentur AMAQ die getöteten türkischen Soldaten auf 20 beziffert und es weitere 30 Verletzte gab, nennt das türkische Verteidigungsministerium 16 Tote und weitere 16 Verletzte. 2 Soldaten davon sind danach im Krankenhaus verstorben. Laut weiteren Angaben sollen mindestens 32 Kämpfer der Opposition gestorben sein. Damit war dieser Tag der Verlustreichste der gesamten Operation.

Daesh erobert zwei Leopard 2-Kampfpanzer

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Außerdem eroberte Daesh auch einige Mengen an Waffen und Fahrzeugen, darunter auch zwei Leopard 2A4-Kampfpanzer der türkischen Armee. Ob diese auch im Kampf eingesetzt werden können ist derzeit fraglich, der Zustand der beiden Panzer ist unbekannt und ob Daesh das technische Know-How über die Instandhaltung, Wartung und Reparatur darüber verfügt ebenso. Dennoch könnte dies eine erneute Debatte über deutsche Waffenlieferungen entfachen, vor allem nachdem unzählige Waffen der Peschmerga im irakischen Kurdistan auf dem Schwarzmarkt und in die Hände des Islamischen Staates gefallen sind.

Die Stadt al-Bab ist sowohl essentiell für die syrische Opposition & Türkei, als auch für die Kurden/SDF. Dieses Gebiet ist eine effektive Pufferzone für die Türkei, in der sowohl Flüchtlinge Unterschlupf gegeben werden kann, als auch der Einfluss auf Syrien ausgeweitet wird. Primärer Zweck der Operation „Euphrates Shield“ sind aber die Kurden, denn dadurch wird es dem Afrin-Kanton unmöglich gemacht, sich mit den restlichen Kantonen weiter östlich zu verbinden und damit die türkische Grenze zu dominieren. Zurzeit ist die Annahme, dass die Operation in al-Bab vor allem von der türkischen Armee dominiert wird, da die restlichen oppositionellen Kräfte seit Jahren in der Region keine sonderlich positive Rolle einnahmen und sich mehrmals zurückziehen mussten.

 

Syrische Armee droht mit dem Abschuss von türkischen Jets

Das syrische Verteidigungsministerium veröffentlichte vor wenigen Minuten eine Pressemitteilung mit der Verlautbarung, das bei zukünftigen Verletzungen des syrischen Luftraumes & Angriffen in Aleppo die „richtigen Vorkehrungsmaßnahmen“ in Form von Abschüssen getätigt werden.

Als Legitimation dafür wird die angebliche Tötung von über 150 Zivilisten durch das „Erdogan-Regime“ in Nordaleppo aufgeführt, vor allem auch durch Beschuss von kurdischen Dörfern und Städten im Afrin-Kanton. Ebenfalls wird wohl ein Zusammenhang von zukünftigen Angriffen auf die YPG/SDF in Nordaleppo stehen, da die syrische Regierung und die SDF durchaus gute Beziehungen besitzen und das SDF-Territorium sehr gut als Pufferzone für Regierungstellungen in Aleppo gegenüber der FSA & Islamisten in der von der Türkei unterstützten Operation „Euphrates Shield“ dienen kann. Möglicherweise handelt es sich auch nur um diplomatische Worthülsen, eine Bereitschaft der syrischen Luftwaffe ist kategorisch nicht auszuschließen, da bereits 2012 ein türkischer Jets abgeschossen wurde.

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Statement

Dabiq und Daesh

Am 14. August 2014 erobert der bis dato recht unbekannte Islamische Staat das kleine Dorf Dabiq im Norden Aleppos von der restlichen Opposition, bis vor kurzem galt die FSA und Daesh immerhin als enge Verbündete in der „Revolution gegen das Assad-Regime“. Trotz versuchter Gegenoffensive der FSA starben rund 40 eigene Kämpfer, Daesh verlor hingegen nur 12 eigene Soldaten.

Die daraus resultierende Freude im Machtapparat und dem restlichen Territorium von Daesh speist sich aber nicht aus irgendeiner strategischen Relevanz eines kleinen Dorfes, sondern in der islamistischen Eschatologie der Gruppe und der Bedeutung für ihre religiöse Doktrin.

Ohnehin gilt Sham/Großsyrien/Levante als ein bedeutender Ort für den islamistischen Narrativ, der durch verschiedene Ereignisse das Ende der Welt und Tag des jüngsten Gerichts einläuten wird, auch bekannt als „Yawm al Qiyamah“ (Tag des Wiedererwachens). Diese Ereignisse werden aber von unterschiedlichen Sekten & Richtungen verschieden bewertet, sowohl in ihrer Reihenfolge als auch in der Relevanz von einzelnen Individuen und Ereignissen. Der Grund darin liegt vor allem in der Quelle: Nicht der Koran sondern die Hadithe (Überlieferungen der Aussprüche und Handlungen des Propheten Mohammed) werden als Informationsquelle genutzt, welche unterschiedlich von ihrer Authentizität her bewertet werden. Während nicht nur Sunniten und Schiiten sich auf verschiedene Hadithe beziehen, herrscht zumindest in der Allgemeinheit die gleiche Ansicht; dass es zu einem großen Aufruhr im Levante vor dem Qiyamah kommen wird.

Einige Hadithe erwähnen dabei eine Person namens „Sufyani“, er soll der despotische Anführer des Banu Kalb-Stammes sein und Korruption in Syrien streuen und dabei Unschuldige töten und denunzieren. Er soll eine Armee schicken, die den prophezeiten Mahdi (Nachkomme des Propheten Mohammed) besiegen wird. Schiiten dagegen glauben an die Geburt des Sufyani als einen Tyrannen und Nachkommen von Abu Sufyan, dem Vater von Muawiya, welcher wiederum gegen den ersten Imam Ali (und laut Schiiten dem rechtmäßigen Nachfolger von Mohammed) kämpfte. Sunniten hingegen akzeptieren diese Beschreibungen des „Sufyani“ als unglaubwürdig und damit „daif“. Trotzdem glauben sie ebenfalls an einen Verfall & Korruption im Levante/Sham vor dem Tag des jüngsten Gerichts.

 Außerdem soll es zu einer großen Schlacht zwischen Muslimen und „Römern“ kommen, welche für beide Seiten und das Land äußerst brutal und verheerend sein soll. Am Ende soll die muslimische Armee unter großen Verlusten siegreich sein, ⅓ der Armee soll sterben, ⅓ soll desertieren und das letzte ⅓ wird Konstantinopel erobern und dort ausgelassen feiern, bis der Dajjal respektive Antichrist erscheinen wird. Trotz intensiver Versuche der Armee unterliegen sie dem Dajjal. Laut Sunniten soll an diesem Zeitpunkt Jesus vom Himmel absteigen und die Armee in der Schlacht gegen den Antichristen anführen und siegen. Nach dem Sieg wird er eine gerechte Regierung etablieren, kurz vor Qiyamah aber sterben. Zwölfer-Schiiten glauben dass der Mahdi, welcher in ihrer Tradition der 12. Imam Muhammad al Mahdi ist und 874 verschwand, sowohl Jesus als auch den Dajjal besiegen wird.
Ein weiteres Symbol des Qiyamah soll die Verwandlung des Wassers im Euphrat zu Gold werden, über welches viele Menschen kämpfen und sterben werden.
Die Relevanz des Ortes für Daesh ist hingegen eher ein aktuelleres Phänomen, die Gründe aber klar ersichtlich. Abgesehen davon dass man dadurch natürlich wesentlich mehr Rekruten anzieht existieren auch wesentlich banalere Gründe: Es sollte selbstverständlich für derartige Sekten und Gruppen wie Daesh sein, dass sie liebend gerne ein Weltuntergangsszenario für ihre propagandistischen Zwecke nutzen, sowohl innen- als auch außenpolitisch. Laut islamischer Tradition gibt es auch kleinere Zeichen für den Qiyamah, darunter Korruption in der Wirtschaft, Alkoholismus, exorbitante Preissteigerungen, Hedonismus und der Umgang mit verschiedenen Sexualitäten und -praktiken, z.B. Homosexualität. All dies wird als grundsätzlicher Werteverfall bewertet und damit auch vor allem im Hinblick auf Muslime im Westen ein Zeichen für den bevorstehenden Qiyamah.
Die Unruhen im Levante in Form des Syrischen Stellvertreterkrieges sind ebenfalls eine Bestätigung der Prophezeiung, die tyrannische Figur des „Sufyani“ kann je nach Interpretation in Bashar al-Assad wiedergefunden werden. Hinzu glauben viele Mitglieder daran, die muslimische Armee zu sein, die sowohl gegen den Antichristen als auch gegen die „römische Armee“ erfolgreich zu sein. Dementsprechend hohe Freude entwickelte sich auch bei der türkischen Intervention, da angeblich die römische Armee aus 80 Nationen besteht und Türkei nun mal Heimat von Istanbul/Konstantinopel ist.
Der Kontext der römischen Armee ist aus moderner Sichtweise hingegen schwierig, man könnte es grundlegend als Interpretation für den Westen deuten.
Daraus resultierend scheint es nur logisch, für Daesh sowohl in den Endzeiten zu leben als auch diese Offensichtlichkeit propagandistisch auszunutzen.
Am 16. Oktober 2016 verlor Daesh Dabiq bei minimalen Kämpfen an die Opposition. Die von der Türkei angeführte Koalition des „Euphrates Shield“ besteht primär aus sunnitischen Turkmenen und Arabern. Die Medien des Islamischen Staates sagen, dass die entschiedene Schlacht um Dabiq erst später anbrechen wird.

Ereignisse der letzten Woche – Nordhama, Südaleppo, Jarablus und Rif Dimashq

Die letzte Woche war eine äußerst Ereignisreiche für Syrien: Von unerwarteten Ereignissen wie der türkischen Invasion/Intervention in Syrien bis hin zu einer erstaunlich erfolgreichen Oppositionsoffensive in Nordhama, oder Waffenruhen und Generalamnestie für einige Städte in Rif Dimashq und Homs. Ein Überblick.

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Islamistische Großoffensive im Norden von Hama

Im Norden der traditionell regierungstreuen Provinz und Stadt Hama startete die IS-freundliche und aus ehemaligen al-Qaida-Mitgliedern bestehe Gruppierung Jund al-Aqsa eine Offensive mit dem Ziel, die mehrheitlich sunnitischen und christlichen Dörfer im Norden der Großstadt Hama zu erobern und auf die Stadt selber gefährlich nahe zu rücken. Primäres Ziel der Operation, die nach dem Massenmörder und Islamisten „Ghazwan Al-Shaheed Marwan Hadid“ benannt ist, wird wohl die Ablenkung von Südaleppo sein, wo weiterhin schwere und wichtige Kämpfe andauern.

Die Erfolge der Opposition die unter dem Kommando von Jund al-Aqsa steht und von semi-moderaten Gruppierungen wie Jaysh al-Nasr oder Jaysh al-Izzah der FSA verbündet sind, führen vor allem (erneut) aus der Inkompetenz der christlichen und muslimischen Verteidigungsmilizen (u.a. NDF) zurück, die größere Städte (z.B. Suuran oder Teybat al-Imam) einfach völlig ungeschützt zurückgelassen wurden. Es gibt inzwischen aber Berichte dass die Eliteeinheiten der „Tiger Forces“ teilweise dorthin transportiert wurden, um weiteren Fortschritt zu verhindern. Dies wiederum schwächt in gewissen Maße die Offensivkapazitäten in Südaleppo. Diese Eroberungen führten zum Massenexodus der dortigen Bevölkerung einerseits vor den Kämpfen als auch von dem drohenden Genozid durch Jund al-Aqsa.

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Flucht der Bevölkerung

Auch wenn die Situation definitiv kritisch mit steigender Stabilisierung ist, so muss man dennoch die militärisch eher irrelevante Position der Region betonen. Dennoch für eine derartig statische Front wie die von Nordhama ist dies eine große und verlustreiche Veränderung.

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Fortschritte der SAA in Südaleppo

Die SAA angeführt von der offensiven Eliteeinheit der „Tiger Forces“ und der in Aleppo beheimateten Miliz Liwa al-Quds konnte deutliche Erfolge in Südaleppo verzeichnen. Es wurden nicht nur große Teile der nördlichen Ramouseh-Artilleriebasis bzw. der Flugschule (siehe Bild) erobert (die Angaben schwenken zwischen 50-100%), sondern ebenfalls weiter südlich die Verteidigungslinien der Opposition durchbrochen und mehrere strategisch wertvolle Hügel und Dörfer erobert. Beispiele hierfür wären z.B. Tell Mahrouqat, Qarassi oder diverse Steinbrüche dort.

Bei fortführender Tendenz könnte die Entscheidung um Aleppo in wenigen Tagen/Wochen erneut getroffen werden und eine zweite Belagerung Ostaleppos initiiert werden.

Waffenruhen in belagerten Orten erreicht

Nicht nur in Daraya wurde eine Waffenruhe angenommen die zur direkten Kontrolle der syrischen Regierung in dem Ort führte, sondern ebenfalls in weiteren Vorstädten von Damaskus und Homs. Die belagerte „Nachbarstadt“ direkt westlich von Daraya namens al-Moadamyeh scheint inzwischen ebenfalls Überlegungen zu unternehmen nun zu kapitulieren und die Generalamnestie zu akzeptieren. Daraya und Moadamyeh waren lange Zeit eine gesamte Front, erst vor einigen Monaten kam es zu einem Kessel zwischen den beiden Städten.

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Forderungen aus Homs

Wesentlich konfliktreicher geht es momentan in Homs zu, um genau zu sein im Waer-Wohnungsviertel nordwestlich der Stadt. Nachdem es aufgrund von gegenseitigen Beschuss zu einer Eskalation und Luftschlägen gekommen war, forderten einige Zivilisten und dortige Kleriker die Kapitulation der Kämpfer um weiteres Blutvergießen zu vermeiden. Auf diese Forderung wurde von den Oppositionellen nicht eingegangen und es kam lediglich zu einer temporären Waffenruhe und Hilfslieferungen.

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Situationsupdate in Nordaleppo

Die türkische Intervention/Invasion auf syrischen Territorium hatte wohl Niemand erwartet, es gab zwar Berichte dass verschiedene Oppositionsparteien von der Türkei aus Jarablus attackieren wollen, aber ein direkter Einsatz türkischer Streitkräfte war sehr unerwartet. Nachdem die Operation 2 Wochen andauert und vor allem die SDF bis zum Sanju-Fluss zurückgetrieben wurde und damit momentan größter Verlierer dieser Offensive ist, gilt das Interesse momentan eher Daesh bzw. der Verbindung ihrer zwei Terrarien an der türkischen Grenze. Die Kämpfe zwischen Daesh und der Opposition/Türkei gelten immer noch als sehr niedrig und lediglich konnte man kurzfristig die Dörfer östlich von al-Rai zurückerobern. Dennoch herrscht in den letzten Tagen ziemliche Stagnation an der Front, eine Gruppe der FSA dort berichtet aber von Eroberung von Sabuniyah, Tell Aghbar & Sha’inah westlich von Jarablus vor wenigen Minuten.

Währenddessen startete die YPG/SDF von ihrem westlichen Efrin-Kanton eine Offensive auf Daesh und konnte dabei die 3 Städte Umm al-Kura, Umm Housh und Harbal erobern. Damit erleichtern sie sich den Weg die beiden Kantone bzw. Rojava zu vereinigen und damit den Albtraum von Erdogan zu erfüllen. Er würde dies selbstverständlich aber nicht dulden und die momentan herrschende Waffenruhe (im Sinne dass Beide einfach nicht angreifen wollen) problemlos beenden.

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„Nummer 2“ des Islamischen Staates getötet

In der Zwischenzeit wurde die Nummer 2 des Islamischen Staates, Abu Mohammed al-Adnani, nahe al-Bab getötet. Er galt als Anführer für den IS in Syrien als auch der Koordinator für terroristische Anschläge im Ausland (vor allem Frankreich) und Propagandist. Zum momentanen Zeitpunkt gibt es mehrere Behauptungen, wer ihn umgebracht hatte. Sowohl das Pentagon bzw. die Internationale Koalition als auch das russische Verteidigungsministerium beanspruchen die Ermordung. Ebenfalls gibt es aber Berichte von „türkischen Querschlägern“ was aber aufgrund der Entfernung zur Front eher unwahrscheinlich ist. Die spannendste Theorie wiederum ist die, dass der ehemalige Emir von Raqqa Abu Luqman das Attentat veranlasst hat, es insofern also ein „Inside Job“ war. Dementsprechend soll er angeblich durch eine IED in seinem Auto getötet worden sein.

Aktive Oppositionsgruppen in der Jarablus-Offensive

Vorwort: Aufgrund der begrenzten Größe der Operation „Euphrates Shield“ und einer geschätzten Personalstärke von 800-1.500 Soldaten (+ türkische Einheiten) sind die Belege primär Verlautbarungen/Pressemitteilungen und Bilder im Gegensatz zu den vorherigen Artikeln, wo Videos als Quelle benutzt wurden. Außerdem kam es bis zu dem momentanen Zeitpunkt zu keinerlei Kämpfen zwischen Daesh und der FSA & Türkei. Vollständig ist nicht garantiert, für nähere Information der Offensive siehe diesen Artikel.

Politische Fraktionen:

 

Türkische Armee greift Jarablus an, Intervention in Syrien

Von der Nacht vom 23. zum 24. August begann die türkische Armee mit direkten Artilleriebeschuss und Luftschlägen auf die syrische Grenzstadt Jarablus, Eine der letzten Versorgungsrouten zwischen der Türkei und Daesh-Territorium, nachdem es bereits Tage zuvor es zu leichten, gegenseitigen Mörserbeschuss kam. Den Angriffen geht der Bericht voraus, dass eine ~800-1.500 starke Gruppierung aus verschiedenen Fraktionen wie z.B. Sultan Murad oder 13th Division plante, die Stadt vom türkischen Territorium aus anzugreifen.

Das unerwartete Ereignis ist hingegen der direkte Einsatz von türkischen Spezialeinheiten wie türkische Fernsehsender bestätigen, die sogenannten „Maroon Berets“ mit Unterstützung der „Joint Special Task Force“, einer Kommandostruktur bestehend aus den verschiedenen Teilstreitkräften der Armee. Damit befinden sich türkische Einheiten offiziell in syrischen Territorium. Inzwischen kommt es auch von Berichten dass reguläre, türkische Panzer die Grenze überquert haben.

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Operationsziel

Dies zeigt dass die Türkei diese Operation (genannt Euphrates Shield) sehr ernst meint ist, mittelfristiges Ziel wird eine Pufferzone zwischen Daesh und der Türkei sein, einige Quellen sprechen ebenfalls von dem Ziel den ~50km langen Grenzstreifen zwischen der von der Opposition gehaltenen al-Rai und Jarablus zu schließen und damit die gesamte Grenze zu schließen. Das langfristige Ziel ist jedoch ein Anderes. Dieser Grenzstreifen ist nicht nur für Daesh, die Opposition und der Türkei sehr wichtig sondern ebenfalls auch für die von den Kurden dominierten SDF. Diese benötigen dieses Grenzgebiet um ihre beiden Kantone Afrin und Manbij zu vereinen und damit ganz Nordsyrien zu beherrschen. Diese Vorstellung wäre für Erdogan der absolute Horror.

Inzwischen wird diese Vorstellung auch für den syrischen Präsidenten Assad eine unbequeme Wahrheit, nachdem die YPG als Verbündeter gehandelt wurde, wurde diese Beziehung hintergangen und ein Krieg zwischen der NDF und Asayish/YPG in al-Hasakah angezettelt, die zur Eskalation und Kapitulation der Regierung führte. Aus diesem Grund und den geheimeren Gesprächen und Annäherungsversuchen der Türkei an Russland & Iran wird Assad sich höchst wahrscheinlich damit arrangieren können, dass türkische Einheiten auf syrischen Boden aktiv sind (und er sicherlich von der Operation Bescheid wusste). Wenn sich zwei Kontrahenten (Opposition & SDF) gegenseitig bekämpfen, freut sich der lachende Dritte (syrische Regierung).

Die genaue Rolle der Türkei ist momentan aber nicht vorhersehbar, einerseits könnte es sich lediglich um einen reinen PR-Stunt handeln um Aktivismus gegen Daesh zu simulieren, nach größeren Eroberungen ebenfalls die syrische Armee anzugreifen um seinen „Marsch nach Aleppo“ zu vollenden, oder schlichtweg einfach Oppositionskämpfer benutzt, um Assad zu unterstützen.

tl;dr: Türkische Spezialeinheiten bekämpfen verbündet mit der syrischen Opposition Daesh, um zukünftig ebenfalls die SDF/Kurden zu bekämpfen. Assad geht als größter Nutznießer der Situation hervor.

Update bezüglich der Situation, 17 Uhr: Die FSA erklärte die Stadt Jarablus & umgebene Dörfer völlig in ihrer Kontrolle gebracht zu haben, es gibt kaum Berichte von Kämpfen und wahrscheinlich stieß man auf wenig Widerstand, nachdem die Stadt ohnehin in einer prekären Situation war und Verteidigungspositionen absolut unmöglich waren. Die nächste Phase wird die Eroberung aller Gebiete am Grenzgebiet beinhalten.

Währenddessen besuchte der amerikanische Vizepräsident Joe Biden die Türkei und rief die YPG dazu auf, sich von den Gebieten westlich des Euphrates zurückzuziehen und laut YPG-Pressesprecher folgten sie devot diesen Befehlen, die in jeglicher Hinsicht den türkischen Interessen seit Monaten entsprachen. Damit stellt sich die USA nicht nur absolut hinter die Türkei, sondern erneut wurden die Kurden von ihren Verbündeten verraten.