Proteste in Ostaleppo wurden gewaltsam niedergeschlagen

Scheinbar kam es am 15. November zu einer Demonstrationsversammlung von Zivilisten im belagerten und von der Opposition gehaltenen Ostaleppo. Entgegen den üblichen Duktus handelt es sich um einen Protest gegen die Opposition, denen es vorgeworfen wird, die rund 40.000-100.000 Zivilisten in Ostaleppo als Geiseln zu nutzen. Sie fordern derweil freies Geleit aus Ostaleppo und die Beseitigung von „Banden“.

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Mögliche Position der Proteste

Die Proteste sollen im al-Fourdan-Viertel stattgefunden haben, nach einem Versuch des Geolocating könnte es sich womöglich exakt um diesen Ort an der Grenze zum Kallaseh-Viertel befunden haben. Aufgrund des fehlenden Videomaterials handelt es sich hierbei aber nur um eine Theorie.

Ab Minute 0:38 hört man im ersten Video bereits Schüsse, das zweite Video zeigt die Flucht der Demonstranten von diesen Schüssen. Angeblich sollen laut dem russischen Verteidigungsministerium bei den Protesten 27 Zivilisten getötet und Hunderte verletzt worden sein, wie viele andere Proteste es gab ist unbekannt. Die Zahl erscheint aber recht hoch und daher unwahrscheinlich, vor allem da es fernab des Verteidigungsministerium keine Berichte dazu gab.

Unklar ist auch, ob sich diese Demonstrationen tatsächlich gegen die Opposition insgesamt, oder nur gegen bestimmte Teile richtet. So gibt es ebenfalls Videos von Protesten (nicht ersichtlich, ob die gleichen Proteste) die unter anderem Fahnen des islamistischen Bündnis der Jaysh al-Fateh, Gründungsmitglieder sind z.B. Fateh al-Sham oder Ahrar al-Sham, zeigen. Dementsprechend könnte es sich entweder um eine pro-islamistische Demonstration handeln,  die sich für eine Vereinigung der Opposition unter der Flagge von JFS einsetzt, oder einfach ein Protest gegen andere Gruppierungen wie z.B. Fastaqem Union oder Nour al-Din al-Zenki sein. Diese führten in den letzten Wochen Kämpfe um Ressourcen in Ostaleppo gegeneinander, welches auch zu Toten führte.

So oder so zeigt die Demonstration die Instabilität und katastrophalen Verhältnisse in Ostaleppo. Bei einer Intensivierung der Belagerung oder Demoralisierung durch gegnerische Eroberungen könnte diese Eskalation zunehmen und sich sehr gefährlich für die dortige Zivilbevölkerung entwickeln entwickeln. Der große Nutznießer: Die syrische Regierung.

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Der oppositionelle Beschuss der zivilen Fluchtkorridore nach Westaleppo

Sechs „humanitäre Fluchtkorridore“ für Zivilisten und zwei weitere Korridore für oppositionelle Kämpfer wurden am 20. Oktober um ~11 Uhr Ortszeit in Westlappo durch eine unilaterale Vereinbarung von Russland & der syrischen Regierung ins Leben gerufen, um fliehenden Zivilisten, Kranken, Verletzten und Kämpfern die Möglichkeit zu geben, sich aus Ostaleppo in Sicherheit zu begeben. Teil dieser Vereinbarung war eine zunächst 8-stündige Waffenruhe; in diesem Zeitraum wurden keine Luftangriffe der syrischen & russischen Luftwaffe gemeldet. Stunden zuvor wurde die Bevölkerung Ostaleppos durch den Abwurf von Flugblättern darauf aufmerksam gemacht, die Flugblätter zeigen die Korridore an folgenden Positionen:

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Ausschnitt des Flugblattes

 Zivile Flüchtlingskorridore:

  1. Im hohen Norden die Hauptstraße zu dem Sheikh Najjar-Industriedistriks, in Richtung der al-Reih-Brücke
  2. Das Berdag-Restaurant in Zentralaleppo bei der Michael Naima-Straße
  3. Al-Sakhour-Bahnstation bis zur Hjar-Moschee
  4. Im tiefen Süden im Sheikh Saeed-Viertel in Richtung von al-Hadher
  5. Im Osten bei der Haj-Menber-Schule in Richtung des Flughafens
  6. Von der Masjed-Moschee zur Qedis Giorgy-Kirche in Zentralaleppo

Militante Flüchtlingskorridore:

  1. Im Norden Aleppos, beginnend vom Jandoul-Kreisverkehrs entlang der Castello-Hauptstraße bis zum Castello-Restaurant
  2. Durch Zentralaleppo vom al-Kher-Markt bis zur Damaskus-Aleppo-Hauptstraße in der Idlib-Provinz

Trotz den Verlautbarungen sollen sich nur einige Familien (darunter eine Großfamilie von 9 Zivilisten) und einige verletzte Kämpfer von Ahrar al-Sham aus dem Gebiet gerettet haben. Der Vorwurf dafür wiegt schwer, laut russischen & syrischen Medien, als auch einigen geflohenen Zivilisten wie Wissam Zarqa wird die Opposition beschuldigt, die Zivilbevölkerung als Geißeln zu nehmen. Dieser Vorwurf wurde später durch verschiedene Medien verifiziert und es existieren mehrere Videos von den Mörsergranaten auf die Korridore. Das Hauptaugenmerk wird auf den einen militanten Fluchtkorridor vom Bustan al-Qasr-Distrikt geworfen.

Geolocation von verschiedenen Angriffen

Step News Agency

Der Beginn macht ein Video der pro-oppositionellen Nachrichtenagentur Step News, welches einen scheinbaren Angriff der Fasteqm-Union zeigt. Der interviewte Kommandant im Video behauptet, dass das „Regime“ versucht hatte im Distrikt vorzurücken, dies aber vereitelt wurde. Derweil sollen keine Zivilisten den Korridor genutzt haben. Unabhängig von der Authentizität der Aussage zeigt das Video eindeutig die Nutzung von Mörsern und „Hell Cannons“ auf Positionen in Westaleppo.

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Eine zweite Stelle im Video zeigt den direkten Beschuss des al-Masharqa-Distrikt nordöstlich der oppositionellen Positionen in Bustan al-Qasr


ANNA

Ein weiteres Video konnte die Abkhazian Network News Agency (ANNA) vorzeigen, ein Nachrichtendienst der stets mit Reportern an den Fronten der SAA und SDF präsent sind. Das Video zeigt nicht nur die Positionen von den bekannten „grünen Bussen“ in Westaleppo zum Abtransport von Zivilisten und Kämpfern am Korridor genutzt werden, sondern auch den mehrfachen Beschuss (zwischen Minute 2:58 und 3:07) des dortigen Stadions.

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ITV

Ebenfalls präsent war der britische Sender ITV mit ihren Korrespondenten Dan Rivers, welche aufgrund einer Reportage in Westaleppo aktiv war. Dort konnten sie direkt mehrere Angriffe von der Position des Dedeman Hotels aus filmen. Ob der Beschuss die gleichen Angriffe wie beim ANNA-Video zeigen ist aber unklar. Später soll er außerdem mehrere Geschosse der Hell Cannon gesehen haben.

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Al-Masdar

Die Position des Filmenden befindet sich auf der östlichen Seite der Kher Eddin al-Assadi-Straße und damit westlich des Stadions. Der Mörser (?) trifft in diesem Falle nicht das Stadion, sondern weiter nordwestlich in Richtung der al-Hariri-Nachbarschaft. Außerdem zeigt das Video, wie sich die Busse in südlicher Richtung zum vorgesehen Ort begeben, es sich insofern wahrscheinlich um einen früheren Zeitpunkt handelte.

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Murat Gazdiev (RT)

Der russische RT-Reporter Murat Gazdiev veröffentlichte über seinem Twitter-Account ein Video, welches ebenfalls Rauchschwaden über die Umgebung südwestlich des Stadions zeigt. Das Video scheint ebenfalls vom Dedeman Hotel zu stammen.


Livestreams der russischen Verteidigungsminsteriums

Die nützlichsten Beweise hingegen konnte das russische Verteidigungsministerium vorweisen, welches 6 Kameras an den verschiedenen Ausgängen installierte und über die ganze Zeit eine Übertragung lieferten. Ausschnitte davon lud RT separat hoch. Das Video zeigt die Position südwestlich des Stadions nahe der Positionen, wo sich die gesamten grünen Busse befunden haben.

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Weitere Fluchtkorridore

An weiteren Fluchtkorridoren soll es hingegen ruhig geblieben sein, so fiel die mediale Berichterstattung auch verhältnismäßig weniger auf und z.B. wurde nur ein Bild von dem zweiten, militanten Korridor entlang der Castello-Straße hochgeladen, der insgesamt einen ruhigen Eindruck macht. Weitere Videos zeigen ebenfalls den Salah al-Din-Korridor in einem leeren Zustand. Über weitere Checkpoints ist sehr wenig bekannt, es soll aber z.B. Kämpfe in Sheikh Saeed zwischen Islamisten und Soldaten gegeben haben, wo sich ebenfalls ein Korridor befindet.

Letzten Endes verifiziert das vorhandene Videomaterial auf mannigfaltige Weise, dass der Vorwurf vom Beschuss der Flüchtlingskorridore in jeglicher Weise absolut korrekt ist – wenn auch nicht in einer solchen quantitativen Weise. Der mehrmalige Beschuss zeigt zumindest im Bustan al-Qasr-Korridor die Absicht, Oppositionelle und wahrscheinlich auch Zivilisten von der Flucht fernzuhalten. Insgesamt kann man es als eindeutigen PR-Gewinn für die syrische Regierung & Russland werten, welches erneut die Opposition in Ostaleppo für ihre Skrupellosigkeit vorführt und die Brandmarkung als „Terroristen“ zu bestätigen scheint.