Oppositionsgruppen, die in der 2. Aufhebung der Belagerung involviert sind

Anmerkung: Aufgrund der Aktualität der Offensive können sich die beteiligten Gruppen jederzeit ändern bzw. zunehmen. Dementsprechend ist auch keine Vollständigkeit garantiert.

 

Laut Charles Lister sind ebenfalls folgende Gruppen aktiv, ohne genaue Beweise dazu zu nennen:

  • al-Jabhat al-Shamiya
  • 16th Division
  • Jaysh al-Tahrir
  • Jaysh al-Izza
  • Liwa Ahrar al-Sunnah
  • Jaysh al-Sunnah
  • Liwa al-Haqq

Wichtigste Oppositionsgruppen lehnen die Waffenruhe ab

Mehrere islamistische und von Westen als „moderat“ angesehene Oppositionsgruppen lehnten die 2. amerikanisch-russische Waffenruhe mit der Begründung ab, die syrische Regierung dabei zu stärken und dass Fateh al-Sham (ahemalig al-Nusra/al-Qaida) weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Revolution ist und damit nicht hintergangen werden kann.

Als Reaktion lehnen momentan folgende Gruppierungen die Waffenruhe ab: Fateh al-Sham (größte Oppositionsgruppe), „Revolutionairies of Aleppo“ (es handelt sich um ein Positionspapier der FSA in Ostaleppo), Jaysh al-Fateh (größtes Bündnis und dominierend im Nordwesten des Landes) und Ahrar al-Sham, welches wiederum als die zweitgrößte Oppositionsgruppe gilt und sowohl in Jaysh al-Fateh als auch in der Islamischen Front eine bedeutende Rolle einnimmt.

Währenddessen verlangen Teile der Opposition nähere Details der Waffenruhe und seinen Auswirkungen innerhalb von 14 Stunden durch die USA & Türkei. Sie verlangen dabei die Beendigung von Luftangriffen durch die syrische Luftwaffe, Klarheit über einsetzende Mechanismen wenn die Waffenruhe beendet wird und warfen der Regierung Heuchelei aufgrund fehlender Abgrenzung von schiitischen Milizen (ähnlich Opposition – Fahteh al-Sham) vor. Damit zeigt sich dass ausländische Mächte erneut ohne wirklich Grundbasis in Syrien einen Vertrag bzw. Waffenruhe geschlossen haben.

Dementsprechend ist ein Erfolg noch unwahrscheinlicher.

Regierungsunterstützende Gruppen – Aufzählung

Es gibt vor allem in momentanen Zeiten den großen medialen Versuch, die Rolle der Syrischen Armee und weiteren syrischen Milizen im Syrischen Stellvertreterkrieg kleinzureden und dafür die größte Kriegslast Gruppen wie afghanischen Milizen oder Hisbollah zuzuschieben. Die Frage stellt sich nur, inwiefern diese Behauptung richtig ist? Ich denke diese Liste gibt zumindest einen kleinen Einblick darauf. Vollständigkeit wird nicht garantiert.

Teil 2

Edit: Sämtliche Personalstärke sind reine Schätzungen und spiegeln nur bedingt die Realität wieder, da es keine verlässlichen Quellen dazu gibt. Grundsätzlich sind solche Zahlen äußerst optimistisch.

Syria_Armed_Forces_Emblem.svg.png1. Offizielle Streitkräfte Syriens

Hierbei handelt es sich um die SAA (Syrische Arabische Armee), die als legitime Armee des syrischen Staates ebenfalls die größte Mannstärke auf sich zählen kann. Sie wird unterteilt in ihre verschiedenen Sektionen.

531px-Syrian_Arab_Army_Flag.svg.png

1.1. Syrisch-Arabische Armee (SAA)

Größte Sektion der gesamten Syrischen Armee mit einer geschätzten Personalstärke von rund ~100.000 bis 120.000 Soldaten. Logischerweise das Rückgrat der Regierung und im gesamten Syrien aktiv.

National_Defence_Force_Syria_Logo.jpg

1.2. NDF (National Defence Forces)

Die „offizielle“ Verteidigungsmiliz der Syrischen Armee, in der sich regionale Milizen organisieren die primär Aufgaben der Verteidigung & polizeiliche Aufgaben (Checkpoints etc.) in ganz Syrien übernehmen. Ist aber ebenfalls teilweise in kleinen Offensiven beteiligt, ziehen sich aber zumeist wieder schnell zurück. Ihre Personalstärke wird um die ~90.000 geschätzt.

150px-Syrian_Republican_Guard_SSI.svg.png1.3. Republican Guards

Eliteeinheiten der Syrischen Armee die primär im Gegensatz zu den Eliteeinheiten der „Tiger Forces“ defensive Aufgaben übernehmen und in kritische Gebiete transferiert werden. Beispiele hierfür sind Deir ez-Zor (Kommandant der Republican Guards Zahreddine), Ost-Ghouta, Qamishli. Ebenfalls beschützen sie den Präsidentenpalast in Damaskus. Personalstärke unbekannt, etwa ~15.000.

hqdefault.jpg1.4. Tiger Forces

Offensive Eliteeinheit unter dem legendären Kommandanten al-Hassan, die trotz geringer Zahl enorme Leistungen bei der Eroberung von Aleppo (Najjar-Industriezone, Castello-Highway, Kuweires-Luftbasis) geleistet hatte. Dort wo sie auftauchen ist prinzipiell ein Sieg zu erwarten.

Syrian_Arab_Navy_Flag.svg.png1.5. Syrische Marine

Bis auf wenige Kämpfe und den Beschuss Latakias in 2011 erfüllen sie keinen großen Zweck als Marine. Dementsprechend sind ihre Soldaten hauptsächlich in die SAA eingegliedert und waren z.B. ebenfalls in der Eroberung Palmyras/Tadmurs involviert.

Syrian_Air_Force_Flag.svg.png1.6. Syrische Luftstreitkräfte

Trotz wichtiger Geschichte für die Ba’ath-Partei (Hafez al-Assad treuesten Kommandanten stammten aus den Luftstreitkräften) ist sie grundsätzlich sehr veraltet ausgerüstet, im Gegensatz zur Irakischen Armee fehlt es nicht unbedingt an personeller Ausbildung. Seit russischer Intervention hat sich die Rolle aber verbessert. Laut einigen Quellen rund ~40.000 Personalstärke, mMm aber sehr hoch geschätzt.

1.7. Abteilung für militärische Aufklärung

Einer von unzähligen zivilen und militärischen Geheimdiensten und Aufklärungsdiensten, die nun mal militärische Aufklärung leisten.

Baath_Battalions_SSI.svg.png2. Ba’ath-Brigaden

Sunnitische Miliz die sich primär aus freiwilligen Mitgliedern der Ba’ath-Partei (nicht nur der Syrischen) zusammensetzt. Sie agieren primär um Damaskus/Rif Dimashq und ihre Mitglieder werden auf rund ~4.000-8.000 geschätzt.

Suqur_al-Sahara_SSI.png3. Suqur al-Sahara (Desert Falcons)

Syrische Elitemiliz die sich aus Freiwilligen und Veteranen der SAA zusammensetzt und vor allem auf unwirkliches Gelände spezialisiert ist, z.B. war sie in Latakia und Palmyra sehr aktiv. Ebenfalls wird sie als die „Lieblingseinheit“ Russlands im Sinne der Kooperation beschrieben. Mitgliedszahl etwa ~7.000.

Emblem_of_Liwa_Al-Quds.svg.png4. Liwa al-Quds

Syrische Miliz die sich aus dem ehemaligen palästinensischen Flüchtlingslager im Handarat-Viertel in Nordaleppo (Stadt) zusammensetzt. Dementsprechend ist ihrer primäres Operationsgebiet Handarat, wurde aber auch letztens auch in Südaleppo entdeckt.  Insgesamt etwa ~2.000 Kämpfer.

4.1. Lions of al-Quds Battalion  

4.2. Deterrence Battalion          4.3. Lions of al-Shahba’ Battalion

QuwatJalilgraphic.jpg5. Quwwat al-Jalil

Eine weitere syrisch-palästinensische Miliz die vor allem in Qalamoun (westlich von Damaskus) und Deir ez-Zor aktiv ist. Es handelt sich um den militärischen Arm der Harakat Shabab al-Oudat al-Falastinia [Movement of the Youth of the Palestinian Return]. Nach eigenen Angaben besitzen sie etwa ~4.000 Soldaten.

LiwaJalilemblem-450x450.jpg6. Liwa al-Jalil

Palästinensische Miliz die sich dem arabischen Nationalismus nahe sieht und sich selber als „säkulares, linke Bewegung“ beschreibt. Politischer Arm bekannt als „National Resistance Action Movement“ und sie agiert in Rif Dimashq und Quneitra. Militärisch sehr klein aber propagandistisch von großem Nutzen, da sie das Bild von Assad als Verteidiger der Palästinenser aufrecht erhält.

QuwatHumatSouriyaUsudHussein-450x450.jpg7. Liwa Usud al-Hussein

Syrische Miliz aus Latakia die vor allem die Wahrung von alawitischen Interessen zum Ziel hat, ihr Anführer ist Hussein Tawfiq al-Assad. Es gibt ebenfalls Bilder sie in an der Palmyra-Offensive zeigen sollte. Insgesamt nimmt sie aber eine sehr geringe Rolle ein.

LiwaKhaybaremblem-1.jpg8. Liwa Khaybar

Entstand 2012 im ähnlichen Zeitraum der NDF in Homs und operiert inzwischen ebenfalls in Hama. Über sie ist wenig bekannt, die hat gewisse Beziehungen zu iranisch-schiitischen Milizen. Sie behauptet von sich selber „Tausende“ von Rekruten zu besitzen, aber aufgrund der Angabe von 36 „Märtyrern“ in den letzten 4 Jahren erscheint das sehr unwahrscheinlich.

9. Quwat Dir’ al-Watan

Ein heterogenes Bündnis aus verschiedenen Gruppierungen im Süden Syriens in der Dara’a-Provinz, die offensichtliche Verbindungen zu Rami Makhlouf und der schiitischen Miliz Liwa Dhu al-Fiqar aufweist. Insgesamt werden ihre Mitglieder auf 2.000 Soldaten geschätzt.

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9.1. Liwa Dir‘ al-Watan

Eine sehr Armee-treue, syrische Miliz die vor allem in den Belagerungen von Ost-Ghouta und Daraya bei Damaskus aktiv ist. Gegründet 2015 betonen sie stets ihre Rolle mit der Syrischen Armee, als auch mit irakischen Milizen der Liwa Abu al-Fadl al-Abbas. Womöglich auch vom irakischen Kommandanten Hayder al-Juburi angeführt.

LiwaSalahalDinAyyubiEmblem-768x549.jpg9.2. Liwa Salah al-Din al-Ayyubi

Benannt nach einem muslimischen Kämpfer gegen die Kreuzfahrer weißt die Gruppe Verbindungen zur al-Bustan-Wohltätigkeitsorganisation auf. Ihr Operationsgebiet ist ebenfalls Rif Dimashq, sekundäre Rolle bei der Belagerung von Daraya und Ost-Ghouta.

photo.jpg9.3. Quneitra Hawks Brigade 

Über sie ist sehr wenig bekannt, wie der Rest von al-Watan kämpft sie in Rif Dimashq und Quneitra. Syrische Miliz.

10. Jaysh al-Wafaa

Gegründet aus ehemaligen Mitgliedern der Opposition in Südsyrien. Operationsgebiet wahrscheinlich Dara’a.

11. Dareh al-Areen

Eine kleine alawitische Miliz die ihre Interessen in der Bewahrung des Alawitismus liegt. Ihre Besonderheit ist die Zusammensetzung ihrer Mitglieder aus Assad’s Heimatstadt Qardaha. Sie agieren und operieren dementsprechend in Latakia. 

12. al-Hosn

Syrische Privatmiliz/Sicherheitsdienst vom reichsten Geschäftsmann Syriens Rami Makhlouf. Agiert in Latakia und Damaskus und wird maximal auf 6.000 Mitglieder geschätzt.

13. Dareh al-Sahel

Alawitische Miliz die ihre eigene Mannstärke auf „Hunderte“ schätzt. Operationsgebiet ist logischerweise Latakia.

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14. Shields of Syrian Jazira

Eine syrisch-arabische Miliz die sich zum Schutz der Araber vor der PYD/YPG in Hasakah gebildet hat. Dementsprechend sind sie im Regierungsteil Hasakahs aktiv.

15. Al-Magawhir

Eine arabische Miliz die sich aus den verschiedenen Stämmen der Badiya-Wüste zusammensetzt und primär in Hasakah operiert. Wird ebenfalls finanziell vom Iran unterstützt. Die Mannstärke wird selber als „Hunderte“ angegeben.

16. Popular Resistance Front in the Eastern Region Against ISIS

Eine Guerillamiliz die in der Deir ez-Zor-Provinz beheimatet ist. Mehr ist über ihr nicht bekannt.

17. Ussud al-Sharqiya

Miliz die aus Mitgliedern des Shaitat-Stammes besteht und in ihrem Heimatgebiet östlich von Deir ez-Zor aktiv sind. Ihr Personalstärke wird auf rund ~800 geschätzt, nachdem Daesh ein großes Massaker an dem Stamm verübt hat.

Sootoro.xcf.png18. Sootoro

Eine assyrische Miliz die ähnlich Jazira aus dem Zweck entstanden ist, sich vor Übergriffen der YPG/PYD in Qamishli und Hasakah zu schützen. Sie sind oft Bestandteil von Plänkeleien und Scharmützeln gegen die assyrische Asyaish auf Seiten der YPG. Polizeiliche Aufgaben werden mit rund ~500 Mitgliedern übernommen.

Syrian_Resistance_SSI.svg.png19. Syrian Resistance

Eine syrische Miliz die ideologisch dem Marxismus-Leninismus nahe steht. Ihr Anführer ist der Syrer Ali Kayali, der ehemalig Mitglied in der türkischen, militanten Gruppe People’s Liberation Party-Front (DHKP-C) war. Es gibt dennoch einige Vermutungen dass sich die Gruppe eher als alawitisch-religiös als kommunistisch/sozialistisch versteht. Ihre Soldatenanzahl beträgt etwa 2.000 und sie agieren lediglich in Latakia.

150px-LiwaAbuFadlal-Abbas_newlogo.png20. Liwa Abu al-Fadhal al-Abbas

Schiitische Miliz die den Grund für ihre Entstehung daraus sieht, schiitische Schreine (z.B. Sayyida Zainab-Schrein in Damaskus) und Zivilisten zu schützen. Ein Großteil der Mitglieder kommt aus dem Irak und hat intensive Beziehungen zur Hisbollah. Mit ~5.000 Mitgliedern erstreckt sich ihr Operationsgebiet auf Aleppo und Damaskus.

logo (1).png21. Liwa Dhu al-Fiqar

Schiitische Miliz, die sich aus der Liwa Abu al-Fadhal al-Abbas aufgrund finanzieller Problematiken abspaltete. Außerdem könnte womöglich der Narrativ zur Verteidigung der Schreine zur Spaltung geführt haben, al-Fiqar wollte ebenfalls an weiteren Fronten gegen die Opposition kämpfen. 

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22. People of Zainab Brigade

Liwa Zainebiyoun (People of Zainab Brigade) ist ein Kontingent von pakistanischen schiitischen Kämpfern in Syrien, die angeben für den Schutz des Sayyida Zainab Schrein in Damaskus zu kämpfen und setzt sich nach Angaben aus afghanischen & pakistanischen Schiiten zusammen.

IRGC-Seal.svg.png23. Iranische Revolutionsbrigade

Bekanntes iranisches Paramilitär unter Führung von Qasem Soleimani. Sie sind quasi die offizielle Segment des iranischen Militärs welches in Syrien aktiv. Trotz oppositioneller Propaganda darf man aber die Rolle nicht falsch verstehen: primär Ausbildung und Koordination von Einheiten. Nur ein kleines Segment befindet sich auch aktiv im Kampf. Die gesamte Personenstärke ist ein ziemlich großes Rätsel und reicht von „Hunderten“ bis 10.000 nach oppositionellen Quellen. Persönliche Schätzungen liegen zwischen 4.000-7.000 Einheiten.

23.1. Basidsch-e Mostaz’afin

Iranischer Sicherheitsdienst

23.2. Quds Forces

Iranische Eliteeinheit für Auslandseinsätze

23193.JPG24. Afghanische Hisbollah

Die afghanische Hisbollah entstand aus dem Zusammenschluss von Liwa Fatimiyoun und Liwa Khudam Al-‚Aqila. Hatte temporär eine größere Rolle nachdem irakische Milizen in ihre Heimat zurückkehren mussten, da sie dort ebenfalls Daesh bekämpfen mussten. 

2.JPG24.1. Liwa Khudam Al-‚Aqila

Sehr wenige Informationen gibt es um diese Gruppe, höchst wahrscheinlich sind es afghanische Schiiten die mithilfe des Iran nach Syrien transportiert wurden und ihnen eine Staatsbürgerschaft für den Iran versprochen wurde.

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24.1. Liwa al-Fatemiyoun

Sie pflegt tiefe Verbindungen zum Iran (Revolutionsgarden erschienen zur Beerdigungen von „Märtyrern“ der Gruppe) und Syrien. Fast ihre gesamte Mannstärke von ~3.000 befindet sich momentan in der Dara’a-Provinz. Ihre Mitglieder bestehen aus den Hazara, einer schiitisch-ethnischen Minderheit aus Afghanistan.

Flag_of_Hezbollah.svg (1).png25. Hisbollah

Riesige politisch-militärische Organisation die ursprünglich aus dem Libanon stammt und die größte „ausländische Gruppierung“ auf Seiten der Regierung darstellt. Unter Führung des Iran und Hisbollah kam es zu mehreren Versuchen eine syrische Hisbollah entstehen zu lassen. Generalsekretär Hassan Nasrallah und Assad hatten traditionell gute Beziehungen und kann auf die Solidarität und Unterstützung der Hisbollah zählen. Die genauen aktiven Mitglieder sind unbekannt, sie schwanken normalerweise zwischen 5.000 bis 25.000 Kämpfer alleine in Syrien. SIe haben sich bereits im Libanonkrieg 2000 und 2006 als äußerst effektiv erwiesen und erfüllen diese Erwartungen in Syrien ebenfalls.

Anmerkung: Ich werde sonstige Gruppierungen die sich mit der Hisbollah assozieren nicht unter der Hisbollah sondern separat aufführen. 

2.JPG26. Asa’ib Ahl al-Haq

Ehemaliges Mitglied der „Peace Companies“ und Mahdi Army im Irak und ist das größte übriggebliebene Mitglied der „Spezialgruppen“, einer semi-legalen Organisation die dem Iran die Finanzierung von schiitischen Milizen ermöglicht. Ihr Stärke wird auf rund ~3.000 geschätzt.

Logo_of_the_Peace_Companies.png27. Peace Companies

Ist die unabhängigste Gruppe der 3 „Spezialgruppen“. Ehemals bekannt als „Promised Day Brigade“ innerhalb der Mahdi Army unter Führung des sunnitischen Klerikers Muqtadā al-Ṣadr.

200px-Kata'ib_Hezbollah_flag.svg.png28. Kata’ib Hisbollah/ Irakische Hisbollah

Die kleinste Partei unter den „Spezialgruppen“ mit dennoch der größten iranischen Unterstützung. Sie ist eine schiitische Miliz die sowohl im Irak als auch in Syrien vor allem in Aleppo aktiv ist. Sie besitzt ungefähr ~1.000 Kämpfer.

untitled416.png29. Sariyya al-Tali’a al-Khurasani

Auch bekannt als Saraya al-Khorasani besitzt sie einen politischen Arm namens Harakat al-Talia al-Islamiyah. Es handelt sich um eine schiitisch-irakische Miliz die nach eigenen Angaben nur in Damaskus aktiv ist. Die Mitgliederzahl sollte nicht über 200 sein.

312.jpg30. Liwa al-Islam al-Hussein

Schiitisch-irakische Miliz die in Rif Dimashq aktiv ist. Ebenfalls war es in Offensiven der 4th Division der SAA aktiv, z.B. in Ost-Ghouta.

318.jpg31. Rapid Intervention Movement

Angeführt wird sie von Ahmed Haji al-Sa’adi unter der Legitmation, den Sayyida-Schrein zu verteidigen. Ideologisch steht sie der irakischen Muqtada al-Sadr nahe. Ein Großteil der Einheiten wurde inzwischen in den Irak transferiert, dennoch gibt es weiterhin ein kleines Segment in Syrien. 

untitled481.png32. Faylak Wa’ad al-Sadiq

Schiitisch-irakische Gruppe die bereits 2003 aktiv war und heute vor allem in Aleppo beheimatet ist. Über sie ist wenig bekannt, aber ihre Stärke wird auf die Größe eines kleinen Gruppe geschätzt, also maximal 1.000 Kämpfer.

Kata'ib_Sayyid_al-Shuhada_flag_logo.jpeg33. Katai’b Sayyid al-Shuhada

Irakisch-schiitische Miliz die sich ebenfalls als Verteidiger der heiligen Schreine betrachtet. Sie ist hauptsächlich in Rif Dimashq und Dara’a aktiv, enge Beziehungen zur Badr-Organisation.

325.jpg34. Harakat al-Nujaba

Schiitisch-irakische Miliz die in Syrien und Irak kämpft. Dabei besitzt sie gute Beziehungen zur Hisbollah und zum Iran, vor allem zu iranischen Gruppierungen.

untitled273 (1).png35. Liwa’a ‘Ammar Ibn Yasir

Syrisch-schiitische Miliz, die vom Iran finanziert und unterstützt wird. Sie operiert in der Provinz Aleppo.

ansar-allah-al-awfiyya.jpg36. Ansar Allah al-Awfiya

Eine schiitische Gruppe die ihre Entstehung auf das Jahr 2014 datiert, insofern also sehr jung ist. Dennoch reicht eine gewisse Tradition in die „al-Muqawama al-Islamiyyah fi al-Iraq“ zurück, woraus sie sich dann gelöst haben. Es steht dem Iran und der irakischen Sadr-Bewegung nahe.

untitled389.png37. Liwa’a al-Imam al-Hasan al-Mujtaba 

Schiitische Miliz die im Rif Dimashq aktiv ist. Aufgrund vorhandener Bilder wird ihre Mitgliedszahl sehr niedrig geschätzt, etwa ~100.

untitled306.png38. Liwa’a  Kafeel Zaynab

Splittegruppe von Muqtada al-Sadr’s Jaysh al-Mahdi, gegründet 2003 ist sie heute in Syrien und Irak aktiv. Ihre Trennung wurde vom Iran und der Hisbollah unterstützt, die Grunde hierzu sind unklar. 

38.1. Haidar al-Karar Brigades

Teil der obigen Gruppe, der in Syrien aktiv ist mit rund ~1.000 Soldaten.

179.jpg39. Assad Allah al-Ghaleb Forces (Asa’ib Ahl al-Haq)

Irakisch-schiitische Miliz die sich ebenfalls dem Schutz der heiligen Schreine verschreibt und gute beziehungen zum Asa’ub Ahl al-Haq-Netzwerk besitzt. Ihr Anführer nennt sich Abdullah al-Shabani und ist sowohl in Syrien, als auch im Irak aktiv.

untitled403.png40. Quwet al-Shahid Muhammed Baqir al-Sadr

Teil der Badr-Organisation, die 2014 etwa 1.500 Kämpfer nach Syrien entsandte.

497.jpg41. Harakat al-Abdal

Gegründet 2014 als Bestandteil der irakischen PMU trennten sie sich recht schnell und näherten sich ideologisch der Badr-Organisation. Anfang 2016 riefen sie zu Kämpfen in Syrien auf.

382.jpg42. Saraya Ansar al-Aqeeda

Ebenfalls zu Beginn in der irakischen PMU gewesen, wechselten sie unter ihrem Anführer Sheikh Jatal al-Din al-Saghir die Rollen und erklärten sich als Teil des „Islamic Supreme Council of Iraq“. Es ist nicht völlig gesichert ob sie in Syrien aktiv sind oder nur im Irak. 

306.jpg43. Saraya Ashura

Ebenfalls Mitglied der dem Iran nahe stehenden „Islamic Supreme Council of Iraq“ sind sie primär im Irak gegen Daesh aktiv.

Badr_Organisation_Military_flag.svg.png44. Badr-Organisation

Eine schiitische politisch-militärische Partei im Irak. Da sie im Gegensatz zu vielen schiitischen Gruppen eine legale Rolle im irakischen Staatsapparat einnimmt besitzt sie einen höheren Einfluss auf den Geheimdienst und PMUs.

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45. National Ideological Resistance

Der offizielle syrische Ableger der Hisbollah, entstanden 2013 mithilfe der Quds Forces in Rif Dimashq. Aktiv sind sie insgesamt in Tarkus, Damaskus und Aleppo.

46. Quwat al-Ridha

Ein kleine syrische Miliz in Homs die versucht den Typus der Hisbollah-Milizen nachzuahmen. Ihr Anführer ist Sayyid Hashin Muhammad Ali.

2.JPG47. Jaysh al-Imam al-Mahdi

Ebenfalls ein Versuch eine Hisbollah-esque Gruppierung aufzubauen. Berichte sagen dass die Gruppe ein iranischer Versuch ist, libanesische, irakische und afghanische Kämpfer in eine Gruppe zu vereinen.

738.jpg48. Al-Ghalibun/Islamic Resistance Company in Syria

Gegründet 2015 ist sie eine weitere Hisbollah-Version in Syrien. Ihre Aktivitäten sind grundsätzlich eher unbekannt, sie operieren in Rif Dimashq und Quneitra.

LiwaSayyidaRuqqiyaEmblem.jpg49. Liwa al-Sayyida Ruqayya

Irakisch-schiitische Miliz die in Damaskus zum Schutz des Schreins aktiv ist. Ehemals war sie Teil der NDF und der Kata’ib Sayyid al-Shuhada. 

Houthis_Logo.png50. Huthis

Die Saada-Brigade ist in Südsyrien bei Dara’a aktiv und kooperiert eng mit der Hisbollah. Hisbollah und die syrische Regierung wiederum besitzen eine enge Beziehung zu den schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen.

Pflp-gc-logo.JPG51. Volksbefreiungsfront zur Befreiung Palästinas – Generalkommando

Eine der führenden palästinensischen Fraktionen in Syrien, die sowohl Unterstützung aus Palästina als auch durch die palästinensischen Flüchtlingslager z.B. in Aleppo und Damaskus genießt.

52. Fatah al-Intifada

Palästinensische Miliz die bis in die 80er von Assad unterstützt und finanziert wurde im Kampf gegen Israel. Sie spaltete sich aus der bekannteren Fatah-Gruppe.

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53. Jaysh al-Muwahhideen

Die größte Freiwilligenmiliz der Druzen in der Suweida-Provinz und generell. Sie tritt ähnlich der NDF als regionale Verteidigungsmiliz aus und übernimmt polizeiliche Aufgaben.

DirWatanEmblem.jpg54. Dir’ al-Watan

Eine weitere drusische Miliz die ihre Basis in Suweida hat. Sie hat gute Beziehungen zur Syrischen Armee und hat eine Stärke von rund ~1.500 Kämpfern. Enge Beziehungen zu Burkan al-Jabal al-Na’im und al-Raghaba. Nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Gruppe in Rif Dimashq. 

55. Burkan al-Jabal al-Na’im

Drusische Miliz, die intensive Beziehungen zu al-Watan unterhält.

56. al-Raghaba

Drusische Miliz, die intensive Beziehungen zu al-Watan unterhält.

57. Lebayk ya Salman

Drusische Miliz die durch die Hilfe des Irans entstanden ist.

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58. Quwat al-Fahd

Drusische Miliz die den Versuch darstelle verschiedene militärische und politische Fraktionen zu vereinen.

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59. Palästinensische Befreiungsarmee

Eine palästinensisch-syrische Miliz die in frühen Jahren von Syrien unterstützt wurden und dementsprechend in ihrer Schuld stehen. Ihr Personalstärke beträgt etwa ~4.000.

59.1. As-Aq’sa

Brigade innerhalb der Palästinensischen Befreiungsarmee.

zawbaa-emblem-450x353.png60. Nusur al-Zawba’a

Eine „linksnationalistische“ Miliz die den militärischen Arm der SSNP in Syrien und Libanon darstellt. Sie ist hauptsächlich in den christlichen Dörfern in Homs und Tarkus präsent und genießt eine enorme Unterstützung innerhalb der dortigen Bevölkerung. Es gibt z.B. Eheringe mit den Symbolen der SSNP. Militärisch hatte sie sich ebenfalls als gut ausgerüstet und effektiv dargestellt, dennoch ist ihre genaue Stärke unbekannt.

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61. Arab Nationalist Guard

Eine große Miliz aus arabischen Freiwilligen, die dem arabischen Nationalismus und Sozialismus/Ba’athismus nahe stehen. Sie besteht zu großen Teil aus ausländischen Arabern. Geschätzte Personalstärke: ~1.000. Sie sind in ganz Syrien aktiv.

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62. Jaysh al-Tahrir al-Falastini

Eine drusisch-palästinensische Gruppe die sowohl in Suweida als auch in Rif Dimashq agiert. Ihr Anführer ist Muhammad Tariq al-Khadra.

23211.JPG63. The National Resistance In Hauran

Örtliche Miliz die sich primär der Bekämpfung Israels und die Rückeroberung der Golanhöhen zum Ziel hat als die wirkliche Bekämpfung der Opposition. Ihr Operationsgebiet ist Quneitra dementsprechend.

LocalDefenceForcesemblem-450x450.jpg64. Local Defence Forces

Ähnlich der NDF eine regionale Miliz die in der Stadt Aleppo präsent ist. Sie behauptet von sich mehrere tausend Mitglieder zu zählen, dies erscheint dennoch sehr unwahrscheinlich.

64.1. Katibat al-Nayrab al-Maham al-Khasa     64.2. Liwa al-Baqir           

 64.3. Fawj al-Safira                    64.4. Fawj Nubl wa al-Zahara‘

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65. Kata’ib al-Jabalawi

Eine alawitische Miliz die aus Homs stammt. Sie ist ebenfalls in Südsyrien bei Dara’a aktiv gewesen. Sie soll ebenfalls Beziehungen zu dem Geschäftsmann Rami Makhlouf aufweisen, ähnlich weiteren Milizen aus Homs.

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66. Leopards of Homs

Ebenfalls eine sunnitische Miliz aus Homs, die große Parallelen zu al-Jabalawi aufweist und gute Beziehungen zur NDF und Liwa Khaybar genießt. Soll ebenfalls Kontakt zu Rami Makhlouf besitzen. 

ImamMahdiScoutsNublandZahara-768x835.jpg67.  Imam Mahdi Scouts

Eine schiitische Miliz die bei der Belagerung von Nubl und Za’ara wesentlich beteiligt war. Sie erfüllen zugleich den sozialen Dienst einer Jugendorganisation.

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68. Fawj al-Imam al-Hujja

Schiitische Miliz bei Nubl die Verbindungen zur Hisbollah angibt. Obwohl es in Nubl bereits eine Hisbollah-Variante gab, entstand sie wohl höchst wahrscheinlich durch die Belagerung und mehreren Versuchen des Ausbruches.

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69. Liwa Sayf al-Mahdi

Eine kleine syrisch-schiitische Miliz die gute Beziehungen zur SAA aufweist (und z.B. die 4th Division unterstützte), als auch zu weiteren schiitischen Milizen gute Beziehungen genießt.

QuwatGhadabgraphic.jpg70. Quwat al-Ghadab

Christliche (Griechisch-orthodox) Miliz, die in Hama entstand und wahrscheinlich aus der SSNP und NDF gebildet wurde. Sie weißt außerdem Kontakte zu den Republican Guards auf.

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71. Homeland Defence Forces

Örtliche Miliz in Südsyrien (vor allem Quneitra und Dara’a) die aus freiwilligen Anwohnern besteht und deren Aufgabe darin besteht, ihre zumeist drusischen Heimatorte zu beschützen.

Abschluss: Auch wenn nicht jeder Gruppe die Mannstärke korrekt angegeben/zugehörig ist, so ergibt sich doch bereits auf dem ersten Blick dass alleine die offizielle syrische Miliz der NDF ein Vielfaches an Kämpfern bereithält, als die heterogenen Bündnis von irakischen, afghanischen, iranischen usw. Milizen insgesamt. Die erste Aussage erweißt sich demnach als völlig falsch und unzutreffend.

Gruppierungen die in der Südaleppo-Offensive beteiligt sind

Eine Fortführung der Aufführungen der involvierten Oppositionsgruppierungen in Ostaleppo. Es wird keine Vollständigkeit garantiert. Ein weiterer Artikel zu dieser Offensive erscheint, wenn Diese vollendet/abgeschlossen ist. 

 

Gruppierungen die ebenfalls involviert sein könnten/Untergruppierungen der oben Genannten sind:

  • 101st Infantry (FSA)
  • 16. Infantry Division (FSA)
  • Abu al-Alamein Brigade
  • al-Imam Army
  • al-Jass Mountain Brigade
  • Conquerors Brigade Faction
  • Jaysh al-Imam Brigade/Faith Army
  • al-Badiya Army
  • Abu Omar al-Janoobi
  • Shabhat al-Sunnah

 

Sonstige Bemerkungen: Trotz der quantitativ doch starken Vertretung der FSA sollte beachtet werden dass islamistische Gruppierungen wie die „Großen Drei“ Fateh al-Sham, Ahrar al-Sham und Jaysh al-Islam die größte Last der Offensive tragen und ebenfalls die Führung unter ihren Bündnissen Fateh Halab und Jaysh al-Fateh übernehmen.

 

Jabhat al-Nusra von al-Qaida unabhängig erklärt

Nach einigen Tagen voller Gerüchte und unbestätigten Berichten ist es nun beschlossen: Anführer Abu Mohammed al-Joulani bestätigte den Austritt/Abspaltung am 25. Juli. Es gibt zwar noch kein offizielles Statement der Organisation(nen) dazu, aber durch den bereits verkündeten Namenswechsel in „Jabhat Fateh al-Sham“ (JFS), einer neuen Flagge und öffentlichen Stellungsnahmen ist es wohl faktisch verkündet. Das „Shura-Komitee“ entschied in Debatten der wichtigsten Kommandanten der jeweiligen Gruppierungen und Geistlichen „die Interessen der islamischen Nation und Sham [Levante] dadurch zu schützen, den Ungläubigen (Russland & USA) keine Legitimation dadurch zu geben, die syrische Opposition weiterhin anzugreifen.

Vorneweg: Selbstverständlich wird es ideologisch zu keinen Veränderungen kommen. Wir erinnern uns an ehemalige al-Qaida-Ableger, die sich völlig abgegrenzt haben oder zumindest noch ein loses Bündnis besitzen: Islamische Turkestan-Partei, Jund al-Aqsa, oder auch ganz simpel Daesh (entstanden aus der irakischen al-Qaida). Ebenfalls ist völlig klar, dass es eine innerparteiliche Opposition gibt die sich weiterhin für ein aktives Bündnis mit al-Qaida ausspricht. Ob diese Opposition aber besondere Schritte einnimmt bis hin zur Abspaltung von al-Nusra bleibt abzuwarten. Das Verhältnis zwischen Joulani und Zawahiri ist von dem „bay’at Kital fi sabil Allah“ geprägt, das Versprechen des heiligen Krieges im Namen Gottes. Dementsprechend ist es nichts Ungewöhnliches für einen temporären Zeitraum die „Unabhängigkeit“ zu erklären, um größeren Schaden an der „Ummah“ (Islamischer Staat) zu bewahren.

Nusra ist eine aktive Armee die eine Zivilbevölkerung zu verpflegen hat, Infrastruktur und staatliche Strukturen zu unterhalten, mit moderaten Gruppen sich zu verbünden und zugleich gegen sie zu kämpfen. All dies unterscheidet sie von al-Qaida.

Nicht zu vergessen konzentriert sich al-Nusra auf einen „Dschihad in einem Land (Syrien)“ während al-Qaida ebenfalls vom globalen Terrorismus Gebrauch macht. Daher wird auch der Namenswechsel stammen, welcher sich explizit auf den Levante bezieht. Der Namenswechsel hat ebenfalls laut eigenen Angaben den Zweck, dass dadurch die Gegner al-Nusras (Anmerkung: Auch die USA fliegt sehr selten Angriffe auf al-Nusra) „verwirrt“ sein werden und dementsprechend erste Reaktionen aufgrund der Entwicklung unterlassen werden, auch um Resultate abzuwarten. In dieser Zeit soll dabei die syrische Opposition gestärkt und vereint werden. Ebenfalls könnte es einen neuen bürokratischen Prozess für die UN andeuten, der die neue al-Nusra erneut als terroristische Gruppierung klassifizieren muss.

Durch dieses Ereignis nun werden also Wege und Möglichkeit geöffnet, al-Nusra zumindest aus diplomatischer Hinsicht anders zu bewerten.Von einem Bündnis mit Daesh/IS bis hin zu einer öffentlichen Unterstützung der arabischen Staaten für al-Nusra sind prinzipiell alle Wege geöffnet. Ein möglicher Ausblick und die verschiedenen Szenarien für diese Dynamik.

In der Kurzfassung: Es wird keine positive Entwicklung sein.

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Neue Flagge

Mögliche Szenarien und Auswirkungen:

Opposition unter al-Nusra Herrschaft?

Es handelt sich tatsächlich um keine neue Idee. Da al-Nusra bereits (neben Ahrar al-Sham und Jaysh al-Islam) zu den größten Oppositionsparteien gehört kam es schon öfters vor allem mit Ahrar al-Sham und innerhalb von Jaysh al-Fatah (Größtes salafistische Gruppenbündnis) zu Gesprächen, um eine Einigung unter dem Banner von al-Nusra zu bewirken. Al-Nusra genießt großen Respekt bei ihren Feinden, Freunden und der Bevölkerung, insofern bereits die gesamte Opposition in einer gewissen Form abhängig ist.

Beispiel: Innerhalb der UN-Waffenruhe vom 27. Februar kam es zu Kämpfen zwischen der 13th Division (FSA, USA unterstützt) und al-Nusra nachdem die Bevölkerung die Entfernung von al-Nusra forderte, immerhin war al-Nusra von der Waffenruhe ausgeschlossen. Wenig später kam es jedoch zu einer gemeinsamen Offensive der 13th Division und al-Nusra auf Südaleppo, al-Nusra war auf die Panzerabwehrwaffen der 13th Division angewiesen und al-Nusra war die einzige Fraktion die noch Offensiven im großen Maße ausführen konnte.

Dennoch bestand das allgemeine Problem der syrischen Opposition daraus, dass al-Nusra weiterhin Kontakte zu al-Qaida besaß. Man wäre man damit Opfer von amerikanisch-russischen Luftschlägen geworden, vor allem nach der neuen Verkündung einer größeren Kooperation scheint dieses Risiko so hoch wie nie zu sein. Die Erfahrung von amerikanischen Luftschlägen musste al-Nusra bereits schmerzhaft ertragen, nachdem die „Khorasan-Gruppe“ in Syrien letztes Jahr angegriffen wurde, eine Gruppe von Veteranen von al-Qaida.

Sollte sich tatsächlich dieses Resultat ereignen, so werden ausländischen Unterstützern der Opposition wesentliche Schwierigkeiten auferlegt. Auch wenn heute schon es fast unmöglich ist ohne al-Nusra aufzutreten, so würde diese Problematik wesentlich erschwert werden. Dadurch müssten sich ausländische Unterstützer von der USA bis Saudi-Arabien dafür rechtfertigen, auch direkt al-Nusra zu unterstützen. Für die arabische Halbinsel würde es sicherlich weniger Komplikationen ergeben, es würden sicherlich Relativierungsversuche von al-Nusra unternommen werden, sie zu einer „semi-moderaten Rebellengruppe“ erklärt werden und sich grundsätzlich nicht viel ändern. Gerade Qatar ist dort ein Sonderfall, der bereits seit Jahren versuchte das Bündnis zwischen al-Qaida und al-Nusra zu beenden, um eine bessere Unterstützung zu gewährleisten. Für den Westen – unter Druck von terroristischen Anschlägen – wäre es komplizierter. Wie sollen sie da nur die Unterstützung rechtfertigen? Bereits jetzt kritisiert die Bevölkerung und viele Institutionen derartige Aktionen. Zugleich würden Luftschläge auf al-Nusra erschwert ohne den Vorwurf, die „moderate Opposition“ ebenfalls anzugreifen.

Die Wahrscheinlichkeit eines allgemeinen Bündnisses unter al-Nusra ist definitiv wahrscheinlich, nachdem sie bereits im Februar derartige Pläne veröffentlichte.

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Bündnis mit IS/Daesh?

Es gab schon öfters diese Gerüchte, dieses Worst-Case-Szenario von einem Bündnis. Eine große Ähnlichkeit besitzen beide Fraktionen: Ehemalige al-Qaida-Ableger. Einer in Syrien, Einer im Irak. Dementsprechend verkündete Abu Bakr al-Baghdadi bereits früh, sollte sich al-Nusra von al-Qaida trennen werden sie herzlichst aufgenommen werden. Als Reaktion auf diese Verkündung 2013 liefen sogar viele Kämpfer von al-Nusra in Ostsyrien über, ideologische Differenzen existierten immerhin nicht und Daesh konnte wesentlich bessere Angebote für ihre Kämpfer bieten. Bis heute ist die syrisch-libanesische Grenze (Qaa) ein Beispiel für die gegenseitige Unterstützung der beiden Parteien, gemeinsam kämpfen sie gegen die SAA und Hisbollah, um eine langfristige Basis im Libanon zu etablieren. Joulani selber schrieb:“Brothers [Daesh] in Qalamun are hiding plenty of surprises“. Joulani und Zawahiri betonten stehts, dass der Kampf gegenüber den Ungläubigen/Assad wesentlich höhere Priorität einnimmt als gegen Glaubensbrüder z.B. den Islamischen Staat.

Die Beziehungen sind nur dadurch eingerostet, dass Daesh ein eigenes Kalifat errichten ließ und dies für den derartige Glaubensrichtungen üblich als den „Wissensmonopol“ darstellte. Al-Nusra hegt aber ebenfalls das Ziel von einem Ausruf eines Kalifates in Syrien.

Da das mittel- und langfristige Ziel weiterhin die Ausrufung eines Kalifats ist und ihre Beziehungen zu al-Qaida im gewinnen Maße weiterhin existieren ist dieses Bündnis unwahrscheinlich, aber immer noch wahrscheinlicher als es am Besten sein sollte.

Zusammenbruch von al-Nusra?

Ebenfalls eine Option: der Zusammenbruch von al-Nusra. Als al-Qaida vor einigen Monaten ihre wichtigste Basis im Nahen Osten verlor bat al-Zawahiri allen Mujahideen sich in das Levante/Sham zu begeben um dort ihr neues Kibla (Gebetsrichtung) zu errichten. Daraus resultierend gibt es verschiedene Fraktionen innerhalb von al-Nusra, vor allem ausländische Kämpfer die primär einen ideologischen Hintergrund haben, sind äußerst empfindlich bei derartigen Entscheidungen. Im Falle einer erneuten Waffenruhe und der ohnehin intensiven Finanzierung durch verschiedene Investoren mit verschiedenen Interessen könnte dies durchaus zu einem innerparteilichen Kampf führen. Vor allem die eigene Ausrufung eines Kalifats würde quasi den „Dolchstoß“ gegen al-Qaida bedeuten, die Abhängigkeit von al-Qaida von al-Nusra. Ironie der Geschichte.

Kurzfassung: Der Unabhängigkeit von al-Qaida ist hauptsächlich im momentanen Stand eine Farce mit Absegnung von al-Qaida. Sollte Joulani eigene große Pläne wie die Ausrufung des Kalifats weiterhin verfolgen und ebenfalls erzielen, könnte sich der Spieß umdrehen und vom mächtigsten Flügel von al-Qaida zu einem Daesh 2.0 entwickeln. Für die Opposition in Syrien ist diese Entwicklung in jeglicher Hinsicht ein Verlust. Die westliche Politik in Syrien wäre damit vollends gescheitert. 

Aktive Oppositionsgruppen in Aleppo

Da scheinbar eine große Unklarheit von den involvierten Parteien in den Kämpfen um und in Aleppo herrscht und diese von ungenauen Aussagen wie „moderaten Rebellen“ bis hin zu äußerst fragwürdigen Aussagen wie Daesh reicht, versuche ich eine gewisse Klarheit in die Situation zu bringen. Vollständigkeit ist nicht garantiert.

 

 

Weitere Gruppierungen die höchst wahrscheinlich vertreten sind:

  • Haqq Brigade
  • Ansar al-Khilafah
  • Fajr al-Khilafah
  • Furqan Brigade
  • Authenticity & Development Front
  • Bayariq al-Islam
  • al-Hurriyah
  • al-Izzah
  • Fastaqm Kamar Umit

 

Zuletzt sind nochmal die zwei relevantesten Oppositionsbündnisse bzw. deren Mitglieder erwähnt, da deren Namen primär medial gefallen sind und nicht die der jeweiligen „Untergruppen„. Dementsprechend fallen auch Namen, die nicht in Aleppo aktiv sind, aber aufgrund der medialen Berichterstattung es durchaus sein könnten.

Das grundsätzliche Wissen sollte aus den zwei großen Bündnis bestehen; die salafistische Jaysh al-Fateh und der Fatah Halab, ein bunter Mix aus allen möglichen Positionen ist dort vertreten.

Jund al-Aqsa, IS-Verbündeter unter den Rebellen

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Zerstörung eines schiitischen Schreines nahe Hama

Jund al-Aqsa ist wohl das letzte Überbleibsel der Zusammenarbeit zwischen IS (damals ISIL) und der restlichen Opposition in ihrer Gesamtheit nach 2013, die sich zwischen den machtpolitischen Positionen von ISIL und al-Nusra oft trennt.  Was kann man zu dieser kleinen, aber dennoch einzigartigen Gruppierung erzählen?

Bekannt wurde sie erstmals bei der Unterstützung der Niederschlagung der Syrian Revolutionary Front (SRF) in der Provinz Idlib durch al-Nusra 2014, einem ehemaligen Bündnis verschiedener Gruppierungen. Jund al-Aqsa ( übersetzt Soldaten von al-Aqsa, der drittheiligsten Moschee in Jerusalem) stellte seinerzeit eine kleine Gruppierung dar, die aus ausländischen und syrischen Kämpfern bestand und seit dem Konflikt als kleines Battalion zwischen al-Nusra und ISIL entstand im frühen Januar 2014. Zu dem Zeitpunkt zeigten sie ebenfalls keinerlei Interesse an den inneren Kämpfen der Opposition, zwischen Islamisten und säkularen Kämpfern der FSA und konzentrierten sich auf die Regierung. Bis sie den unerwarteten Schritt in der Unterstützung der al-Nusra’s gegen die SRF unternahm und seitdem deutliche Tendenzen zu al-Nusra zeigt.

Ehemals bekannt als Sarayat a-Quds wurde sie vom syrischen Abu Abdul ‚Aziz al-Qatari gegründet, einem engen Freund von Sheikh Abdul ‚Azzam, der wiederum ein enger Verbündeter von Osama bin Laden und Ayman al Zawahiri (Gründer von al-Qaida) war und für seine Karriere im afghanischen Jihad der 80er bekannt wurde. Ideologisch stützt er sich auf Personen wie Hamid bin Hammad al-‘Ali al-Kuwaiti, Sheikh Maqdisi und Sheikh Suleiman Ulwan.

Sie startete als kleines Battalion innerhalb der Nusra-Front, doch trennte man sich ebenfalls recht schnell wieder aufgrund von Finanzproblemen und Überdehnung. Außerdem unterstützte sie nicht den Kampf gegen andere Oppositionsparteien und sah dies als „schweren Fehler“ an.

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Öffentliches Bekenntnis zum Tode von al-Qatari

Die Zeit als unabhängige Partei war äußerst erträglich, man erhielt viele Geldgeber von der arabischen Halbinsel die vor allem an Gruppen interessiert waren, die sich nicht innerhalb der Opposition bekämpften. Sie konnte sogar zwischen den verschiedenen Oppositionsparteien verhandeln, z.B. ist dies zwischen al-Nusra und ISIS geschehen. Wahrscheinlich wären derartige Schritte auch erfolgreich gewesen, wäre al-Qatari nicht von der Syrian Martyr Brigade umgebracht worden.

Über den Zeitraum danach ist recht wenig bekannt, durch Desertationen von anderen Gruppen über die gesamte ideologische Bandbreite (von FSA, zu Ahrar al-Sham bis ISIS) konnte sie sich zu einer der bedeutendsten, dschihadistischen Fraktionen im Norden Syriens aufbauen. Dabei wuchs ihr Anteil von syrischen Mitgliedern stetig und der von ausländischen Kämpfern  (z.B. Indien, Belgier, Niederländer, Australien usw.) sank. Sie waren in den Offensiven um Idlib und Hama aktiv, Jisr al-Shughour war eine bedeutende Eroberung Jund al-Aqsas.

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Symbol von Jaysh al-Fateh (Armee der Eroberung)

Anfang März 2015 traten sie als Gründungsmitglied in die islamistische Koalition „Jaysh al Fateh“ ein, einem Bündnis mit Sitz in der Stadt Idlib, primär bestehend aus Verbündeten von al-Nusra ( genauer al-Nusra, iwa al Haqq, Jaysh al Sunna, Ajnad al Sham, and Faylaq al Sham und Ahrar al-Sham). Dieses Bündnis ist auch heute noch eines der Stärksten und Wichtigsten im Konflikt, vor allem für den Norden Syriens.

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Öffentliche Verkündigung vom Tode al-Harbi

Am 26. April 2015 bekannte sich Jund al-Aqsa zum Tode ihres neuen Anführers, Adel Radi Saker al Wahabi al Harbi. Al-Harbi war ein gesuchtes al-Qaida-Mitglied und ehemalig ein hohes Mitglied im Al-Qaida-Netzwerk des Irans. Zur gleichen Zeit veröffentlichten sie eine Lobrede auf Ibrahim Rubaish, Nasir al Wuhayshi und Ayman al Zawahiri, alles Anführer der „al-Qaida auf der arabischen Halbinsel (AQAP)“. Dies und die Verbindung lässt also enge Beziehungen zu al-Qaida/al-Nusra herstellen, zumindest auf Führungsebene.

Direkt einen Monat später starb ihr nächster militärischer Anführer, Said Arif. Er ist ebenfalls gesuchtes Mitglied von al-Qaida und Teil der „Khorasan-Gruppe“, Veteranen innerhalb von al-Qaida. Danach ist die Führerschaft bis heute unbekannt, es wird sich wahrscheinlich um ein weiteres Mitglied von al-Qaida handeln, währenddessen auf unteren Ebenen eine gewisse Sympathie für IS gehegt wird.

Im späten 2015, etwa im September/Oktober kam es jedoch zum Bruch zwischen Jund al-Aqsa und vor allem Ahrar al-Sham, da sie die beiden Gruppen nicht um einen gemeinsamen Umgang mit IS einigen konnten. Während Ahrar al-Sham zu einem Kampf gegen IS aufruf, weigerte sich Jund al-Aqsa gegen einen derartigen Einsatz. Dieser Konflikt endete im offenen Kampf zwischen Jund al-Aqsa und Ahrar al-Sham, die Stadt al-Tamanah war ein Austragungsort und parallel  wurde durch eine Autobombe im Januar 2016 der damalige Anführer (Name unbekannt) von Jund al-Aqsa in seinem Haus bei Idlib ermordet, der Täter war vermutlich Ahrar al-Sham. Ebenfalls kam es (wieder) zum Konflikt im März 2016, nachdem Jund al-Aqsa den IS-Kommandaten Hassan Abboud in seinem Heimatort beerdigen wollte, Sarmin nahe Idlib.

Als Reaktion trat Jund al-Aqsa  am 23. Oktober aus Jaysh al-Fateh aus, ihre fehlende Unterstützung für einen Kampf gegen IS unterstützen sie mit der Begründung, dass sie sie nicht als „Khawaarij“ ansehen und damit auch keinen Grund sehen, mit ihnen zu kämpfen. Ihre Schlussfolgerung daraus waren die zwei Aspekte:

  1. „Du besitzt keine Ahnung von der islamischen Theologie und/oder fehlendes Wissen über die Positionen von IS/ASAQ.“
  2. „Du bist selber von den „Khawaarij“

Weitere Gründe für den Austritt waren neben dem Kampf um die Haltung zu IS die Zusammenarbeit mit De Mistura und die Errichtung, fehlende „Kriegserklärung“ an die USA und Zusammenarbeit mit „demokratischen Parteien“.

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Statement zum Austritt von al-Qaida-Mitgliedern

Als Reaktion darauf wiederum traten viele hohe Mitglieder (al-Qaida) der Gruppe aus, um sich al-Nusra anzuschließen. Dies konnte den „Bodensatz der Gruppe“ fördern, welcher schon immer Sympathien für IS hegte.

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Gemeinsame Offensive im Süden Aleppos

Diese Sympathien nahmen in einer gemeinsamen Offensive gegen die Versorgungsstraße von Itriyah nach Aleppo ihren höchsten Ausdruck im März 2016. die dennoch von keinem langen Sieg gekrönt waren.

Danach wurde es wieder recht ruhig um die Gruppe.