Kleine Erfolge in Ost-Hama gegen den IS

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Die syrische Armee eroberte verschiedene Hügel und Dörfer im Osten er Provinz Hama, die Ersten nach monatelangen Kämpfen an den Frontlinien ohne wirkliche Gebietsgewinne. Erobert wurden Tafawi, Kharab al-Katnah, Jabal Dawylab und Tell Mazroor. Das Dorf Salilyah südöstlich von Tafawi wurde ebenfalls für kurze Zeit gehalten, man zog sich jedoch einen Tag wieder zurück. Momentan befindet sich der Ort zwischen den beiden Fronten und wird ebenfalls nicht vom Islamischen Staat gehalten.

Dort leistet der IS derzeit am meisten Widerstand, das Terrain gibt den Verteidigungspositionen einen Vorteil. Aber auch die Strukturen der Armee und verbündeten Milizen soll für hausgemachte Probleme sorgen. Angeblich fehlt eine völlige Koordination zwischen den verschiedenen Einheiten, die einzige Lösung bisher war es noch mehr Soldaten an die Front zu verschieben. Mit der derzeitigen Konzentration könnte sich diese Situation aber vielleicht ändern und ebenfalls erfolgsversprechende Siege für die Armee verheißen.

Islamischer Staat beschließt Zwangsrekrutierung

Der Islamische Staat rief letzten Donnerstag zu einer Mobilmachung aller 20- bis 30-jährigen Männer auf. Diese Zwangsrekrutierung beschränkt sich derzeit nur auf die ostsyrische Provinz Deir ez-Zor, wo die Syrisch-Arabische Armee und verbündete Milizen kontinuierlich an Boden gewonnen haben und die Provinz erstmals seit 2014 wieder erreichten (mit der Ausnahme des belagerten Deir ez-Zor).

Sie sollen sich binnen einer Woche in Mobilmachungsbüros melden, wie es in den veröffentlichten Papieren heißt. Es erwähnte ebenfalls explizit den Kampf gegen das „Nusayri-Regime“, also gegen die syrische Regierung. Sollte man der Rekrutierung nicht nachkommen bedeutet das die Bestrafung durch Ta’zir, ein Strafbestand der sich gegen die „Gerichte und/oder Herrscher des Landes“ richtet und nur relativ leicht bestraft wird. Danach sollen sie zwangsrekrutiert werden.

Diese Entscheidung zeigt die militärisch schlechte Position des IS, denn Zwangsrekrutierungen und Mobilisierungen werden der Moral der Kämpfer schaden und vor allem Syrer und Iraker werden sich umso mehr darum bemühen, aus dem Territorium des Islamischen Staates zu fliehen bzw. im nächstbesten Moment zu desertieren. Für die syrische Regierung war das in der Vergangenheit bereits in enormes Problem. Interessant ist aber auch, dass die Regierung explizit erwähnt und das zeigt, dass es sich derzeit um den gefährlichsten Gegner für den IS in Syrien handelt.

IS hält seit über 2 Monaten philippinische Großstadt

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In der südphilippinischen Großstadt Mirawa dauern nun seit über zwei Monaten schwere Kämpfe zwischen der philippinischen Armee und dem „Islamischen Staat in Lanao“ an. Der IS konnte weite Teile der inzwischen fast völlig verlassenen Stadt halten, die philippinischen Streitkräfte scheinen trotz der Unterstützung der USA und Chinas gegen eine Wand zu laufen, beide Seiten sollen Hunderte an Toten zu beklagen haben. Und es ist bei weitem kein Ende der Kämpfe in Sicht.

Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte findet die deutlichsten Worte für das Geschehen in Marawi, laut ihm waren alle Parteien auf einen derart organisierten und effektiven Gegner nicht vorbereitet. Duterte sieht ein Ende der Kämpfe erst in einem Jahr. Die Fakten auf dem Schlachtfeld sind der simpelste Ausdruck seiner Aussagen: Hunderte IS-Kämpfer kontrollieren seit dem 23. Mai rund 50% der einst 200.000 Einwohner zählenden Großstadt. Trotz dem täglichen Einsatz der Luftwaffe und Artillerie hält sich der Islamische Staat in seinen Ruinen östlich der Kanäle, die die Stadt in drei Teile teilt. Insgesamt soll man rund 860 Gebäude kontrollieren.

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Nein, Abu Bakr al-Baghdadi ist nicht tot

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Zumindest nicht in dem Falle.

Alle etablierten Medien vermelden momentan den Tod des IS-Anführers Abu Bakr al-Baghdadi. Dabei berufen sie sich auf die „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ (englisch SOHR), die wiederum sich auf „IS-Kommandanten“ in der Provinz Deir ez-Zor bezieht.

Tatsächlich aber ist die eigentliche Quelle der Behauptung der irakische TV-Sender al-Sumaria, der derzeit über die Geschehnisse in Mossul berichtet und eigene Journalisten vor Ort hat. Angeblich sollte der Islamische Staat dies selber verkündet haben. Eine derartige Mitteilung findet man weder auf AMAQ noch auf der offiziellen Nachrichtenagentur Wiliyat. Später sollen sie in der Berichterstattung die Aussage korrigiert haben und beziehen sich stattdessen auf ranghohe Gefangene und gefundene Dokumente, die diese Behauptung erheben.

Nachdem es Stunden später die englischsprachigen Medien erreicht hat, schaltete sich die SOHR ein und verifizierte die Aussage, nachdem man nun mal die Kommandanten des IS befragt hatte. Sollte sich die Geschichte mit den Dokumenten bewahrheiten, würde der Tod sicherlich früher bekannt sein (es wurden Dokumente gedruckt aber niemals ist die Geschichte in die Öffentlichkeit gesickert?) und nicht erst durch „Anfrage“ bestätigt werden.

Die ursprüngliche Behauptung stammt vom irakischen TV-Sender al-Sumaria (laut dem im übrigen drei IS-Kämpfer durch Wildschweine umgebracht wurden), der in der Vergangenheit nicht glaubwürdig war und sich dabei auf „eine Quelle in der Nirnaweh-Provinz“ beruft. Stunden später bestätigte die SOHR diese Nachricht durch angebliche Kontakte zu „ranghohen IS-Kommandanten“. Laut mehreren Quellen hat Daesh/der IS den Tod selber verkündet, was aber nicht mit der momentanen Faktenlage übereinstimmt. Ohnehin hat SOHR aber keine sonderliche Seriosität außerhalb westlicher Medien, weshalb man der Aussage nicht trauen sollte.

Wesentlich spannender zur Beantwortung der Frage „Ist Abu Bakr al-Baghdadi tot?“ aber ist der ideologische Kern des Islamismus. Das Märtyrertum wird sowohl beim Islamischen Staat als auch in anderen Bewegungen glorifiziert, dass ein Anführer getötet werden könnte sieht man nicht als Verlust an. In der Vergangenheit verkündete man immer den Tod von wichtigen Mitgliedern, z.B. galt Abu Mohammed al-Adnani als der Meister der Propaganda und die Nummer Zwei des Islamischen Staates bis er im August 2016 getötet wurde. Die Taliban wagten es einmal den Tod von Mullah Omar erst zwei Jahre später zu veröffentlichen/bestätigen, das Ergebnis war eine regelrechte Demoralisierung und Enttäuschung der Kämpfer. Der IS in Afghanistan (bzw. Khorasan) nutzte dies geschickt für seine Propaganda aus und verhöhnten die Taliban.

Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass es bisher keinerlei Beweise gibt, die darauf hindeuten, dass Badhdadi tatsächlich tot ist und es sich um eine weitere von vielen Falschmeldungen handelt.

 

Ägyptische Armee schlägt IS-Angriff zurück

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Auf der ägyptischen Halbinsel Sinai kam es am Freitag zu der bis dato größten und brutalsten Offensive des Islamischen Staates auf Städte unter Kontrolle der ägyptischen Regierung.

Die Kämpfe fanden in der Region von al-Bers statt, welches wenige Kilometer südlich von Rafah liegt. Der Angriff wurde erstmals mit einem Selbstmordattentäter (SVBIED) begonnen, darauf folgend kämpften auch IS-Kämpfer aus der Region.

Nach stundenlangen Gefechten konnte die Offensive aber zurückgestoßen werden, am Ende wurden 40 IS-Kämpfer getötet und sechs Pick-Ups zerstört. Die Armee selber hat aber auch Verluste erlitten, 23 Soldaten wurden getötet, darunter Colonel Ahmed Mansi, Anführer einer Spezialeinheit. Weitere 40 wurden verletzt. Als Folge darauf intensivierte die ägyptische Luftwaffe ihre Angriffe auf Positionen des Islamischen Staates.

Seit der Destabilisierung des ägyptischen Staates durch den „Arabischen Frühling“ konnte der Islamische Staat eine Präsenz auf Sinai aufbauen, welches in Teilen inzwischen zu den Hochburgen zählt. IS-Kämpfer unterhalten Checkpoints, verlangen Zölle, nehmen Touristen als Geiseln, überfallen Militärstützpunkte und bringen immer wieder Polizisten in der Öffentlichkeit um. Dennoch konnte der IS immer weiter von der Armee zurückgetrieben werden, dementsprechend war ein Angriff dieser Qualität und Quantität außergewöhnlich und zuletzt mit den Angriffen von 2015 zu vergleichen.

IS greift syrisch-irakischen Grenzübergang an

Vor zwei Tagen kam es in der südirakischen Anbar-Provinz zu schweren Kämpfen zwischen dem Islamischen Staat und irakischen Streitkräften, darunter Milizen von sunnitischen Stämmen unter dem Dachverband der „Volksmobilisierungseinheiten“ (PMU).

Die Kämpfe sollen nahe dem al-Walid-Grenzübergang stattgefunden haben, welcher auf irakischer Seite liegt. Der Nachrichtenagentur Wilayat al-Furat zufolge starben bei dem Angriff 28 Soldaten der irakischen Armee. Zu sehen waren hauptsächlich bewaffnete Pick-Ups und bewaffnete Drohnen, die irakische Stellungen angegriffen haben. Scheinbar wurde ein Funkturm gesprengt und mindestens eine Verteidigungsposition in der Wüste erobert.

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Außerdem schien ein ganzer Fuhrpark erobert worden zu sein, mehrere Fahrzeuge, Humvees aber auch Panzerabwehrwaffen und Artillerie wurden erbeutet. Man benutzte außerdem amerikanische TOWs gegen die irakischen Streitkräfte.

Hiermit handelt es sich um den zweiten großen Angriff innerhalb von zwei Wochen, am 21. Juni griff man ebenfalls im gleichen Gebiet an. Dabei wurden Berichten zufolge 17 Soldaten getötet und mehrere Fahrzeuge zerstört. Die jeweiligen Einheiten des Islamischen Staates in der Region scheinen den Wüstenkampf sehr gut zu beherrschen.

IS zerstört al-Nuri-Moschee in Mossul

 

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Das Minarett von al-Nuri aus Sicht der irakischen Armee

Lokale Medien berichten von hörbaren Explosionen in der Altstadt der irakischen Großstadt Mossul, wo der Islamische Staat weiterhin Positionen in der Altstadt und in dem Viertel al-Shaffaa in West-Mossul hält. Den Angaben zufolge soll die prestigeträchtige große Moschee von al-Nuri im Zentrum der Altstadt vom IS völlig zerstört worden sein, sowohl der bekannte Minarett als auch das restliche Gebäude. Die dem IS zugehörige Nachrichtenagentur AMAQ bestätigte die Zerstörung der Moschee, beschuldigt aber amerikanische Bombardierungen dafür. Die USA widersprach dieser Behauptung vehement.

In den vergangenen Tagen starteten die irakischen Streitkräfte eine Offensive auf die Altstadt, besonders im Norden und Süden des Viertels konnte man Erfolge verzeichnen. Am Mittwoch soll man bis auf 50 Meter sich der Moschee angenähert haben, nachdem man die Nirnaweh-Straße eroberte.

Die Moschee war bei den Kämpfen um Mossul von beiden Seiten von besonderer Bedeutung. Der Anführer des Islamischen Staates Abu Bakr al-Baghdadi hatte im Sommer 2014 seinen einzigen Videoauftritt in der Moschee, welcher im Zusammenhang mit der Videobotschaft von al-Adnani stand, der zuvor das Kalifat ausgerufen hatte. Deshalb gilt die Moschee als Gründungsort. Eine Eroberung der Moschee hätte also eine Demoralisierung bedeutet, durch die Position der Moschee aber auch ein Ende der Kämpfe in Mossul. Die Moschee wurde 1172 erbaut und reiht sich damit in die zahllosen antiken und kulturellen Gebäude ein, die der Islamische Staat in Syrien und Irak vernichtet hat.

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Drohnenaufnahmen sollen die vollkommen zerstörte Moschee zeigen