Der bevorstehende Regime Change in Katar

Nachbarstaaten beendeten ihre Beziehungen zum Emirat Katar. In einer gemeinsam geplanten Aktion brachen Bahrain, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten, die Malediven und die jemenitische Hadi-Regierung alle diplomatischen Beziehungen zu Katar ab. Zudem erklärten Saudi-Arabien, die VAE und Bahrain alle Wasser-, Land- und Luftwege nach Qatar aus ihren Ländern für geschlossen. Diplomaten wurden aufgerufen, innerhalb von 48 Stunden nach Qatar zurückzukehren, genauso wie eigene Staatsbürger in den nächsten zwei Wochen das Land verlassen sollten. Das Land wird beschuldigt, aktiv al-Qaida und den Islamischen Staat, vor allem im Jemen, zu unterstützen.

So überraschend diese Aktionen auch sein mögen, tatsächlich gab es bereits vor Wochen Signale,  dass ein Konflikt zwischen den Ländern bevorsteht. Es begann mit dem Besuch Donald Trumps in Riad, wo er das Staatsoberhaupt Saudi-Arabiens, König Salman, zur höchsten Instanz der „Terrorismusbekämpfung“ erklärte. Dies führte zu einem erhöhten Druck auf die Außenpolitik der Nachbarländer, die Länder sollen doch noch stärker auf Saudi-Arabien hören. Die USA kritisierten Katar ebenfalls, dass sie eine ungenügende Rolle in der Terrorbekämpfung einnehmen.

Kurz darauf wurden verschiedene Nachrichtenseiten von Katar gehackt, darunter auch die Staatsmedien und deren Accounts in sozialen Netzwerken. In diesem Zeitraum wurden Artikel veröffentlicht, die davon reden, dass der katarische Emir Tamim bin Hamad al-Thani Trump öffentlich kritisierte und Iran als Stabilitätsfaktor in der Region bezeichnete. Derzeit ist ungeklärt, ob der Emir diese Aussagen tatsächlich getätigt hat, es gibt widersprüchliche Angaben darüber.

Als Reaktion darauf blockierten Saudi-Arabien und die VAE alle katarischen Nachrichtenseiten, darunter auch al-Jazeera. Positive Aussagen über das Feindbild #1 (Iran) sind nicht gerne gesehen in den arabischen Staaten. Der saudische Sender al-Arabiya beschuldigte Katar daraufhin der Unterstützung des Irans. Später wurde die amerikanische Botschaft der Vereinigten Arabischen Emirate ebenfalls gehackt, jedoch fand sich neben einer engen Kooperation mit Israel in der Bekämpfung gegen Hamas nichts allzu interessantes. Für diesen Hackversuch wurde Katar daraufhin beschuldigt.

Katar beteuert weiterhin, keinerlei positiven Beziehungen zum Iran zu pflegen und vor allem in letzter Zeit nicht positiv porträtiert zu haben. Die wahren Hintergründe sollten aber verschieden sein. Einerseits die politischen Unterstützer von Katar: Katar finanziert und unterstützt seit Jahren die Muslimbruderschaft in verschiedenen Ländern. Die Muslimbruderschaft sieht sich als Feind von Saudi-Arabien und ihrer Machtstellung, bedroht aber genauso weitere Staaten der arabischen Halbinsel. Die Bruderschaft ist auch der einzige Grund, warum Ägypten ebenfalls Katar boykottiert, da die Beziehungen zu Saudi-Arabien in letzer Zeit eher durchwachsen waren.

Natürlich spielt auch wieder ein wirtschaftlicher Faktor eine Rolle, dem einzigen Sektor, wo Katar tatsächlich zumindest strategische Beziehungen zum Iran aufrechterhält: Beide Länder nutzen die Erdgasvorkommen im Persischen Golf. Um sich über die Verteilung zu einigen, benötigt es eine gewisse Kommunikation zwischen beiden Ländern, die wohl den restlichen Ländern ein Dorn im Auge war. Durch den Boykott wird Katar aber auch wieder vom Iran abhängiger, vor allem der Import von Nahrung ist gerade sehr wichtig. Die Sperrung der Luftwege schadet vor allem den Fluglinien wie QatariAirways, die doch durchaus Flaggschiffe der katarischen Wirtschaft waren.

Was ist nun ein möglicher Ausgang aus dieser Situation?

In erster Linie wird ein Regime Change am wahrscheinlichsten sein. Möglicherweise wird ein anderes Mitglied der al-Thani-Familie den derzeitigen Emir Tamim bin Hamad al-Thani ersetzen, ansonsten hätten die derzeitigen Beziehungen ernsthafte Konsequenzen und würde das Land in Richtung Iran drängen. Im Falle eines Regime Changes spielt die Rolle der USA eine besondere Rolle. Auf der einen Seite wird die derzeitige Situation nicht ohne Absprache mit dem Präsidenten zustande gekommen sein, vor allem gilt sein Besuch in Riad ja als ein möglicher Auslöser dieser Situation. Die USA besitzen zwei Militärbasen in Katar, den mit 10.000 Soldaten im nahen Osten größten Militärstützpunkt, den sogenannte al-Udeid-Luftwaffenstützpunkt und das Militärlager al-Saliyah. Neben der militärischen Kooperation kommen auch noch traditionelle, enge Beziehungen im Bildungssektor hinzu, viele Universitäten der beiden Länder arbeiten zusammen. Im Oktober letzten Jahres würdigte das Verteidigungsministerium den Kampf Katars gegen den Terrorismus. Militärische Operationen würden amerikanische Staatsbürger gefährden, was die USA sicherlich nicht zulassen würde.