Die Kämpfe in Mossul gehen weiter

 

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Trotz der offiziellen Ankündigung des irakischen Premierministers Haidar al-Abadi und des irakischen Verteidigungsministeriums mit dazugehöriger Siegesparade in Bagdad gehen Kämpfe in der Altstadt von Mossul weiter. Vereinzelte Kämpfer des Islamischen Staates besetzen weiterhin Häuser (bzw. Ruinen), verbarrikadierten sich in Kellern ein und bewegen sich durch teilweise noch nicht entdeckte Tunnelsysteme. Hunderte Zivilisten sollen weiterhin als „Schutzschilde“ genutzt werden, unter den Zivilisten auch Familien der IS-Kämpfer, die nicht selten auch selber ideologische Angehörige sind. Nicht selten haben sich weibliche Selbstmordattentäter unter die Flüchtlinge gemischt, die aus der Altstadt fliehen wollten.

Den Medien ist der Zugang zu West-Mossul inzwischen fast völlig versperrt, mit Glück kann man noch einzelne Szene vom anderen Ufer des Tigris filmen (siehe Video). Die Kämpfe sind also bei weitem noch nicht zu Ende. In der irakischen Stadt Ramadi kam es vor zwei Jahren zu einem ähnlichen Szenario. Dort wurde noch Mitte Januar von Kämpfen mit IS-Milizen und größeren Geiselbefreiungsaktionen in Ramadi berichtet. Immer wieder werden neue Schläferzellen aktiviert, die Terror für die Bevölkerung verbreitet. Bereits heute gibt es neue Selbstmordanschläge in Ost-Mossul, im Westen wurden bereits einmal Schläferzellen aktiviert.

 

Mossul vollständig vom IS befreit

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„Terrorbekämpfungseinheiten“ in der Altstadt von Mossul

Irakische Medien und Militärbeamte erklärten die nordirakische Großstadt Mossul für vollständig befreit, nachdem der Islamische Staat auch in seiner letzten Bastion, der Altstadt, vertrieben worden war. Die Operation zur Eroberung von Mossul dauerte insgesamt 263 Tage an und begann mit der öffentlichen Erklärung des irakischen Premierminister Haidar Abadi am 16. Oktober.

Dennoch ist dabei anzumerken, dass die Erklärung wahrscheinlich etwas zu optimistisch ist, da wahrscheinlich weiterhin Kämpfe im Nordwesten der Altstadt in der Nähe des Tigris andauern werden. Einen ähnlichen Fall gab es in Ramadi, wo trotz des Statements die Kämpfe wenige Tage weitergingen.

Mossul war die erste größere Stadt, die der Islamische Staat (damals ISI) im Sommer 2014 für sich gewinnen konnte. Dementsprechend hält der Ort eine besondere Bedeutung für beide Fraktionen bereit: Der IS proklamierte vor über knapp drei Jahren in der inzwischen zerstörten al-Nuri-Moschee das Kalifat (inoffiziell wurde das Kalifat kurz zuvor in einer Audiobotschaft von Mohammed al-Adnani ausgerufen). Dabei handelte es sich um den einzigen öffentlichen Auftritt von Abu Bakr al-Baghdadi.

Der Kampf über die Millionenstadt war von vielen Verlusten, unerwarteten Techniken, Operationen und Trümmern geprägt, von denen sich die Stadt so schnell nicht erholen wird. Niemand hatte zu Beginn erwartet, dass Aleppo bzw. Ost-Aleppo früher völlig erobert wird als Mossul. Abadi erwartete eine vollständige Eroberung noch bis zum Ende 2016. Der Widerstand des Islamischen Staates war aber brutal: Die größten Verluste erlitt die Armee wohl beim Eintritt in West-Mossul, aufgrund politischen Druckes mussten einzelne Einheiten alleine vordringen, Hunderte Autobomben und Selbstmordattentäter wurden gegen die irakischen Streitkräfte eingesetzt. Eine neue Waffe feierte ihr großes Debüt: Der IS nutzte massenhaft Drohnen mit kleinen Bomben, die auf nichtsahnende Soldaten und Posten hinter den Frontlinien abgeworfen wurden und für reichlich Verwirrung und Demoralisierung sorgten.

Ebenfalls brutal waren die Kämpfe um die Altstadt, wo die engen Häuser und Gassen den IS bevorteilten. Ein komplexes Tunnelsystem ermöglichte es, Nachschub und Soldaten von einem Ort zum Anderen zu bringen. Unter dem Argument des „Schutzes“ wurden tausende Zivilisten in ihre Häuser eingesperrt, wo sie dann als menschliche Schutzschilde genutzt wurden und Fortschritte der Armee erschwerten. Die Toten gehen wahrscheinlich auf allen Seiten in die vierstelligen Zahlen. Die letzten verbliebenen IS-Kämpfer sprengten sich „kollektiv“ in die Luft, wie es live im Fernsehen übertragen wurde.

Und trotz dem Ende der Kämpfe bedeutet das kein Ende für den IS. Er besitzt weiterhin eine Präsenz entlang des Euphrates, in Tel Abar westlich von Mossul, in Hawija und in der Wüste. Sowohl im Westen und Osten der Stadt geht der Terror weiter, es wurden bereits mehrere Selbstmordattentäter eingesetzt, in West-Mossul wurden vor fünf Tagen Schläferzellen aktiviert, die aber schnell wieder besiegt werden konnten. Die Ideologie ist nach über drei Jahren möglicher Indoktrination sicherlich in vielen Köpfen fest verankert, besonders bei Kindern

 

Irakische Armee erreicht Ruinen der al-Nuri-Moschee

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Die irakischen Streitkräfte konnten am Donnerstag die Überreste der prestigeträchtigen al-Nuri-Moschee im Zentrum der Altstadt Mossuls erreichen, nachdem sich der Islamische Staat zurückziehen musste. Erste Bilder zeigen eine völlig zerstörte Moschee, besonders das ikonische al-Habdaa-Minarett ist vollkommen zerstört worden.

Die Moschee war bei den Kämpfen um Mossul von beiden Seiten von besonderer Bedeutung. Der Anführer des Islamischen Staates Abu Bakr al-Baghdadi hatte vor exakt drei Jahren seinen einzigen Videoauftritt in der Moschee, welcher im Zusammenhang mit der Videobotschaft von al-Adnani stand, der zuvor das Kalifat ausgerufen hatte. Deshalb gilt die Moschee als Gründungsort für den IS. Eine Eroberung der Moschee hätte also eine Demoralisierung bedeutet. Die Moschee wurde 1172 erbaut und reiht sich damit in die zahllosen antiken und kulturellen Gebäude ein, die der Islamische Staat in Syrien und Irak vernichtet hat.

IS aktiviert Schläferzellen in West-Mossul

Sonntag Abend griffen IS-Kämpfer mehrere Außenviertel von West-Mossul an, wie die dem Islamischen Staat zugehörige Nachrichtenagentur AMAQ meldet. Davon betroffen waren die Viertel Tel Ruman, Wadi Jahar und al-Tanak im Südwesten der irakischen Großstadt. Die Viertel waren Monate zuvor vom IS erobert worden.

Die scheinbar aktivierten Schläferzellen steckten Fahrzeuge und Häuser in Brand, verursachten viel Unruhe und eine hysterische Massenflucht von Flüchtlingen aus den betroffenen Vierteln. AMAQ zufolge eroberte man die Viertel Yarmouk und al-Mashada fast vollständig, was aber eher unwahrscheinlich ist, da die angewendeten Taktiken nicht für die Eroberung von Gebieten nützlich sind. Zumindest hat man eine Demoralisierung und Verwirrung beim Gegner, als auch bei der Bevölkerung erreicht.

Zugleich soll man ein neue Offensive von der Altstadt gestartet haben und Teile des kürzlich verlorenen Viertels al-Shaffaa wiedergewonnen haben. In Kirkuk kam es vor einigen Monaten zu einem ähnlichen Vorfall, nur war der Spuk nach wenigen Tagen wieder vorbei.

IS zerstört al-Nuri-Moschee in Mossul

 

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Das Minarett von al-Nuri aus Sicht der irakischen Armee

Lokale Medien berichten von hörbaren Explosionen in der Altstadt der irakischen Großstadt Mossul, wo der Islamische Staat weiterhin Positionen in der Altstadt und in dem Viertel al-Shaffaa in West-Mossul hält. Den Angaben zufolge soll die prestigeträchtige große Moschee von al-Nuri im Zentrum der Altstadt vom IS völlig zerstört worden sein, sowohl der bekannte Minarett als auch das restliche Gebäude. Die dem IS zugehörige Nachrichtenagentur AMAQ bestätigte die Zerstörung der Moschee, beschuldigt aber amerikanische Bombardierungen dafür. Die USA widersprach dieser Behauptung vehement.

In den vergangenen Tagen starteten die irakischen Streitkräfte eine Offensive auf die Altstadt, besonders im Norden und Süden des Viertels konnte man Erfolge verzeichnen. Am Mittwoch soll man bis auf 50 Meter sich der Moschee angenähert haben, nachdem man die Nirnaweh-Straße eroberte.

Die Moschee war bei den Kämpfen um Mossul von beiden Seiten von besonderer Bedeutung. Der Anführer des Islamischen Staates Abu Bakr al-Baghdadi hatte im Sommer 2014 seinen einzigen Videoauftritt in der Moschee, welcher im Zusammenhang mit der Videobotschaft von al-Adnani stand, der zuvor das Kalifat ausgerufen hatte. Deshalb gilt die Moschee als Gründungsort. Eine Eroberung der Moschee hätte also eine Demoralisierung bedeutet, durch die Position der Moschee aber auch ein Ende der Kämpfe in Mossul. Die Moschee wurde 1172 erbaut und reiht sich damit in die zahllosen antiken und kulturellen Gebäude ein, die der Islamische Staat in Syrien und Irak vernichtet hat.

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Drohnenaufnahmen sollen die vollkommen zerstörte Moschee zeigen

IS startet Gegenoffensive in Mossul

 

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Von der Gegenoffensive betroffene Areale

Der Islamische Staat soll große Geländegewinne in West-Mossul verzeichnen, nachdem er am Mittwoch eine Gegenoffensive gestartet hatte. Die IS-Nachrichtenagentur AMAQ berichtet von Eroberungen in den Vierteln von al-Dawwasah und al-Dindan, welche südlich der Altstadt liegen. Vor dem Angriff brannte der IS Reifen und Häuser nieder, die daraus entstandenen, schwarzen Rauchschwaden verhinderten den Einsatz der irakischen Luftstreitkräfte (siehe Video). Selbige Techniken wurden u.a. in Aleppo angewendet.

Laut irakischen Medien konnte der Islamische Staat sogar bis zur al-Dindan-Moschee in der Nähe der sogenannten „Vierten Brücke“ über den Tigris vordringen, dies würde eine Eroberung von über einem Kilometer von den vorherigen Positionen in der Altstadt bedeuten. Das würde wiederum bedeuten, dass das von der irakischen Armee in zwei Monaten eroberte Gebiet innerhalb eines Tages zurückerobert wurde. Ob sich der IS in diesem Gebiet aber auch konsolidieren will ist unklar, möglicherweise handelt es sich auch nur um einen „überfallartigen“ Angriff um neue Waffen und Munition zu beschaffen.

Bisher soll der IS sechs Autobomben benutzt haben, um die Verteidigungspositionen der irakischen Armee zu eliminieren und danach vorzudringen. Laut AMAQ wurden bisher über 70 Soldaten getötet und mindestens 15 Fahrzeuge zerstört, AMAQ ist aber für ihre inflationären Angaben bekannt.

Eigentlich sah es zunächst danach aus, als hätte die irakische Armee die Situation unter Kontrolle, nur noch die Altstadt war unter der Kontrolle des Islamischen Staaten. Nach der vollständigen Übernahme von dem nordwestlichen Viertel 17 Tammuz und al-Najar trennt nur noch der Highway 47 und die „Dritte Brücke“ über den Tigris den Übergang auf das südlich gelegene Viertel al-Shaffaa. Nach zweiwöchigen Kämpfen konnte die irakische Armee wieder Erfolge erzielen: Der gesamte al-Zanjili-Bezirk wurde vom IS erobert. Zu 90% befindet sich das al-Shafaa-Viertel unter der Kontrolle Iraks. Die irakische Polizei spricht noch von etwa 500 Kämpfern, die sich in der Altstadt befinden.

PMU dringt nahe der syrischen Grenze vor

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Milizen unter dem Dach der PMU („Volksmobilmachungskräfte“) starteten am Freitag eine neue Offensive im Süden der Provinz Nirnaweh und Mossuls. Die Operation  soll die Region um al-Qayrawan erobern, welches auf halbem Weg zwischen Mossul und der irakisch-syrischen Grenze liegt. So wurden am sechsten und siebten Tag der Operation die Gebiete südlich von al-Qayrawan erobert, darunter Ain Fathy, Khams Talol, Adhila, Khalaf Al-Dibris, Al-Qahira, Karka, Al-Amdina. Akmisiyah, Ain Ghazal und die Sahl Sinjar-Luftbasis. Damit ist al-Qayrawan von drei Seiten isoliert, die Versorgungsstraße im Norden Richtung Basuk und im Süden Richtung Athril Garah ist abgeschnitten.

Neben den Fortschritten im Süden drang man im Norden bis an die Grenze zur Provinz Sinjar bei Basuk vor. Dies führte laut Medienangaben zu Konflikten mit der Peschmerga bzw. KDP, der dort dominierenden Regierung (dennoch haben dort Milizen wie die assyrische YBS, oder PKK ebenfalls eine bedeutende Rolle). Die PMU dementierte derartige Angaben, man arbeite kooperativ mit Bahrzani zusammen, um den Islamischen Staat aus Irak zu vertreiben.