Armee beginnt Offensive in Ost-Aleppo gegen IS

Die Syrisch-Arabische Armee startete mithilfe von verschiedenen syrischen Milizen, der NDF und der offensiven Eliteeinheit „Tiger Forces“ vor wenigen Minuten eine Offensive im Osten der Provinz Aleppo mit dem Ziel, Daesh vollständig aus der Provinz zu vertreiben.

Bisher gibt es Berichte von insgesamt drei eroberten Dörfern: Aabed, Rasm al-Alam und Mushayrafa. Die Letzten zwei sind aber bisher unbestätigt. Die Orte dort werden wahrscheinlich nicht bis schlecht geschützt sein, da der dortige Teil des Kalifats zurzeit von allen Fronten und Fraktionen mehrfach unter Druck gerät; außerdem werden die Ressourcen zurzeit eher in al-Raqqah benötigt. Besonders in der Provinz sorgt ein Bündnis zwischen türkischer Armee und oppositionellen Gruppierungen Daesh nahe al-Bab für Druck, auch wenn es seit knapp 1 Monat zu keinen wirklichen Fortschritten dort kam. Hinzu kommt jetzt eine weitere Front im Westen.

Das langfristige Ziel ist derzeit unbekannt. Erste Ziele werden wahrscheinlich der Ort Deir Hayfer und die umliegenden Felder sein, gefolgt von der Jihrar-Luftbasis und dem gesamten Wasserkanal vom Euphrat nach Aleppo, der die Stadt mit Trinkwasser versorgt. In den vergangenen Tagen wurde diese Leitung gekappt und Aleppo scheint ähnlich wie Damaskus unter Wasserproblemen zu leiden.

Außerdem wird damit der Nachschubweg nach al-Bab versperrt und zugleich ein möglicher Korridor für eine oppositionelle Operation nach Raqqah verhindert. Langfristiges Ziel könnte auch für die Syrisch-Arabische Armee die Eroberung Raqqahs, oder Tabqas sein.

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Situation in der Provinz Aleppo

 

Vorort von Damaskus kapituliert | Familien aus Ostaleppo evakuiert

Der kleine Vorort in West-Ghouta südlich von Damaskus namens Khin al-Shih ist nun ebenfalls Bestandteil des „Versöhnungsprozess“ zwischen der Opposition und der syrischen Regierung. Ergebnis dieses Prozesses ist einerseits die (friedliche) Übernahme des Ortes durch die Syrisch-Arabische Armee (SAA), andererseits eine Generalamnestie für allen oppositionellen Kämpfer, die danach ein Leben als Zivilisten führen können. Eine weitere Möglichkeit ist der Transport in den bekannten „grünen Bussen“ in die Idlib-Provinz, um dort weiterhin gegen die Regierung zu kämpfen. Letzteres sollen etwa ~1200 Kämpfer und deren Familienmitglieder angenommen haben. Dieser Prozess ist nichts Neues im Umland von Damaskus (Rif Dimashq), nachdem solche Angebote ebenfalls von Daraya, Maadamiyeh, oder Qudsseya genutzt wurden.

Der Ort ist erst seit einigen Monaten vollständig belagert gewesen, nachdem es mehrere oppositionelle Offensiven in Richtung anderer Kessel gab. Die dortigen Kämpfer sollen neben Heimischen aus Fateh al-Sham und Ahrar al-Sham bestanden haben.


Währenddessen halten die schweren Kämpfe in und um Ostaleppo weiter an. Es kam vor allem zu Scharmützeln im Osten, nahe des Hanano-Viertels. Weitere Fronten sind weiterhin Bustan al-Pasha als auch Sheikh Saeed. Es kam dort aber nicht zu großen Bodenveränderungen, es gibt unbestätigte Eroberungen des „Ma’saraniyah Youth Housing“ und dem alten Najjar-Industriedistrikt.

Das Generalkommando der Syrisch-Arabischen Armee verkündete außerdem vor wenigen Minuten die Aufstellung eines 5. Korps in Aleppo, welches vor allem zu Offensiven gedacht ist. Welche Einheiten dort involviert sind ist derzeit unklar.


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Geflüchtete Familie aus Ostaleppo

Wesentlich wichtiger ist die Evakuierung von 2 Familien aus Ostaleppo, nachdem es nach eigenen Angaben um eine „verdeckte Operation“ gehandelt habe. Man durfte nicht das Risiko eingehen, durch die oppositionellen Kämpfer entdeckt zu werden. Weiterhin herrscht die Ansicht, dass die Opposition in Ostaleppo die Zivilisten als Geiseln halten, nachdem die „humanitären Fluchtkorridore“ nicht genutzt und gar von der Opposition mit Mörsern beschossen wurden. Inzwischen gibt es ebenfalls Berichte von weiteren 7 geflüchteten Personen, die nahe Suleiman al-Halabi evakuiert wurden.

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„Die große Schlacht um Aleppo“ ist nach 2 Tagen gescheitert

Zwei Tage seit dem Beginn der nach dem ehemaligen Bananenverkäufer und getöteten Jaysh al-Mujaheedin-Kommandanten Yusuf Zo’ah benannten Offensive zur Aufhebung der Belagerung von Ostaleppo zeigen sich mehrere klare militärische Verhältnisse: Den Islamisten unter der Führung von Jaysh al-Fateh gelingt kein Durchbruch, trotz westlicher Unterstützung und ausländischen Selbstmordattentätern.

Der Beginn der Offensive am 28. Oktober begann verheißungsvoll: Nach wenigen Stunden konnte die Opposition, angeführt vom islamistischen Bündnis Jaysh al-Fateh unter der Obhut von Fateh al-Sham, bereits die Eroberung des al-Assad-Viertels im Westen der Stadt vermelden. Ebenfalls gab es kleinere Eroberungen nördlich und südlich des Viertels, sowohl mehrere Fabriken in Miniyan und weiter nördlich bei den Obari-Farmen & Umgebung konnte die Opposition für sich beanspruchen. Am nächsten Tag konnten ebenfalls fast die letzten Teile des 1070 Housing Projects erobert werden.

Daraus resultierend drohte mehreren zivilen „Kernvierteln“ Westaleppos die Flankierung von mehreren Seiten, unabdingbar für die Eroberung dieser Bezirke. Weitere Angriffe gab es auf den Zahra-Distrikt weiter nördlich, aufgrund fehlender Erfolge und Stärke wird es sich hierbei aber wohl eher um eine Ablenkung gehandelt haben.

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Angriff eines Selbstmordattenäters (SVIED) auf al-Assad

Diese Erfolge waren vor allem einer Waffe geschuldet: Selbstmordattentätern. Alleine am ersten Tag sollen mindestens 5 Selbstmordattentäter mithilfe von mit Sprengstoff beladene Fahrzeuge mehrere Positionen in al-Assad und 1070 gesprengt haben.  Dabei bekannte man sich medial zu folgenden Selbstmordattentätern, welche als Märtyrer gefeiert werden:

  1. Batar al Jazrawi, saudischer Staatsbürger und Mitglied von Jund al-Aqsa
  2. Hudhayfa al-Turki, türkischer Staatsbürger und Mitglied der zentralasiatischen Turkmen Islamic Party
  3. Mus’ab Fayyad, syrischer Staatsbürger und Mitglied von Fateh al-Sham
  4. Omar al Masri, ägyptischer Staatsbürger und Mitglied von Fateh al-Sham
  5. Abu Haitham al Masri, ägyptischer Staatsbürger und Mitglied von Fateh al-Sham
  6. Abdul Aziz Turki, türkischer Staatsbürger und Mitglied der Turkmen Islamic Party (29. Oktober)
  7. Shahidallah al-Turkistani, wahrscheinlich ein Uigur, Mitglied der Turkmen Islamic Party (30. Oktober)
  8. Khatab al-Tabuki, saudischer Staatsbürger und Mitglied von Fateh al-Sham (3. November)

Anfängliche Erfolge bleiben aus

Trotz dem Einsatz mehrerer Selbstmordattentäter und auch mehreren tausend Soldaten konnte die Opposition weiterhin nicht vordringen und dadurch ihr Momentum verlieren, Eines der stärksten Waffen. Die Hauptachse des Angriffes befand sich nun auf Miniyan und New Aleppo. Der Erfolg blieb aus, einige Journalisten filmten Positionen direkt am Kreisverkehr vor dem Distrikt. Die darauffolgenden Tage bis heute blieben ruhig, die Kämpfe scheinen nun in Miniyan und zwischen al-Assad und 3000 Apartment Project weiterzugehen. Große Mengen an Panzer und Truppentransporter sollen zerstört worden sein.

Die Armee und ihre Verbündete sollen weitere Verbände nach Aleppo beordert haben, so soll die in Aleppo ansässige syrisch-palästinensische Liwa al-Quds mindestens 3000 Mitglieder dort versammelt haben (siehe Video).  Ebenfalls sind in kleineren Mengen ebenfalls die irakische und libanesische Hisbollah aktiv, wobei sie eher Positionen nahe dem Internationalen Flughafen der Stadt im Osten übernehmen. Die russische Luftwaffe hingegen soll erst in den letzten Tagen aktiv geworden sein, möglicherweise hatte man die nötige Logistik für den eigentlich geplanten Großangriff der Regierung auf Ostaleppo geplant.

Das Ergebnis: Die Opposition konnte ihr Ziel nicht erreichen, die Belagerung von Ostaleppo aufzubrechen.

Vorwürfe von Giftgasangriffen durch die Opposition

Als Ergebnis durch den Dauerbeschuss von zivilen Gebäuden und Bezirken im Westen der Stadt (vor allem durch Hellcannons) kam es zu mindestens 53 getöteten Zivilisten in den ersten 4 Tagen des Angriffes, wie selbst die SOHR behauptete. Die Syrisch-Arabische Armee geht im gleichen Zeitraum von 84 getöteten Zivilisten & 280 Verletzten aus. Auch wird der Opposition vorgeworfen, in einem Angriff auf al-Hamdaniyah etwa 20 Giftgaskanister genutzt zu haben, was zu 48 Fällen der Erstickung führte. Derweil wurde auch das UN-Büro in Westaleppo direkt beschossen.

Innere Kämpfe zwischen Gruppen in Ostaleppo – Tote

Außerdem kam es zwischen verschiedenen islamistischen Gruppierungen im belagerten Ostaleppo zu Kämpfen und sogar Toten, der genaue Grund ist derzeit unklar. Einige sprechen von Ressourcen- und Machtverteilung innerhalb den Strukturen in Ostaleppo, Andere über den Umgang mit den „humanitären Flüchtlingskorridoren“ der syrischen Regierung und ob sie als Fluchtweg genutzt werden sollten.  Aufgrund dessen soll die FSA-Gruppe Fastaqem Union von der USA unterstützten Nour al-Din al-Zenki (bekannt für ihre Enthauptung eines 12-jährigen Kindes) angegriffen worden sein. Die Sham Front versucht diese Streitigkeit zwischen beiden ehemaligen Mitgliedern zu beenden, bisher ohne Erfolg. Diese Kämpfe sollen sich laut SOHR auch auf Idlib übertragen und insgesamt 18 Tote gefordert haben.

Oppositionsgruppen, die in der 2. Aufhebung der Belagerung involviert sind

Anmerkung: Aufgrund der Aktualität der Offensive können sich die beteiligten Gruppen jederzeit ändern bzw. zunehmen. Dementsprechend ist auch keine Vollständigkeit garantiert.

 

Laut Charles Lister sind ebenfalls folgende Gruppen aktiv, ohne genaue Beweise dazu zu nennen:

  • al-Jabhat al-Shamiya
  • 16th Division
  • Jaysh al-Tahrir
  • Jaysh al-Izza
  • Liwa Ahrar al-Sunnah
  • Jaysh al-Sunnah
  • Liwa al-Haqq

Territorialgewinne der Armee in Ostaleppo

Als Reaktion auf die doch unerwartet erfolgreichen Eroberungen veröffentlichte das Generalkommando der Syrisch-Arabischen Armee eine Pressemitteilung, sowohl Luftschläge als auch Artillerieangriffe zurückzufahren, auch um weiteres ziviles Leid zumindest zu vermindern. Welche Erfolge kann die SAA & ihre Verbündeten verzeichnen?

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Die wohl größten Erfolge konnte die SAA & Liwa al-Quds im Nordosten bezeichnen. Dort wurden zugleich zwei gesamte Bezirke erobert: der Handarat-Bezirk und das von dort westlich gelegene Shuqayyf-Industrieviertel welches bereits vorher von 3 Seiten aus angegriffen wurde, darunter auch von den unabhängigen Kurden im Sheikh Masqoud-Viertel. Das ehemalige palästinensische Flüchtlingslager Handarat ist ebenfalls Heimat der Liwa al-Quds, insofern handelt es sich für die Gruppierung um die „Rückeroberung/Befreiung“ ihrer Heimat. Weiterhin konnte man südlich der beiden Viertel vordringen, sowohl das berüchtigte al-Kindi-Krankenhaus als auch weiter südlich gelegene Fabrikanlagen (darunter Bierfabriken) erobern, Diese befinden sich wiederum im Awijah-Viertel. Mit der Eroberung dieser Gebiete wurde ein möglicher Ausbruch der Opposition im Norden der Stadt über die Castello-Straße und Mallah-Farmen sehr erschwert, wenn nicht sogar verhindert.

Die ersten größeren Erfolge konnte die SAA hingegen in der Altstadt verzeichnen, im Farafira-Wohnbezirk nördlich der alten Zitadelle. Man konnte ebenfalls das gesamte Viertel erobern und damit fast einen Kessel für die übrige Opposition in der Altstadt und al-Azizeh vorbereiten.

Am 5. und 6. Oktober konnte die SAA mithilfe der Republikanischen Garden und mehreren NDF-Milizen ebenfalls in Bustan al-Pasha auf kleinerer Ebene vorrücken. So konnte man alleine am 6. Oktober etwa 40% von Bustan einnehmen, vor allem in Umgebung des Sportzentrums „Institute of Physical Education“. Ebenfalls gibt es Berichte von Kämpfen östlich des Viertels, in Suleiman al-Halabi. Von Fortschritten ist jedoch dort nichts bekannt.

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Auch die Eroberungen im Süden Aleppos sind durchaus respektabel, aber zu großen Teilen nur bedingt bestätigt. Die SAA soll mithilfe von irakischen Milizen mehrere Häuserblöcke im al-Amiriyah-Viertel erobert haben, nördlich von Ramouseh. Außerdem soll es beachtliche Folge in Sheikh Saeed geben (siehe Karte), dennoch unterstützten noch keine visuellen Beweise derartige Behauptungen.

 

Obwohl die SAA durchaus unerwartete und beachtenswerte Erfolge innerhalb des kurzen Zeitraumes verzeichnen konnte, so bedeutet dies noch lange keinen einfachen Sieg in Ostaleppo. Große Teile des eroberten Gebietes (vor allem im Norden) waren schwer zu verteidigen respektive haben in der Belagerung nur zu einer unnötig vergrößerten Front geführt. Insofern kam es oft zu taktischen Rückzügen, teilweise auch an erfolgreiche Gegenangriffe gekoppelt (z.B. in Handarat). Die Opposition wird sich nun wahrscheinlich auf die relevanten Territorien konzentrieren, sprich urbane und enge Behausungen mit einem großen Anteil an Zivilisten.

 

 

Syrische Armee beginnt Operation zur Eroberung von Ostaleppo

Das Generalkommando der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) verkündet den Beginn der Operation für die „Befreiung“ der von der Opposition besetzten Viertel in Aleppo. Das Generalkommando unter Führung eines neu eingesetzten Kommandanten (nach der Blamage in Südaleppo), einem erfahrenen Mitglied der Republikanischen Garde die eindrucksvoll das Bani Zayd und Layramoun-Viertel im Norden der Stadt erobert hatten, empfahl den Zivilisten im Osten für ihre eigene Sicherheit zu sorgen und sich von Stützpunkten der Opposition fernzuhalten.

Weitere Viertel kapitulieren

Währenddessen kapitulierte das al-Qadam-Viertel im Süden von Damaskus nach langer Zeit der Belagerung und offizieller Waffenruhe. 250 Kämpfer ergaben sich und warten nun auf ihre Generalamnestie. Die Bevölkerung wurde in temporäre Flüchtlingsunterkünfte gebracht.

Selbiges geschah im al-Waer-Wohnbezirk in Homs. Nachdem vor 2 Jahren die Kämpfer zustimmten sich von der Innenstadt nach al-Waer zurückzuziehen kapitulieren Diese nun auch und nehmen zum 2. Mal eine UN-Vermittlung an, um das Gebiet zu räumen und Kämpfer nach Idlib zu transportieren. Den Verhandlungen sind mehrere Luftangriffe vorausgegangen.

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Zivilisten aus al-Qadam

Regierungsoffensive in Latakia

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Pro-Oppositionelle Karte zeigt die gestrigen Eroberungen (blau)

Die Syrische Armee startete mit der Unterstützung einiger Milizen wie Suqur al-Sahara, Nusur al-Zawba’a, Syrian Resistance und der NDF im Norden der Provinz Latakia eine Offensive um die letzten verbliebenen Gebiete unter die Kontrolle der syrischen Regierung zu bringen.

Die Operation begann am frühen Morgen des 9. Septembers und konnte bereits innerhalb von wenigen Stunden unerwartet erfolgreiche Eroberungen verbuchen. So wurde z.B. Nahshabba, Tell Rasha, Mazghulah, oder al-Ra’ai erobert. Ebenfalls konnte zwei Hügel (Point 540 & 650) in der Provinz Idlib erobert werden wodurch die SAA endlich wieder in den westlichen Gebieten der Provinz präsent ist.

Es gibt mehrere Berichte die bestätigen, dass innerhalb den oppositionellen Kämpfern alles völlig unorganisiert und unerwartet war und man dementsprechend die immensen Erfolge erzielen konnte. Wohl möglich sind Teile der Kämpfer nach Jarablus & Nordaleppo oder nach Südaleppo abgezogen worden. Möglicherweise auch zur Hamaoffensive.