Ostaleppo erneut belagert, Daesh verliert türkische Grenze

JRdwg9rXtSf_CE7ODIRT8yCzP_mBBHJZNn7-eTzWZTg.jpgOstaleppo ist wieder faktisch belagert

Nach wochenlangen Kämpfen und enormen Verlusten auf beiden Seiten konnte sich die syrische Armee mit primärer Hilfe der Eliteeinheit der Tiger Forces & weiteren Milizen durchsetzen und die Ramouseh-Artillerieschule und ihre Sektionen vollständig zurückerobern, um damit den letzten Nachschubweg (auch wenn Dieser seit Wochen nicht passierbar war) schließen.

Die Verluste auf beiden Seiten sind enorm, man spricht von rund 1000 Toten auf oppositioneller/islamistischer Seite (die Hauptlast trugen islamistische Gruppierungen wie Fateh al-Sham, Suqur al-Sham, al-Zinki, Sultan Murad usw.) und zwischen 500-700 Toten auf regierungsunterstützender Seite. Die Todeszahlen können aber nicht genauer überprüft werden. Nach der Eroberung sollte es prinzipiell nur eine Frage der Zeit sein bis ebenfalls die westlich und östlich befindenen Ramouseh-Viertel und das 1070 Housing Project ebenfalls fallen werden.

Ebenfalls gibt es Berichte von weiteren Eroberungen weiter südlich nahe der Stadt Qarassi und deren Steingruben. Es gibt ebenfalls einige Bilder die russische Spezialeinheiten in Aleppo zeigen, ob sie in der Offensive involviert waren ist unklar aber durchaus denkbar. Die russische Luftwaffe ist laut Angaben oppositioneller „Aktivisten“ den ganzen Tag aktiv gewesen und soll über 75 Luftschläge ausgeführt haben.

 

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Daesh schließt türkische Grenze

Die von der Türkei unterstützten Gruppierungen der FSA und weiteren islamistischen Fraktionen (z.B. Ahrar al-Sham) konnten nun ihr primäres Ziel der Operation „Euphrates Shield“ absolvieren und damit Daesh von der Türkei trennen bzw. ihre beiden Teile im Norden Aleppos verbinden. Da es kaum Berichte von Kämpfen gab werden die Opferzahlen äußerst gering sein. Es zeigt wiederum den Beweis dass die Türkei Daesh als quasi-Verbündeten fallengelassen hat und kein wirkliches Interesse zumindest als Handelspartner existiert, bei der momentanen Schwäche des Islamischen Staates kein Wunder.

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Türkische Armee greift Jarablus an, Intervention in Syrien

Von der Nacht vom 23. zum 24. August begann die türkische Armee mit direkten Artilleriebeschuss und Luftschlägen auf die syrische Grenzstadt Jarablus, Eine der letzten Versorgungsrouten zwischen der Türkei und Daesh-Territorium, nachdem es bereits Tage zuvor es zu leichten, gegenseitigen Mörserbeschuss kam. Den Angriffen geht der Bericht voraus, dass eine ~800-1.500 starke Gruppierung aus verschiedenen Fraktionen wie z.B. Sultan Murad oder 13th Division plante, die Stadt vom türkischen Territorium aus anzugreifen.

Das unerwartete Ereignis ist hingegen der direkte Einsatz von türkischen Spezialeinheiten wie türkische Fernsehsender bestätigen, die sogenannten „Maroon Berets“ mit Unterstützung der „Joint Special Task Force“, einer Kommandostruktur bestehend aus den verschiedenen Teilstreitkräften der Armee. Damit befinden sich türkische Einheiten offiziell in syrischen Territorium. Inzwischen kommt es auch von Berichten dass reguläre, türkische Panzer die Grenze überquert haben.

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Operationsziel

Dies zeigt dass die Türkei diese Operation (genannt Euphrates Shield) sehr ernst meint ist, mittelfristiges Ziel wird eine Pufferzone zwischen Daesh und der Türkei sein, einige Quellen sprechen ebenfalls von dem Ziel den ~50km langen Grenzstreifen zwischen der von der Opposition gehaltenen al-Rai und Jarablus zu schließen und damit die gesamte Grenze zu schließen. Das langfristige Ziel ist jedoch ein Anderes. Dieser Grenzstreifen ist nicht nur für Daesh, die Opposition und der Türkei sehr wichtig sondern ebenfalls auch für die von den Kurden dominierten SDF. Diese benötigen dieses Grenzgebiet um ihre beiden Kantone Afrin und Manbij zu vereinen und damit ganz Nordsyrien zu beherrschen. Diese Vorstellung wäre für Erdogan der absolute Horror.

Inzwischen wird diese Vorstellung auch für den syrischen Präsidenten Assad eine unbequeme Wahrheit, nachdem die YPG als Verbündeter gehandelt wurde, wurde diese Beziehung hintergangen und ein Krieg zwischen der NDF und Asayish/YPG in al-Hasakah angezettelt, die zur Eskalation und Kapitulation der Regierung führte. Aus diesem Grund und den geheimeren Gesprächen und Annäherungsversuchen der Türkei an Russland & Iran wird Assad sich höchst wahrscheinlich damit arrangieren können, dass türkische Einheiten auf syrischen Boden aktiv sind (und er sicherlich von der Operation Bescheid wusste). Wenn sich zwei Kontrahenten (Opposition & SDF) gegenseitig bekämpfen, freut sich der lachende Dritte (syrische Regierung).

Die genaue Rolle der Türkei ist momentan aber nicht vorhersehbar, einerseits könnte es sich lediglich um einen reinen PR-Stunt handeln um Aktivismus gegen Daesh zu simulieren, nach größeren Eroberungen ebenfalls die syrische Armee anzugreifen um seinen „Marsch nach Aleppo“ zu vollenden, oder schlichtweg einfach Oppositionskämpfer benutzt, um Assad zu unterstützen.

tl;dr: Türkische Spezialeinheiten bekämpfen verbündet mit der syrischen Opposition Daesh, um zukünftig ebenfalls die SDF/Kurden zu bekämpfen. Assad geht als größter Nutznießer der Situation hervor.

Update bezüglich der Situation, 17 Uhr: Die FSA erklärte die Stadt Jarablus & umgebene Dörfer völlig in ihrer Kontrolle gebracht zu haben, es gibt kaum Berichte von Kämpfen und wahrscheinlich stieß man auf wenig Widerstand, nachdem die Stadt ohnehin in einer prekären Situation war und Verteidigungspositionen absolut unmöglich waren. Die nächste Phase wird die Eroberung aller Gebiete am Grenzgebiet beinhalten.

Währenddessen besuchte der amerikanische Vizepräsident Joe Biden die Türkei und rief die YPG dazu auf, sich von den Gebieten westlich des Euphrates zurückzuziehen und laut YPG-Pressesprecher folgten sie devot diesen Befehlen, die in jeglicher Hinsicht den türkischen Interessen seit Monaten entsprachen. Damit stellt sich die USA nicht nur absolut hinter die Türkei, sondern erneut wurden die Kurden von ihren Verbündeten verraten.

Gruppierungen die in der Südaleppo-Offensive beteiligt sind

Eine Fortführung der Aufführungen der involvierten Oppositionsgruppierungen in Ostaleppo. Es wird keine Vollständigkeit garantiert. Ein weiterer Artikel zu dieser Offensive erscheint, wenn Diese vollendet/abgeschlossen ist. 

 

Gruppierungen die ebenfalls involviert sein könnten/Untergruppierungen der oben Genannten sind:

  • 101st Infantry (FSA)
  • 16. Infantry Division (FSA)
  • Abu al-Alamein Brigade
  • al-Imam Army
  • al-Jass Mountain Brigade
  • Conquerors Brigade Faction
  • Jaysh al-Imam Brigade/Faith Army
  • al-Badiya Army
  • Abu Omar al-Janoobi
  • Shabhat al-Sunnah

 

Sonstige Bemerkungen: Trotz der quantitativ doch starken Vertretung der FSA sollte beachtet werden dass islamistische Gruppierungen wie die „Großen Drei“ Fateh al-Sham, Ahrar al-Sham und Jaysh al-Islam die größte Last der Offensive tragen und ebenfalls die Führung unter ihren Bündnissen Fateh Halab und Jaysh al-Fateh übernehmen.

 

Ostaleppo nun vor faktischer Belagerung

Aleppo cut1 26july 5mordad (2).jpgNachdem bereits vor 3 Wochen eine Feuerkontrolle über die Castello-Straße als letzte Versorgungsstraße für die Opposition in Aleppo initiiert wurde, ist der Belagerungsring um Ostaleppo nun auch fast faktisch durch Bodenkontrolle geschlossen.

Seit der letzten Nacht konnte die SAA bzw. Tiger Forces enorme Erfolge erzielen: Im Norden wurde das Castello-Restaurant und der Castello-Komplex (nach Diesen wurde die Straße benannt) erobert und die Fahne inzwischen gehisst.

Im Süden unter der Führung der 4th Division hingegen konnte das komplette Layramoun-Industrieviertel und die dortigen Garagen und Busunternehmen an der Grenze erobert werden. Inzwischen wird das westliche Nachbarsviertel Bani Zeyd und das Östliche Dharet Abd Rabbo mithilfe von Luftschlägen und Artillerie beschossen.

Die Entfernung zwischen den beiden Punkten sind weniger als 1km und ist im Gesamten eine große weite Fläche mit geringer Chance auf urbanen Häuserkampf, insofern sind schnelle Erfolge ebenfalls zu erwarten.

Gegenoffensive der SAA in Latakia erfolgreich

Wochen nachdem das islamistische Bündnis Jaysh al-Fateh eine Offensive in Nordlatakia gestartet hat um die brutalen Kämpfe in Aleppo auszulasten und dabei recht große und relevante Bodengewinne um Kinsibba zu verzeichnen hatte, konnte ebenfalls in den Wirren der türkischen Situation Kinsabba und weitere Dörfer & Berge in der Gegend zurückerobern.

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Berichten zufolge startete die dortige Armee mit Unterstützung der Hisbollah und weiteren syrischen Milizen wie z.B. der SSNP und Syrian Resistance vom Dorf Shilif eine Offensive zuerst in Richtung Tuba und danach nach Kinsabba, nachdem die umgebenen Hügel bereits erobert wurden. Damit befinden sich alle territorialen Veränderungen in etwa auf dem Stand vor der islamistischen Offensive in der Provinz Latakia. Vor wenigen Stunden veröffentlichten ebenfalls al-Nusra und Faylaq al-Sham in einer Pressemitteilung, dass sich der Ort wieder in Hand der Islamisten befindet, was wiederum von dortigen vertrauenswürdigen Quellen verneint wurde und ebenfalls es keine Bilder und/oder Videos dazu gibt.

Castillo-Straße erobert!

In der gestrigen Nacht am 17. Juli schaffte es die offensive Eliteeinheit der syrischen Armee „Tiger Forces„den Belagerungsring um Aleppo an seiner fragilsten Position zu verstärken und damit auch zu vertiefen. Direkt an der Hauptstraße wurde das gleichnamige Castello-Restaurant und weiter südwestlich befindliche Tel Castello-Hügel erobert. Damit befindet sich die Straße nicht mehr nur unter Feuerkontrolle, sondern auch unter faktischer Bodenkontrolle.

Den Erfolgen gehen weitere Erfolgen im Laraymoun-Industrieviertel südlich der Position voraus. Mit der Feuerkontrolle über den Layramoun-Kreisverkehr befindet sich quasi das gesamte Viertel unter der Kontrolle und nur noch die Beni Zeid-Nachbarschaft steht einer Vereinigung der beiden Offensiven entfernt, um die Belagerung perfekt zu machen.

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Rot: Layramoun-Kreisverkehr Gelb: Layramoun-Industrieviertel Grün: Castello-Restaurant + Hügel Blau: Castello-Straße

Aleppo ist nun belagert!

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Stadt Aleppo & Umgebung

Kriegsentscheidende Informationen bringt eine neue Nachricht aus Aleppo hervor, dass die letzte große Versorgungsroute der Opposition zu Aleppo erfolgreich durch die Syrische Armee gekappt wurde.

Trotz gestern einseitig verkündeter Waffenruhe konnte der SAA mithilfe einiger weiterer Milizen (z.B. NDF, palästinensische Liwa al-Quds) und der Eliteeinheit der Tiger Forces der Durchbruch im Norden Aleppos gelingen und damit erfolgreich die letzte große Versorgungsroute der Opposition – die Castello-Straße – kappen. Dieser Eroberung geht eine Woche schwerer Kämpfe um die Mallah-Farmen voraus, welche auf beiden Seiten für hohe Verluste sorgte.

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Materielle Verluste der Opposition am 1-3. Juli

Die Mallah-Farmen im Norden der Stadt waren Ausgangsort für die dortige Operation und ist aufgrund eines sehr flachen und ländlichen Geländes grundsätzlich sehr schwer zu verteidigen gewesen, weswegen es oft zum Wechsel des Besitzers kam. So gibt es etwa z.B. Zahlen zu der Oppositionsgruppe „Harakat al-Zenki“, die von mehr als 300 Toten reden, Jaysh al-Tarir ~75 Tote etc.

Nachdem am 7. Juli der endgültige Durchbruch bei der Eroberung der südlichen und westlichen Mallah-Farmen um Ard al-Mallah gelungen ist, besitzt die SAA durch dortige Hügel wie Jabenja und Humrah die Feuerkontrolle über die Straße, welche etwa ~1km von den Stellungen der SAA entfernt ist.

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Gelb: Mallah-Farmen, Grün: Industrieviertel, Rot: Handarat

 

Zum gleichen Zeitpunkt um den Druck weiterhin zu erhöhen gab es Kämpfe östlich der Mallah-Farmen um den Handarat-Distrikt und nördlich der Stadt Aleppo in einem Industrieviertel, wo es schwere Kämpfe um die Shabib-Fabrik gab; Autobomben von al-Nusra und Sprengung von unterirdischen Tunneln inklusive.

Eine nicht zu vergessende Rolle spielte aber auch das von der YPG gehaltene, kurdische Viertel Sheikh Maqsoud, welches aufgrund von ständigen Aggressionen der Opposition mehrmals die Versorgungsstraße angegriffen hat.

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Der Verlauf der Versorgungsstraße

 

Auch wenn die Belagerung Aleppos momentan jederzeit durchbrochen werden kann und ebenfalls noch nicht vollständig abgeschlossen ist so ist dies ein äußerst wichtiger Sieg der Regierung für die Schlacht um Aleppo. Eine endgültige Eroberung wird sich aber dennoch Jahre hinziehen, solange kein diplomatischer Versuch wie in Homs gestartet wird. Außerdem werden wohl weiterhin Schmuggelrouten für die Versorgung innerhalb der Stadt existieren.