„Journalist des Jahres“ ist ein Islamist

„Reporter ohne Grenzen“ zeichnet jedes Jahr verschiedene Personen und Gruppen für ihre Bemühungen aus, mutigen Journalismus fernab von fehlender Meinungs- und Redefreiheit und an gefährlichen Orten zu unternehmen. Dieses Jahr ist diese Ehre dem 29-jährigen Syrer Hadi al-Abdullah vergönnt. „Er schreckt nicht davor zurück, sich in gefährliche Gebiete zu begeben“ und sich in Gebiete zu begeben,“wohin sich kein westlicher Journalist wagt“ heißt es in der Erklärung.

Diese Ehre kommt dieses Mal eine Person zu teil, die nicht nur 2013 Reporter des IS(IL) war, sondern auch Glückwünsche von „engen Freunden“ erhält, die auf internationalen Sanktionslisten als hohe Mitglieder für terroristische Organsiation zu finden sind. Eine Auswahl:

Noch bis 2013 und dem Aufstieg des Islamischen Staates im Irak und Syrien gab es ein Bündnis welches im Westen relativ unbekannt ist: Daesh (damals ISIL) arbeitete eng mit der FSA und weiteren oppositionellen Gruppen zusammen, um die syrische Regierung zu stürzen. Diese Zusammenarbeit florierte vor allem in der Umgebung um al-Rakkah und Taqbah. In diesen Zeitraum fallen auch verschiedene Interviews von Abdullah mit dem Islamischen Staat.


Auch ansonsten scheint al-Abdullah keine besonderen Berührungsängste zu haben: Wenn eine große Offensive vom größten islamistischen/salafistischen Bündnis Jaysh al-Fateh irgendwo im Land ansteht, berichtet er davon. Das erste und letzte Video zeigt den Angriff von Jaysh al-Fateh mit Unterstützung von ausländischen Uiguren, Tscheschenen, oder Usbeken z.B. in Form der Turkic Islamic Party auf die ehemalige syrische Großstadt Jisr al-Shughour. Die Stadt war Schauplatz einer tragischen Geschichte: Nachdem die Stadt vollends belagert wurde, zogen sich die wenig verbliebenen Soldaten der Syrisch-Arabischen Armee um das dortige Krankenhaus zusammen, wo sich ebenfalls viele Zivilisten verschanzt hatten. Nach einem Monat von Angriffen der Islamisten und gar einigen Selbstmordattentätern auf das Krankenhaus versuchte die Armee im Schutze der Nacht einen Durchbruch. Die Ergebnisse waren fatal: Fast alle Soldaten und Zivilisten wurden beim Evakuierungsversuch getötet. Nur eine kleine Minderheit konnte sich an die Armee-Positionen weiter südlich der Region retten. Die Überreste des Krankenhauses sieht man im letzten Video.

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Das zweite und dritte Video hingegen zeigt den letzten Durchbruchsversuch der Opposition nach Ostaleppo am 28. Oktober. Diese Offensive wird wie üblich ebenfalls von Jaysh al-Fateh angeführt. Interviewt wird ein Kommandant vom ehemaligen al-Qaida-Ableger Jabhat Fateh al-Sham. Er behauptet, dass lediglich Militärbasen in Westaleppo angegriffen wurde und es dementsprechend keine toten Zivilisten gab. In Wirklichkeit griff man nicht nur das dicht besiedelte „3000 Aparment Project“, Zahra-Viertel und „New Aleppo“ an welches viele Zivilisten zur Obdachlosigkeit zwang, sondern selbst die SOHR machte die Opposition für den Tod von über 50 Zivilisten in dem Zeitraum schuldig. Außerdem handelte es sich laut ihm hierbei um den großen Kampf zwischen Sunniten vs. Iraner & Russen.

Besonderes Schmankerl selbst für seine Interviews ist ein Interview von einem verletzten, in Schutt eingeschlossenen Soldaten. Dieser bittet um Hilfe und Vergebung, die einzige Reaktion von Abdullah: Gelächter. Das Video spricht für sich.


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Weiterhin bekannt sind seine Beziehungen zu den Größen des (ehemaligen) syrischen Ablegers von al-Qaida, ehemals al-Nusra und heute Fateh al-Sham. Nicht nur hatte er die besondere Ehre den Anführer von al-Nusra/Fateh al-Sham „al-Golani“ (heute Abu Mohammad al-Joulani) zu interviewen was ansonsten nur dem katarischen Fernsehsender al-Jazeera vergönnt ist, er kann ebenfalls eine hohe Figur als „engen Freund“ nennen: Abdallah Muhammad Bin-Sulayman al-Muhaysini.

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„mit Dr. Abdullah Muheisni, möge Allah ihn beschützen, bevor er sich zum Kampf begibt“

Die Beziehung zwischen beiden Personen scheint seit 2014 zu existieren, inzwischen wurde Muhaysni selbst von der USA auf eine Sanktionsliste als Mitglied einer terroristischen Organisation gesetzt. Auch Muhaysni beglückwünschte al-Abdullah zur Auszeichnung „Journalist des Jahres“. Er bezeichnete ihn als leuchtendes Beispiel für die Art von Medien, die ihr Land und ihrer Religion dienen und der „Stimme der Unterdrückten“ ein Sprachrohr gebe.


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„Die große Schlacht um Aleppo“ ist nach 2 Tagen gescheitert

Zwei Tage seit dem Beginn der nach dem ehemaligen Bananenverkäufer und getöteten Jaysh al-Mujaheedin-Kommandanten Yusuf Zo’ah benannten Offensive zur Aufhebung der Belagerung von Ostaleppo zeigen sich mehrere klare militärische Verhältnisse: Den Islamisten unter der Führung von Jaysh al-Fateh gelingt kein Durchbruch, trotz westlicher Unterstützung und ausländischen Selbstmordattentätern.

Der Beginn der Offensive am 28. Oktober begann verheißungsvoll: Nach wenigen Stunden konnte die Opposition, angeführt vom islamistischen Bündnis Jaysh al-Fateh unter der Obhut von Fateh al-Sham, bereits die Eroberung des al-Assad-Viertels im Westen der Stadt vermelden. Ebenfalls gab es kleinere Eroberungen nördlich und südlich des Viertels, sowohl mehrere Fabriken in Miniyan und weiter nördlich bei den Obari-Farmen & Umgebung konnte die Opposition für sich beanspruchen. Am nächsten Tag konnten ebenfalls fast die letzten Teile des 1070 Housing Projects erobert werden.

Daraus resultierend drohte mehreren zivilen „Kernvierteln“ Westaleppos die Flankierung von mehreren Seiten, unabdingbar für die Eroberung dieser Bezirke. Weitere Angriffe gab es auf den Zahra-Distrikt weiter nördlich, aufgrund fehlender Erfolge und Stärke wird es sich hierbei aber wohl eher um eine Ablenkung gehandelt haben.

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Angriff eines Selbstmordattenäters (SVIED) auf al-Assad

Diese Erfolge waren vor allem einer Waffe geschuldet: Selbstmordattentätern. Alleine am ersten Tag sollen mindestens 5 Selbstmordattentäter mithilfe von mit Sprengstoff beladene Fahrzeuge mehrere Positionen in al-Assad und 1070 gesprengt haben.  Dabei bekannte man sich medial zu folgenden Selbstmordattentätern, welche als Märtyrer gefeiert werden:

  1. Batar al Jazrawi, saudischer Staatsbürger und Mitglied von Jund al-Aqsa
  2. Hudhayfa al-Turki, türkischer Staatsbürger und Mitglied der zentralasiatischen Turkmen Islamic Party
  3. Mus’ab Fayyad, syrischer Staatsbürger und Mitglied von Fateh al-Sham
  4. Omar al Masri, ägyptischer Staatsbürger und Mitglied von Fateh al-Sham
  5. Abu Haitham al Masri, ägyptischer Staatsbürger und Mitglied von Fateh al-Sham
  6. Abdul Aziz Turki, türkischer Staatsbürger und Mitglied der Turkmen Islamic Party (29. Oktober)
  7. Shahidallah al-Turkistani, wahrscheinlich ein Uigur, Mitglied der Turkmen Islamic Party (30. Oktober)
  8. Khatab al-Tabuki, saudischer Staatsbürger und Mitglied von Fateh al-Sham (3. November)

Anfängliche Erfolge bleiben aus

Trotz dem Einsatz mehrerer Selbstmordattentäter und auch mehreren tausend Soldaten konnte die Opposition weiterhin nicht vordringen und dadurch ihr Momentum verlieren, Eines der stärksten Waffen. Die Hauptachse des Angriffes befand sich nun auf Miniyan und New Aleppo. Der Erfolg blieb aus, einige Journalisten filmten Positionen direkt am Kreisverkehr vor dem Distrikt. Die darauffolgenden Tage bis heute blieben ruhig, die Kämpfe scheinen nun in Miniyan und zwischen al-Assad und 3000 Apartment Project weiterzugehen. Große Mengen an Panzer und Truppentransporter sollen zerstört worden sein.

Die Armee und ihre Verbündete sollen weitere Verbände nach Aleppo beordert haben, so soll die in Aleppo ansässige syrisch-palästinensische Liwa al-Quds mindestens 3000 Mitglieder dort versammelt haben (siehe Video).  Ebenfalls sind in kleineren Mengen ebenfalls die irakische und libanesische Hisbollah aktiv, wobei sie eher Positionen nahe dem Internationalen Flughafen der Stadt im Osten übernehmen. Die russische Luftwaffe hingegen soll erst in den letzten Tagen aktiv geworden sein, möglicherweise hatte man die nötige Logistik für den eigentlich geplanten Großangriff der Regierung auf Ostaleppo geplant.

Das Ergebnis: Die Opposition konnte ihr Ziel nicht erreichen, die Belagerung von Ostaleppo aufzubrechen.

Vorwürfe von Giftgasangriffen durch die Opposition

Als Ergebnis durch den Dauerbeschuss von zivilen Gebäuden und Bezirken im Westen der Stadt (vor allem durch Hellcannons) kam es zu mindestens 53 getöteten Zivilisten in den ersten 4 Tagen des Angriffes, wie selbst die SOHR behauptete. Die Syrisch-Arabische Armee geht im gleichen Zeitraum von 84 getöteten Zivilisten & 280 Verletzten aus. Auch wird der Opposition vorgeworfen, in einem Angriff auf al-Hamdaniyah etwa 20 Giftgaskanister genutzt zu haben, was zu 48 Fällen der Erstickung führte. Derweil wurde auch das UN-Büro in Westaleppo direkt beschossen.

Innere Kämpfe zwischen Gruppen in Ostaleppo – Tote

Außerdem kam es zwischen verschiedenen islamistischen Gruppierungen im belagerten Ostaleppo zu Kämpfen und sogar Toten, der genaue Grund ist derzeit unklar. Einige sprechen von Ressourcen- und Machtverteilung innerhalb den Strukturen in Ostaleppo, Andere über den Umgang mit den „humanitären Flüchtlingskorridoren“ der syrischen Regierung und ob sie als Fluchtweg genutzt werden sollten.  Aufgrund dessen soll die FSA-Gruppe Fastaqem Union von der USA unterstützten Nour al-Din al-Zenki (bekannt für ihre Enthauptung eines 12-jährigen Kindes) angegriffen worden sein. Die Sham Front versucht diese Streitigkeit zwischen beiden ehemaligen Mitgliedern zu beenden, bisher ohne Erfolg. Diese Kämpfe sollen sich laut SOHR auch auf Idlib übertragen und insgesamt 18 Tote gefordert haben.

Oppositionsgruppen, die in der 2. Aufhebung der Belagerung involviert sind

Anmerkung: Aufgrund der Aktualität der Offensive können sich die beteiligten Gruppen jederzeit ändern bzw. zunehmen. Dementsprechend ist auch keine Vollständigkeit garantiert.

 

Laut Charles Lister sind ebenfalls folgende Gruppen aktiv, ohne genaue Beweise dazu zu nennen:

  • al-Jabhat al-Shamiya
  • 16th Division
  • Jaysh al-Tahrir
  • Jaysh al-Izza
  • Liwa Ahrar al-Sunnah
  • Jaysh al-Sunnah
  • Liwa al-Haqq

Erneut Kämpfe innerhalb von islamistischen Gruppen

Die salafistisch-jihadistische Jund al-Aqsa gerät in Kämpfe gegen die islamistische und zweitgrößte Oppositionsgruppe Ahrar al-Sham – erneut. Deren Auswirkungen und Gründe für das erneute Aufflammen eines wohl nicht enden wollenden Konfliktes.

Vor knapp einer Woche brachen erneut Grabenkämpfe zwischen Jund al-Aqsa und Ahrar al-Sham aus, der folgende Vorwurf lautete: Jund al-Aqsa (JaA) soll den führenden Kommandanten der Abo Dujana-Gruppierung, einer Untergruppe von Ahrar al-Sham (AaS), in al-Bara (Idlib-Provinz) entführt haben. Zum gleichen Zeitpunkt sollen mehrere Basen von AaS in Saraqib & Khan Sheikhoun angegriffen worden sein, laut Vorwürfen von AaS sollen daran auch mehrere Daesh-Schläferzellen mit Verbindungen zu Raqqa aktiv gewesen sein. Als Resultat warf AaS der JaA vor, Daesh-Schläferzellen in der Idlib-Provinz zu schützen und dabei die „Revolution“ zu verraten. Ebenfalls veröffentlichte AaS ein 24-stündiges Ultimatum, was die Freilassung der Gefangenen vorieht.

Daraus resultierend publizierte JaA ebenfalls ein Statement welches wiederum AaS vorwirft, mehrere JaA-Kämpfer zu entführen und damit die wichtige Offensive in Nordhama zu unterbrechen, wo JaA die Speerspitze bildet. Die Zeichen standen also – erneut – auf eine höchstmögliche Eskalation beider Fraktionen, beide warfen sich gegenseitig die Entführung von Mitgliedern vor, JaA griff mehrere Basen an. Auch die verzweifelten Versuche von verschiedenen Schariakomitees eine Schlichtung zu vollführen waren nicht von Erfolg geprägt. Alle Zeichen deuteten auf Krieg.

Die quantitativ und qualitativ unterlegene JaA (eine eher mittelgroße Oppositionsgruppe) konnte zu Beginn bis auf einige weitere Entführungen (z.B. in Kafr Sajna oder al-Tulaysiyah ), Ermordungen von einigen Kommandanten der AaS (zweitgrößte Oppositionsgruppe) und kleineren Scharmützeln vor AaS-Basen keine besonderen Erfolge verzeichnen, sie wurde nach einigen Tagen in Marat al-Numan, Al-Hamdaniya, Jarjanaz, Sarmada, Al-Mastouma, Kafrouma und Sarmin zurückgedrängt. Die Unterlegenheit konnte JaA aber mit ihren Radikalismus wett machen: Als Reaktion darauf entführte man weitere AaS-Mitglieder in Kafrsejna, Maarzita, Saraqib, Kafrsejna und verursachte angeblich ein Massaker vor einem Krankenhaus in der Hama-Provinz: Über 30 Kämpfer von Ahrar al-Sham sollen dabei ermordet worden sein. JaA konzentrierte sich danach eher auf das Zentrum von Idlib, zog sich aus weniger relevanten Positionen wie in Sukayk & Saraqib zurück.

Aus anfänglichen Verlusten wurden durchaus auch Erfolge, so wurde der AaS-Kommandant der Hama-Region Abu Abdullah bei einem Überfall in Jabal Zawiyah (Idlib) getötet, Abo Osama Jedraya als Anführer des „Abo Talha al-Ansari Battalion“ in Adlin und Ali Hilal al-Ahmad in Saraqib ermordet, alles dank Schläferzellen und Unterstützung in besonders radikalen Teilen der Opposition. Verschiedene Checkpoints wie in Kafranabel oder al-Tulaysiyah wurden erobert. Dennoch gab es am selben Tag auch Rückschritte, so wurde der Anführer des „Ja’far al-Tayyar Battalion“ Mohamad Abo Hashem in Miri festgenommen. Ebenfalls fand AaS mehrere gestohlene Kunstschätze in einigen JaA-Basen. Auch hatte man Desertationen sowohl nach Jaysh al-Fateh (z.B. vom Pressesprecher der Gruppe Abu Abdullah) als auch angeblich von 75 bis 100 Kämpfern nach Daesh zu beklagen; immerhin war JaA weiterhin die Gruppierung mit einem höchstmöglich radikalen Profil und den guten Verbindungen zu Daesh, wie bereits ähnlich hier niedergeschrieben wurde. Außerdem erhöhte sich ebenfalls der Druck von Seiten der Regierung, in der Zwischenzeit organisierte sich die Syrisch-Arabische Armee (SAA) neu und konnten mithilfe der Tiger Forces eine Gegenoffensive einleiten und dabei verschiedene Dörfer im Osten einnehmen, darunter Ma’an oder Kawkab, worunter auch einige JaA-Kommandanten wie Hanan Abo al-Leith starben.

Letzten Endes war der entschiedene Faktor dennoch die verschiedenen Oppositionsgruppen und deren Umgang mit dem Konflikt; von den bereits angesprochenen Schariakomitees gab es ebenfalls auch einige Zivilgruppen und weitere militärische Fraktionen die sich alle recht einseitig auf Seiten von Ahrar al-Sham stellten. Jabhat Fateh al-Sham (JFS) aka al-Nusra als dominierende Macht agierte in dem Falle als objektiver Vermittler beider Rollen, verschiedene Schariakomitees  (besonders die mit Einfluss von AaS) riefen eine „Fatwa“ gegenüber JaA aus. Verschiedene Gruppen organisierten Proteste der „Bevölkerung“ gegen die inneren Grabenkämpfe.

Die restlichen Oppositionsparteien involvierten sich recht schnell, Faylaq al-Sham13th Division halfen AaS bei Angriffen in Saraqib. Weitere Gruppen wie Jaysh al-Tahrir, Suqor al-Sham (welche wiederum später von JFS in Ariha angegriffen wurden dafür), Fastaqem Kama Umirt,  Jaish al-Mujahideen, das zweitgrößte Aleppo-Bündnis Fateh Halab und 15 weitere Oppositionsgruppen (u.a. al-Zenki, Jaish al-Islam, Faylaq al-Sham) stellten sich offiziell in der Angelegenheit auf der Seite von Ahrar al-Sham.

Nachdem also die Kräfteverhältnisse für alle beteiligten Seiten offensichtlich waren und JaA in ihrer letzten großen Bastion in Idlib (Sarmin) von Ahrar al-Sham belagert wurde kam es zu einer interessanten Entwicklung, die den Kreis der Entwicklung von Jund al-Aqsa erneut schließt: JaA  schwor als letzten Ausweg seine Treue zu JFS, der Gruppe wo sie sich vor rund 3 Jahren losgelöst haben. Dem Treueeid (Bay’ah) sollen rund die Hälfte der ehemaligen Größe (geschätzte ~1.600 Kämpfer) gefolgt sein. Als Reaktion darauf veröffentlichte angeblich Ahrar al-Sham ein Pressestatement welches diesem Deal zustimmt, solange man nun aufhöre Daesh-Schläferzellen zu unterstützen und „Kriminelle“ an die jeweiligen Schariagerichte übergebe.

Die Au­then­ti­zi­tät dieses Papiers wird aber angezweifelt, es soll sich maximal nur um ein Positionspapier niedrigerer Kommandanten handeln. Pressesprecher von Ahrar al-Sham Abo Yusuf al-Muhajir sagte hingegen dass man diesen „Bay’ah“ nicht akzeptieren werde und weiterhin entschlossen gegen JaA kämpfen wird. Weiterhin sagten auch weitere Gruppen, dass es sich hierbei um einen „Verrat“ von JFS handelt und man diese Verhandlungen nicht akzeptieren wird. Kurz danach attackierte AaS in Sarmin, Hish & al-Nayrab. Die Beziehungen schienen sich zu verschlechtern, als man erneut einen Diplomatieversuch unter der Obhut von JFS startete. Es kam zu gegenseitigen Zugeständnissen: JFS beteuerte dass es bei dem Treueschwur nur um Mitglieder handelt die nicht aktiv an den Kämpfen teilnehmen (ergo nicht die gesamte Gruppierung) und dafür es zu gegenseitigen Entlassung von Gefangenen kommt. 2 Tage später wurden auch 57 Gefangene gegenseitig ausgetauscht/entlassen.

Nachdem scheint sich die Situation wieder abgekühlt zu haben, es kommt angeblich weiterhin zu sporadischen Plänkeleien in Idlib, Diese sollten sich aber schnell von selber auflösen. Dieser Konflikt war wohl nicht nur die größte Eskalation zwischen Ahrar al-Sham & Jund al-Aqsa, sondern auch stärkstes Überbleibsel von der Bewertung vom Umgang mit Daesh, nachdem Daesh sich 2013 unabhängig erklärt hatte. Während Jund al-Aqsa sie weiterhin als ideologischen Verbündeten ansehen, sieht der Rest der Opposition sie weiterhin als machtpolitischen Gegner trotz fehlender, ideologischer Differenzen.  Außerdem war es auch eine Zerreißprobe für die Beziehungen zwischen Ahrar al-Sham und Jabhat Fateh al-Sham, die größten Gruppen und Mitglieder im größten Oppositionsbündnis Jaysh al-Fateh. Eine für ehemalig gar nicht unwahrscheinlich gehaltene Fusion beider Gruppen rückt dadurch in die Ferne. Größer Nutznießer kurz- und langfristig wird die syrische Regierung sein. Und ein Einblick auf ein Nachkriegssyrien, wo die Opposition gewinnen würde.

 

Die Legende des al-Kindi-Krankenhaus wird wiedergeboren

Es benötigte nur 2 Selbstmordattentäter um das älteste öffentliche Krankenhaus in ganz Syrien zu zerstören. Und dabei eine Legende zu erschaffen, die wohl zu den Unbekanntesten aber zugleich Ruhmreichsten im Syrischen Konflikt gehört. 

Es ist ein altes und dem Plattenbau ähnlich wirkendes Gebäude. Man könnte schnell erahnen, dass das Gebäude in einer sozialistischen Ära erschaffen wurde, nämlich zu Zeiten der panarabischen Union unter Gamal Abdel-Nasser, der Vereinigten Arabischen Republik. Damals wurde es als Krankenhaus für die Tuberkolosebekämpfung aufgebaut, 250 Ärzte und 650 weiteres Krankenpersonal soll das Hospital einst gezählt haben, es befand sich auf einem kleinen Hügel nördlich der Stadt Aleppo, neben dem Handarat-Viertel, seinerzeit nur ein improvisiertes Flüchtlingslager für Palästinenser.

Jahrzehnte später startete der Syrische Bürgerkrieg, mitten in den Stürmen und Umbrüchen einer Revolution stand die Stadt Aleppo wie jede andere Großstadt in Syrien stolz hinter der syrischen Regierung. Dies änderte sich 2012. Als verschiedene Oppositionsgruppen zwischen der  FSA, al-Nusra und der damals verbündeten ISIL (heute IS) gemeinsam eine Offensive auf die Stadt von der Provinz aus starteten. Sie hatte das Ziel die „Revolution nach Aleppo zu bringen“. Diese Großoffensive startete von al-Bab und Azaz aus, Städten nördlich von Aleppo. Die Hauptbewegung kämpfte sich durch dieses ebendieses Handarat-Lager, Sheikh Maqsoud, Sheikh Najjr- und dem Owaija-Industriebezirk.

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Situation in Aleppo 2013

Ironischerweise hielt diesem Ansturm gerade ein kleiner Kessel um das al-Kindi-Krankenhaus und dem nördlich gelegenen Zentralgefängnis aus, im Mittelpunkt der Offensive. Geschätzte 100 Mann hielten mehrere Versuche der Opposition aus, das Krankenhaus zu stürmen. Unter geschätzten 400 Toten und unzähligen Materialverlusten schien die Geduld langsam zu schwinden. In der selben Zeit versuchte der damals unbekannte Suleil al-Hassan mit seinen „Tiger Forces“ sich durch das Najjr-Industrieviertel in Richtung des Kessels durchzuschlagen. Er konnte Erfolge verbuchen, die Zeit aber spielte gegen ihn.

„Die, die das Krankenhaus angegriffen, zerstört und geplündert haben, waren einst Patienten die physisch geheilt, aber mit kränklichen Geist entlassen worden.“ -Tarek al-Mualem, einst Arzt in al-Kindi

Im Dezember 2013 bildeten Ahrar al-Sham, Islamische Front, Liwa al-Thawid, al-Nusra, al-Fajr und ISIL ein gemeinsames Kommandozentrum, getauft „Ein Herz“ um den Zusammenhalt und das gemeinsame Ziel auszudrücken. Die verbliebenen 70 Soldaten in einer inzwischen nicht mehr als Gebäude anzusehenen Ruine verteidigten sich 16 Tage tapfer bis die radikalislamistische Opposition ihre Wunderwaffe anwandte die bis heute einen enormen Erfolg verbucht: SVBIEDs. Diese mit mehreren Tonnen Sprengstoff besetzte, vollgepanzerte Autos mit einem indoktrinierten, zumeist ausländischen Fahrer waren berüchtigt dafür, die Positionen an der Front zu durchbrechen und einen möglichen Angriffspunkt zu erschaffen.

Nun folgten 2 SVBIEDs mit jeweils rund 20 Tonnen Sprengstoff geladen auf ihr Ziel, das Krankenhaus, darunter ein ägyptischer Fahrer namens Abu Marwan al-Halabi. Der Übermacht konnte aber nichts entgegen gesetzt werden, am 20. Dezember wurde das Krankenhaus vollständig durch die Opposition erobert, dank Selbstmordattentätern.  Die Meisten starben heroisch im Gefecht, darunter auch der Reuters-Journalist Molhem Barakat und sein Bruder. 16 Soldaten hatten hingegen kein Glück, sie wurden gefilmt, gefangen genommen, denunziert und danach im März 2014 massakriert durch al-Nusra. Die restlichen FSA-Battallione standen teilnahmslos daneben bei der Exekution.

Ihr Tod hat zu Einer der ersten Legenden im Konflikt geführt, ein Symbol der Standhaftigkeit, Stolz und des Mutes gegen den Terrorismus und Islamismus in Syrien. Ein Märtyrertum, welches in Syrien hohe Anerkennung genießt.

am 2. Oktober 2016 wurden die Ruinen des ehemaligen al-Kindi-Krankenhauses durch die Syrisch-Arabische Armee und Liwa al-Quds zurückerobert.

Todenhöfer interviewte kein Mitglied von al-Nusra

Der Journalist Jürgen Todenhöfer ist berühmt für seine investigativen Interviews im Nahen Osten, sei es mitten im von Daesh beherrschten Raqqa oder für Journalisten unzugängliche Gebiete im Irak. Nun soll ihn ein neuer Coup gelungen sein: Ein Interview mit einem Kommandanten der „Jabhat Fateh al-Sham“ (JFS), früher bekannt als syrischer al-Qaida-Ableger „al-Nusra“ mitten im belagerten Ostaleppo. Doch inzwischen verdichten sich die Beweise, dass Todenhöfer weder im von der Opposition gehaltenen Aleppo war, geschweige einen JFS-Kommandanten interviewte, sondern sich mitten in den von der Regierung gehaltenen Teile von Aleppo befand.

 

Der Anfang macht das Ende des Videos, es zeigt den simpelsten visuellen Eindruck vom Standort des Interviews. Die letzten 10 Sekunden zeigen höchst wahrscheinlich die Abreise vom Schauplatz des Geschehens. Es ist klar ersichtlich dass das Auto sich auf dieser Straße südwärts in Richtung des militärischen „Haraybel-Checkpoints“ bewegt. Dieser Checkpoint hat eine leicht zu identifizierbare Struktur, wie man z.B. klar ersichtlich in diesem Video von einer normalen Perspektive erblicken kann. Hier nun der einfache Vergleich eines Screenshots vom Video:

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 Aus der Fahrtrichtung und der Position zu entnehmen befindet sich der nächste Steinbruch direkt nördlich, auch bekannt als Ayn as-Safeer-Steinbruch. Die ersten 25 Sekunden des Videos genügen um zu erkennen von welcher Position des Steinbruchs die Kameraufnahmen gedreht wurden:
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Um nochmal sicherzugehen wurde ein ähnliches Bild von der Fahrt (in dem Steinbruch) und dem Versteck genommen:
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Das wichtige Detail was bis jetzt nicht erwähnt wurde: Dieser Steinbruch ist seit Monaten in Hand der Syrisch-Arabischen Armee bzw. der syrischen Regierung. Während sich der Steinbruch zwar sehr nahe den Frontlinien in Südaleppo befindet, zeigen Satellitenaufnahmen eindeutig die zivile Nutzung dortiger Straßen und landwirtschaftlicher Nutzung des Gebietes. Insofern scheint entweder kein Interesse an dem Beschuss dort zu liegen, oder die Frontlinien befinden sich weiter entfernt. Möglicherweise ist die militärische Priorität dort auch unsagbar gering, gerade in Zeiten der Belagerung gibt es relevantere Positionen.
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Position des Steinbruches in Aleppo

Zusammenfassung: Bereits der Standort des Interviews lässt die Chance auf ein wirklich authentisches Gespräch zu einem JFS-Kommandaten als verschwindend geringen erscheinen. Dennoch gibt es durchaus weitere Aspekte die gegen Todenhöfer’s Behauptung sprechen.

 

Ein populäres Argument welches gegen die Thesen des Interviews sprechen ist der Goldring des JFS-Kommandaten „Abu al-Ezz“. Goldschmuck gilt nach streng orthodox-islamischer Lehre als absolut verboten. Wieso sollte also ein Islamist des JFS mit klaren Verbindungen zu al-Qaida solchen Schmuck tragen? Nun, zwei wichtige Faktoren werden dort außer Acht gelassen: Einerseits sind Goldringe in Syrien bei Männern ein absolut normales und beliebtes Accessoire, insofern auch von eher konservativeren Personen getragen wird. Andererseits ist das Tragen von Goldringen durch Islamisten tatsächlich nichts Seltenes: Bereits Osama bin Laden trug sehr gerne einen Goldring und weiteren Schmuck.

 

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Auch die offizielle „Medienabteilung“ für Fateh al-Sham behauptet niemals ein Interview mit einem deutschen Journalisten geführt zu haben. Relevant ist dabei zu erwähnen, dass JFS offizielle englische Vertreter besitzt die eigentlich derartige Medienangelegenheiten wie z.B. Interviews regeln. Dass sich ein Kommandant zufällig aufgrund von guten Beziehungen von Todenhöfer für ein Interview bereit erklärt hat ist nicht unmöglich, angesichts der sonstigen Handhabung aber recht unwahrscheinlich.

Weiterhin könnte man auch diverse Aussagen innerhalb des Gespräches als äußerst dubios bezeichnen. Während noch vor einigen Wochen JFS in einem Positionspapier Russland und die USA als Verbündete und zwei Seiten der selben Medaille bezeichnet hatte, müsste sich die Ansicht um 180° gedreht haben, was doch aufgrund der Feindschaft und vereinzelter Luftangriffe auf JFS durch die USA als sehr unwahrscheinlich erscheint. Auch ist die Behauptung von ausländischen Ausbildern & Experten zur Unterstützung von islamistischen Kräften eher eine propagandistische Erfindung des Irans, als dass es tatsächlich dafür konkrete Beweise gibt. Ebenfalls würde niemals eine islamistische Gruppierung derart öffentlich ihre Beziehungen zum Westen/USA preisgeben, die USA gilt der Opposition als gemeinsamer Feind, man erfreut sich aber natürlich an amerikanischer Ausrüstung, hinterrücks aber machen die Gruppen keinen Hehl aus ihrer antiamerikanischen Rhetorik.

 

Letzten Endes kann man wohl zusammenfassen, dass die Wahrscheinlichkeit eines verifizierten, authentischen Gespräches zwischen Todenhöfer & JFS sehr unwahrscheinlich ist, wie ebenfalls die zahlreichen Beweise zeigen. Die konkretere Frage sollte also dementsprechend lauten: Wurde Todenhöfer angelogen oder wollte er uns anlügen?

Oppositionsgruppen die die Waffenruhe öffentlich ablehnen

Die 2. russisch-amerikanische Waffenruhe scheint bis auf einige Fronten durchaus erfolgreich zu sein und zumindest die Kämpfe momentan auf ein Mindestmaß reduziert zu haben. Nichtsdestotrotz lehnen einige FSA-Gruppierungen und Islamisten die Waffenruhe ab, primär aus den Grund dass man sich nicht von al-Qaida/al-Nusra/Fateh al-Sham „abkoppeln“ möchte und sie weiterhin als einen Teil der „Revolution“ angesehen werden. Dementsprechend wird die Waffenruhe auch zumeist als konspirative Verschwörung angesehen, wo Russland & die USA einen Keil zwischen der vereinten Islamfront schieben wollen.

Folgende Gruppen lehnen momentan die Waffenruhe ab:

  • Faylaq al-Sham (ebenfalls in der türkischen Offensive aktiv)
  • Harakat Nour al-Din al-Zenki (große Gruppe in der Aleppo-Provinz, bekannt für die Köpfung eines Kindes)

  • Fastaqim al-Sham
  • Ajnad al-Sham (in Nordhama aktiv)
  • Division 101 (FSA)
  • 13th Division (FSA, auch bekannt für ihre Zusammenarbeit mit al-Nusra)
  • Faylaq al-Homs (in Homskessel aktiv, mehrmals bereits Dörfer (z.B. Tansin, Kafr Nan) in der Waffenruhe angegriffen)
  • Ansar al Islam
  • 1st Division (FSA)
  • Liwa al-Fateh (in der türkischen Offensive aktiv)
  • Northern Division (FSA)
  • Levant Front (aka al-Shamiyah, in Ostaleppo aktiv)
  • Bader 313 Battalion
  • Safwat al Islamiya
  • Authenticity and Development Front (unklar ob FSA, aus ihr entsprang die Neue Syrische Armee)
  • Jaysh al-Nasr (in Nordhama aktiv)
  • Jaysh al-Tahrir (FSA, auch in Ostaleppo aktiv)
  • Central Division (FSA)
  • Liwa’ Suqour al Jabal (aka Mountain Hawks Brigade, FSA)
  • Jaish al Farouq
  • Jaysh al-Islam (drittgrößte Oppositionsgruppe)
  • Ahrar al-Sham (zweitgrößte Oppositionsgruppe, genießt große materielle Unterstützung aus dem Ausland)
  • Jabhat Fateh al-Sham (JFS) (logischerweise, da die Waffenruhe auf sie abzielt; größte Oppositionsgruppe)
  • „Revolutionaries of Aleppo“ (FSA, der Name war nur die Unterschrift der Unterzeichner in Ostaleppo, eine derartige Gruppe mit dem Namen existiert nicht)

Gruppen deren Position derzeit unklar ist/kein offizielles Statement existiert:

  • Jund al-Aqsa (enge Beziehungen zu al-Qaida/JFS, sind derzeit weiterhin an der Offensive in Nordhama beteiligt, insofern scheint eine Beteiligung unwahrscheinlich)
  • Islamische Front (Oppositionsbündnis welches von Ahrar al-Sham dominiert wird; unbekannt ob die restlichen Gruppen sich an Ahrar al-Sham halten)
  • Jaysh al-Fateh (größtes Oppositionsbündnis wo JFS und Ahrar al-Sham dominieren. Da sie alleine durch die Bündniszugehörigkeit mit JFS vernetzt sind erscheint die Unterstützung der Waffenruhe unwahrscheinlich)
  • Southern Front (FSA, starteten in der Waffenruhe eine Offensive an Seite von JFS in Quneitra)
  • Fajr Tahwid (FSA, starteten in der Waffenruhe eine Offensive an Seite von JFS in Quneitra)
  • Forsan Jolan (FSA, starteten in der Waffenruhe eine Offensive an Seite von JFS in Quneitra)
  • Liwa Ahrar Jabata (FSA, starteten in der Waffenruhe eine Offensive an Seite von JFS in Quneitra)
  • Jabhat Ansar al-Sham (FSA, starteten in der Waffenruhe eine Offensive an Seite von JFS in Quneitra)
  • al-Forqan (FSA, starteten in der Waffenruhe eine Offensive an Seite von JFS in Quneitra)
  • Sayf al-Sham (FSA, starteten in der Waffenruhe eine Offensive an Seite von JFS in Quneitra)
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Farouq Statement

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Fateh al-Sham Statement

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Ahrar al-Sham Statement

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21 Gruppen lehnen die Waffenruhe ab

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„Revolutionaries of Aleppo“ lehnen die Waffenruhe ab