Verhandlungsführer von Islamisten umgebracht

In Wadi Barada im Westen der Provinz Rif Dimashq ereignete sich ein Ereignis, welches den Friedensprozess schlagartig stoppen könnte: Der ehemalige syrische General und heutiger Koordinator für einen Frieden Ahmad Ghadban in Wadi Barada wurde von Islamisten ermordet.

C2J_LkvWIAAupqP.jpg

Ahmad Ghadban

Ahmad Ghadban stammte aus Ain al-Fajieh, einem der Orte, die sich derzeit unter der Kontrolle von oppositionellen Kämpfern befindet und die gleichnamige Wasserquelle besitzt, die in Damaskus & Umgebung 4-6 Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgt. Er und seine Familie sind in der Region respektiert, nachdem man bis 2004 eine erfolgreiche militärische Karriere hinlegte und danach staatliche Aufgaben als Mitglied der Ba’ath-Partei übernahm. Aufgrund der Reputation auf beiden Seiten wurde er zum Chefkoordinator für die dort neu initiierte Waffenruhe ernannt, für die er sich auch besonders einsetzte. Teil dieser Waffenruhe ist auch die Reparatur der Wasserquelle durch Reparaturteams, die aber nach der Ermordung Ahmads zurückgezogen wurden.

Laut einigen Quellen soll der Attentäter Verbindungen zu Jabhat Fateh al-Sham aufweisen, der mehrmals auf sein Auto geschossen hatte. Der syrische Energieminister war zu dem Zeitpunkt auch präsent. Der Angreifer soll festgenommen worden sein. Die Opposition behauptet hingegen, dass Ahmad von der Hisbollah umgebracht wurde.

Russland verkündet 8-stündige Waffenruhe für Ostaleppo

Das russische Verteidigungsministerium verkündete am Montag, eine unilaterale Waffenruhe für den 20. Oktober auszurufen, die insgesamt 8 Stunden anhalten soll und sowohl Zivilisten als auch Oppositionskämpfern die Möglichkeit bietet aus Ostaleppo durch die verschiedenen Fluchtkorridore zu entkommen.

Der russische Offizier Sergei Rudskoi bezeichnet diese Waffenruhe als „humanitäre Pause“, um sowohl Zivilisten als auch Verletzte und Kranken eine Option zu ermöglichen, aus dem Kriegsgebiet zu fliehen.

Ein möglicher Erfolg erscheint alleine aufgrund des unilateralen Aufbaus sehr unwahrscheinlich, der Großteil der Zivilbevölkerung wird weiterhin als „Geiseln“ für die islamistische Opposition in Ostaleppo missbraucht. Primär wird es sich um einen PR-Versuch handeln, Russland als humanitären Helfer zu inszenieren.

Syrische Regierung erklärt die Beendigung der Waffenruhe

Die syrische Regierung und das Generalkommando der Syrisch-Arabischen Armee veröffentlichten eine Pressemitteilung, die die Aufhebung der 2. russisch-amerikanischen Waffenruhe am 19.9.16 um 19 Uhr Ortszeit verkündet. Damit endet die Waffenruhe auch de jure nach 7 Tagen; dem Zeitpunkt wo nach Vereinbarung eigentlich die amerikanische und russische Luftwaffe eine gemeinsame Kommunikationszentrale aufgestellt hätten, um gemeinsam gegen Fateh al-Sham (JFS) und seine Verbündeten vorzugehen.

Als primäre Gründe wird einerseits die Verletzung der Waffenruhe in über 300 Fällen, die fehlende „Abkoppelung“ der Opposition gegenüber Fateh al-Sham wie es von der Waffenruhe geplant war, das fehlende Engagement der USA und die weiterhin anthaldeten Offensiven in Aleppo, Quneitra und Hama durch Islamisten genannt.

CsudEZIVYAAXzL2.jpg

Statement

 

Eine von „oben“ imitierte Waffenruhe war ohnehin zum scheitern verurteilt, weder die USA geschweige der Westen besitzt einen genügend großen Einfluss um die Opposition dazu bewegen zu können, die Waffenruhe einhalten zu können/wollen. Wie die letzte UN-Waffenruhe gezeigt hatte führte dies zu inneren Spannungen und Kämpfen, z.B. zwischen (damals) al-Nusra und der 13th Division (FSA). Da bereits von allen möglichen Oppositionsgruppierungen klar gemacht wurde, dass al-Qaida-Gruppen wie Fateh al-Sham (oder Ahrar al-Sham, TIP, Jund al-Aqsa usw.) ein integraler Teil der „Revolution“ ist, erfüllte die Opposition ebenfalls nie die Erfüllung der Pläne, sich von al-Nusra genügend zu entfernen. Ohnehin würde eine Opposition ohne Islamisten wie Jaysh al-Fateh, Ahrar al-Sham, Fateh al-Sham etc. als äußerst schwach und labil erscheinen.

 

 

Oppositionsgruppen die die Waffenruhe öffentlich ablehnen

Die 2. russisch-amerikanische Waffenruhe scheint bis auf einige Fronten durchaus erfolgreich zu sein und zumindest die Kämpfe momentan auf ein Mindestmaß reduziert zu haben. Nichtsdestotrotz lehnen einige FSA-Gruppierungen und Islamisten die Waffenruhe ab, primär aus den Grund dass man sich nicht von al-Qaida/al-Nusra/Fateh al-Sham „abkoppeln“ möchte und sie weiterhin als einen Teil der „Revolution“ angesehen werden. Dementsprechend wird die Waffenruhe auch zumeist als konspirative Verschwörung angesehen, wo Russland & die USA einen Keil zwischen der vereinten Islamfront schieben wollen.

Folgende Gruppen lehnen momentan die Waffenruhe ab:

  • Faylaq al-Sham (ebenfalls in der türkischen Offensive aktiv)
  • Harakat Nour al-Din al-Zenki (große Gruppe in der Aleppo-Provinz, bekannt für die Köpfung eines Kindes)

  • Fastaqim al-Sham
  • Ajnad al-Sham (in Nordhama aktiv)
  • Division 101 (FSA)
  • 13th Division (FSA, auch bekannt für ihre Zusammenarbeit mit al-Nusra)
  • Faylaq al-Homs (in Homskessel aktiv, mehrmals bereits Dörfer (z.B. Tansin, Kafr Nan) in der Waffenruhe angegriffen)
  • Ansar al Islam
  • 1st Division (FSA)
  • Liwa al-Fateh (in der türkischen Offensive aktiv)
  • Northern Division (FSA)
  • Levant Front (aka al-Shamiyah, in Ostaleppo aktiv)
  • Bader 313 Battalion
  • Safwat al Islamiya
  • Authenticity and Development Front (unklar ob FSA, aus ihr entsprang die Neue Syrische Armee)
  • Jaysh al-Nasr (in Nordhama aktiv)
  • Jaysh al-Tahrir (FSA, auch in Ostaleppo aktiv)
  • Central Division (FSA)
  • Liwa’ Suqour al Jabal (aka Mountain Hawks Brigade, FSA)
  • Jaish al Farouq
  • Jaysh al-Islam (drittgrößte Oppositionsgruppe)
  • Ahrar al-Sham (zweitgrößte Oppositionsgruppe, genießt große materielle Unterstützung aus dem Ausland)
  • Jabhat Fateh al-Sham (JFS) (logischerweise, da die Waffenruhe auf sie abzielt; größte Oppositionsgruppe)
  • „Revolutionaries of Aleppo“ (FSA, der Name war nur die Unterschrift der Unterzeichner in Ostaleppo, eine derartige Gruppe mit dem Namen existiert nicht)

Gruppen deren Position derzeit unklar ist/kein offizielles Statement existiert:

  • Jund al-Aqsa (enge Beziehungen zu al-Qaida/JFS, sind derzeit weiterhin an der Offensive in Nordhama beteiligt, insofern scheint eine Beteiligung unwahrscheinlich)
  • Islamische Front (Oppositionsbündnis welches von Ahrar al-Sham dominiert wird; unbekannt ob die restlichen Gruppen sich an Ahrar al-Sham halten)
  • Jaysh al-Fateh (größtes Oppositionsbündnis wo JFS und Ahrar al-Sham dominieren. Da sie alleine durch die Bündniszugehörigkeit mit JFS vernetzt sind erscheint die Unterstützung der Waffenruhe unwahrscheinlich)
  • Southern Front (FSA, starteten in der Waffenruhe eine Offensive an Seite von JFS in Quneitra)
  • Fajr Tahwid (FSA, starteten in der Waffenruhe eine Offensive an Seite von JFS in Quneitra)
  • Forsan Jolan (FSA, starteten in der Waffenruhe eine Offensive an Seite von JFS in Quneitra)
  • Liwa Ahrar Jabata (FSA, starteten in der Waffenruhe eine Offensive an Seite von JFS in Quneitra)
  • Jabhat Ansar al-Sham (FSA, starteten in der Waffenruhe eine Offensive an Seite von JFS in Quneitra)
  • al-Forqan (FSA, starteten in der Waffenruhe eine Offensive an Seite von JFS in Quneitra)
  • Sayf al-Sham (FSA, starteten in der Waffenruhe eine Offensive an Seite von JFS in Quneitra)
CsPR1nbWEAEyO0q.jpg

Farouq Statement

CsO_2XoWEAABZdd.jpg

Fateh al-Sham Statement

CsLcrPiXgAEoyvy.jpg

Ahrar al-Sham Statement

CsLcg1GWcAE5fFz.jpg

21 Gruppen lehnen die Waffenruhe ab

CsDqMteWYAAlCrR.jpg

„Revolutionaries of Aleppo“ lehnen die Waffenruhe ab