Türkei bombardiert kurdische Stellungen im Irak & Syrien

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Überreste einer Basis bei Shinqal

Die türkische Armee hat mehrere Stellungen der kurdischen YPG/YBS im Norden Syriens und im Irak mit Luftschlägen angegriffen. Dabei sollen bisher mindestens 20 Menschen gestorben sein, darunter auch eine unbekannte Anzahl an Zivilisten. Die am Dienstagmorgen getroffenen Gebiete befinden sich insgesamt in der Sinjar-Region, angegriffen wurden die Stellungen „Dari Gali Karse“ auf dem Berg Shingal im Irak und der Berg Karachok nahe der Stadt Derik in Syrien. Dabei sollen auch fünf Peschmerga-Kämpfer getötet worden sein, die als militärischer Flügel der KDP ein Verbündeter der Türkei bzw. Erdogans ist.

Das türkische Militär bestätigte, am frühen Dienstagmorgen Luftangriffe gegen die PKK „und die Verlängerungen dieser Organisation in Syrien und im Irak“ geflogen zu haben. Ziel sei die „Zerstörung dieser Terrornester“ in Nordostsyrien und im Nordirak gewesen. Mit den Einsätzen solle verhindert werden, dass kurdische Rebellen, Waffen, Munition und Sprengsätze aus diesen Gebieten in die Türkei gelangen, teilte das Militär mit.

Die Angriffe entstehen zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt, Sinjar im Irak befindet sich derzeit an den aktivsten Frontlinien des IS im Irak, es kommt regelmäßig zu Ausbruchsversuchen aus dem belagerten Tel Afar und der restlichen Nirnaveh-Provinz. In Syrien hingegen ist die YPG/SDF derzeitig in einer Offensive gegen den IS um Raqqah beschäftigt, die Angriffe gleichen damit einem „Stoß in den Rücken“. Es gab bereits in letzter Zeit Gerüchte über eine kommende Offensive der türkischen Armee gegen die YPG in der Grenzregion um Tel Abyad.

Russland errichtet Militärbasis im Kurdengebiet

 

 

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Russische Soldaten in Afrin

Ein Pressesprecher der YPG veröffentlichte am Montag die Mitteilung, dass Russland in Kooperation mit der YPG/SDF im Afrin-Kanton im Nordwesten Syriens eine militärisch-zivile Basis errichten wird, die vor allem zum Training der dortigen Kämpfer dient. Diese Basis soll dafür in Qatmah entstehen. Genauere Planungen sind jedoch unbekannt, ein rein ziviler Nutzen für eine bessere Zusammenarbeit zwischen militärischen und zivilen Autoritäten ist nicht auszuschließen. Russische Truppen sollen bereits vor Ort sein.

Insgesamt besitzt die Aktion verschiedene Auswirkungen, z.B. wird damit ein ohnehin nicht existenter Einfluss der USA, im Gegensatz zu den restlichen Kantonen, erfolgreich (präventiv) verhindert. Das Afrin-Kanton erwies sich bereits in der Vergangenheit als sehr enger Verbündeter der syrischen Regierung im Kampf gegen die syrische Opposition, z.B. begann man Anfang 2016 gemeinsam eine Offensive im Norden der Provinz Aleppo, um die belagerten, schiitischen Städte Nubl und Zahraa zu befreien. Am Ende standen einzelne Verhandlungen über verschiedene Ortschaften, so wurden einige Städte an die YPG übergeben.

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Gehaltenes Territorium der türkisch-syrischen Operation „Euphrates Shield“

Besonders entscheidend ist aber ebenfalls der Faktor, dass damit die türkisch dominierte Operation „Euphrates Shield“ völlig eingekreist werden könnte. Während im Süden die Syrisch-Arabische Armee sitzt, deckt die SDF/YPG alle Gebiete westlich und östlich ab. Im Osten um Manbij übergab die SDF bereits mehrere Dörfer an Russland und die Syrisch-Arabische Armee, um ihre eigene Front gegen Euphrates Shield zu verkleinern bzw. wirksam weitere Kämpfe zu verhindern. Im Westen scheint nun in gewisser Weise das Selbe zu geschehen, die Türkei hat nun keine Möglichkeit mehr sich weiter zu expandieren ohne eine Eskalation mit weiteren Fraktionen (sprich: Russland und die syrische Regierung) zu riskieren.

SDF verkündet Raqqah-Offensive

Am 6. November verkündete die SDF in einer Pressekonferenz den Beginn der Raqqah-Offensive mit dem Ziel, die Großstadt und faktische Hauptstadt des Daesh im Norden Syriens einzunehmen. Die „Zorn des Euphrat“ genannte Operation soll insgesamt 30.000 Soldaten der SDF/YPG zählen, nach eigenen Angaben sind die meisten Kämpfer aus der Region von Raqqah (z.B. sind auch eigene Gruppen wie Liwa Thuwar Raqqa nur aus diesem Grund existent).

Die Offensive genießt die Unterstützung der Internationalen „Anti-IS-Koalition“, sprich neben einer größeren Luftunterstützung wird es auch Unterstützung durch westliche Bodentruppen wie z.B. von der USA, Frankreich und gerüchterweise Deutschlands auch geben. Die Türkei wird diese Operation mit Argwohn betrachten, sowohl schloss die Türkei einen Angriff der YPG auf Raqqah kategorisch aus und hatte bereits in den letzten Wochen verstärkt Kriegsgerät an die Grenze zum Irak und Syrien geschafft. Die Türkei wird insofern wahrscheinlich nicht ruhig daneben sitzen und verstärkt gegen Gebiete der SDF vorgehen. Ein eindeutiges Zeichen wurde aber von der USA gesetzt, sie ziehen die SDF dem NATO-Verbündeten Türkei vor.

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Situation um al-Raqqah, Gelb: SDF

Raqqah war vormals wie jede Großstadt eine „Hochburg“ der Regierung, wurde aber aufgrund kleiner Garnison von nicht mal 400 Soldaten von der FSA verbündet mit dem damaligen Islamischen Staat im Levante (ISIL) überrannt. Nachschubmangel und die Inkompetenz der SAA-Generäle spielten dabei auch eine Rolle. Aufgrund des prestigeprächtigen Symboles und arabischen Bedeutung des Ortes wird diese Offensive ebenfalls von der syrischen Regierung wohl negativ angesehen werden, die Eroberung des Ortes bringt nicht nur internationale Presse sondern würde der SDF als eigenständiges Staatssubjekt gewisse Legitimation verleihen.

Türkische Armee attackiert Zivilisten in Kobane – Tote

Nachdem die türkische Armee auf 20 Meter in das syrische Territorium nahe Kobane eingedrungen ist,mit dem Ziel eine große Mauer/Schutzwall an der syrischen Grenze zu errichten, kam es zu Demonstrationen und Ausschreitungen der dortigen Bevölkerung.

Berichten zufolge kam es bis zu dem momentanen Zeitpunkt zu einem Toten und weiteren 80 Verletzten, wovon knapp 20 sich in kritischen Zustand befinden. Die Verletzungen sind höchst wahrscheinlich auf Schüsse und weitere polizeiliche Maßnahmen zurückzuführen. Momentane Videos zeigen die Proteste der kurdischen Bevölkerung die weitestgehendst zu kurdischer Musik friedlich protestieren und dabei von türkischen Wasserwerfern angegriffen werden.

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