Türkei rückt gegen die Kurden in Afrin weiter vor

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Jaish al-Nokhba (FSA) im Nordwesten Afrins

Die von der Türkei gestartete Großoffensive auf die von den kurdischen YPG/SDF gehaltene Afrin-Region im Nordwesten Syrien geht am zweiten Tag in Folge unentwegt weiter. Mit der Unterstützung der syrischen Opposition (TFSA) konnten türkische Truppen mehrere Dörfer an der Landesgrenze zur Türkei sichern und der YPG Schaden zufügen. Die Situation spitzt sich immer weiter zu, nachdem nun auch die Bodenoffensive an mehreren Fronten gestartet wurde. Die Welt schaut zu, während die Türkei mithilfe von deutschen Panzern auf syrischen Staatsgebiet damit droht, die Kurden zu vertreiben.

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SDF: Provinz Deir ez-Zor vom IS befreit

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Die von der USA unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) erklärten die ostsyrische Provinz Deir ez-Zor vollständig vom Islamischen Staat. Alle Gebiete des IS östlich des Euphrats konnten so erfolgreich wiedererobert werden. In Anwesenheit einer russischen Delegation bedankte man sich explizit bei der internationalen Anti-IS-Koalition, Russland und arabischen Stämmen, die die Operationen der SDF/YPG aktiv unterstützten.

Bisher veröffentlichte Informationen bestätigen nicht die Kontrolle der SDF über viele Dörfer am nördlichen Ufer des Euphrats, welche somit noch vom Islamischen Staat gehalten werden. Seit etwa einer Woche gibt es Gerüchte über eine Waffenruhe zwischen der SDF und dem IS in der Provinz Deir ez-Zor, was bisher noch nicht belegt wurde. Dennoch gab es seitdem keinerlei neue Angaben von IS-Medien, die von Kämpfen in der Region gegen die SDF berichteten.

Waffenruhe zwischen Kurden und Islamischen Staat?

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In sozialen Medien ist ein angebliches Dokument aufgetaucht, welches einen Deal zwischen dem Islamischen Staat und den Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), ein arabisch-kurdisches Bündnis unter der Führung der USA, zeigen soll. Dieses Dokument besagt zunächst eine einmonatige Waffenruhe im Wilayat al-Baraka, Selbstbezeichnung für die Provinz Hasakeh (und auch Teile der Provinz Deir ez-Zor) im Osten des Landes. Explizit erwähnt wurde die Festlegung einer festen Grenze und die Einhaltung der Waffenruhe, damit sich der IS auf weitere Fraktionen (sprich: die syrische Armee) konzentrieren kann.

Einige Forderungen sind ebenfalls politischer und ökonomischer Natur, Gefangene sollen ausgetauscht, mehrere Grenzübergänge für den Warentransport sollen errichtet werden und die derzeitigen Erdgas- und Ölfelder sollen weiterhin unter der Kontrolle des Islamischen Staates bleiben.

Derzeit ist noch ungeklärt, ob es sich um ein glaubwürdiges Dokument handelt. Abu Emad al-Nayrabi, Medienaktivist für den Islamischen Staat, bestätigte zunächst die einen Monat andauernde Waffenruhe. Ausgerufene Waffenruhen vom IS sind tatsächlich nichts ungewöhnliches, bereits bei den Kämpfen um Dabiq wollte man eine Waffenruhe gegen die türkische Armee erwirken. Dennoch wäre es merkwürdig, dass die bisher erfolgreiche SDF auf diese Verhandlungen eingehen würde, zumindest nicht öffentlich.

SDF-Pressesprecher flieht in die Türkei

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Der turkmenische Pressesprecher der von den USA unterstützten „Syrischen Demokratischen Kräften“ (SDF) Talal Silo desertierte scheinbar am Mittwoch in das von der Türkei und der syrischen Opposition beherrschte Gebiet in Syrien, wobei er türkische Unterstützung erhalten haben soll.

Inzwischen soll Silo durch den  YPG/YPJ-Sprecher Redur Halil  ersetzt worden sein, der bereits vor ihm diese Position einnahm. Talal Silo war vor dem Ausbruch des syrischen Konfliktes ein Offizier der syrischen Armee, desertierte aber. Daraufhin gründete er die turkmenische Seljuk-Brigade, die der Opposition nahe steht. Es ist ungeklärt, ob Silo seit jeher Verbindungen zum türkischen Staat besitzt und dies ein längerfristiger Plan war. Außerdem sagte er kurz darauf, dass die SDF innerhalb von zwei Monaten kollabieren wird.

SDF kontrolliert etwa 80% von Rakka

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Nach 106 Tagen konnte die von der USA unterstützten Syrian Democratic Forces (SDF) etwa 80% der Großstadt Raqqah im Norden des Landes vom Islamischen Staat erobern. Damit kontrolliert der IS nur noch den Nordteil der Stadt, doch der Widerstand wird stärker und die Fortschritte sind im Vergleich zum Anfang wesentlich erlahmt. Dennoch rechnen Pressesprecher der SDF mit einem Sieg innerhalb eines Monats.

Nach den Fortschritten im Osten und Westen der Stadt konnte man im Süden entlang des Euphrats die beiden Fronten vereinen und daraufhin weiter nördlich vordringen. Zu den ersten Eroberungen gehörte die Altstadt und deren antiken Gebäude, darunter viele Moscheen und die zentrale Festung. Vor wenigen Wochen konnte die SDF dann erfolgreich die gesamte Altstadt sichern. Derzeitige Kämpfe dauern weiter nordwestlich an. Der IS verteidigt seine Positionen in den Vierteln al-Huni, al-Nahdah, al,Wahdah, al-Hurriyah, al-Tawrah und im Industriegebiet Shamal Shikkat. Interessanterweise veränderte sich die Frontlinie im Norden seit Anbeginn der Kämpfe kaum, wahrscheinlich befestigte der IS dort besonders seine Positionen in der (falschen) Hoffnung, die SDF würde vom Norden attackieren.

Die neusten Erfolge gab es an der östlichen Front, den bisherigen Berichten zufolge wurden heute die Getreidesilos erobert und der Distrikt Ramilah vollständig gesichert. Pressesprecher geben sich optimistisch und sprechen von den „finalen Phasen“ der Kämpfe in Raqqah, nur noch einen Monat sollte die Operation andauern. Dennoch sind die Fronten manchmal nicht so ganz klar ersichtlich, vor rund drei Wochen berichtete man von verbliebenen IS-Kämpfern in einem Basar tief im Südosten der Stadt. Einem Gebiet, welches seit Monaten als vollständig erobert galt. Möglich sind ähnliche Szenarien in den restlichen Teilen der Stadt.

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Die Schwäche des Islamischen Staates macht sich auch in ihrer medialen Berichterstattung bemerkbar. Jeden Monat sank die Anzahl an veröffentlichten Videos und Fotos, sowohl von der offiziellen IS-Nahrichtenagentur al-Hayat, als auch vom semi-offiziellen AMAQ. Von 54 Fotos im Juni waren es im September lediglich Acht, die Hälfte davon widmete sich lediglich der Lobpreisung von getöteten „Märtyrern“. Der Einsatz von Selbstmordattentätern hat sich ebenso verringert.

Seit Beginn der Militäroperation zur Befreiung Raqqahs im November letzten Jahres im Umkreis der Stadt waren die Truppen der SDF immer weiter auf die Großstadt vorgerückt und im Juni erreicht. Raqqah war einst das administrative Zentrum des IS in Syrien, doch bereits vor der Offensive wurden die Institutionen in die Kleinstadt al-Mayadin verlegt. Im IS-Territorium in Raqqah sollen noch etwa 10.000 bis 25.000 Zivilisten verharren, Zehntausende flüchteten bereits und wurden in Flüchtlingslagern untergebracht.

Der Kampf um die Umgebung von Deir ez-Zor

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Nach den Erfolgen der syrischen Regierung in der Provinz Deir ez-Zor und dem Ende der Belagerung in der gleichnamigen Provinzhauptstadt dauern die Kämpfe um die Umgebung von Deir ez-Zor statt. Seit rund einer Woche führt die von der USA unterstützte SDF und andere Milizionäre ebenfalls eine Offensive gegen den Islamischen Staat in der Region fort, jeweils auf der nördlichen oder südlichen Seite des Euphrats.

Verschiedenen Berichten zufolge erreichte die SDF fast den Euphrat am Dorf al-Husayniah, welches direkt nördlich von Deir ez-Zor liegt. Auf einem relativ dünnen Gebiet drang man etwa 40 Kilometer vor, eroberte vereinzelte Dörfer, Felder und die vor dem Krieg neu geplante Industriezone von Deir ez-Zor. Dieser dünne Korridor ist interessant, da er quasi parallel zu den Fortschritten der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) agiert und dem ein großes Territorium des Islamischen Staates weiter östlich entlang des Euphrats isoliert.

Das eingeschlossene Gebiet ist von keiner besonderen, strategischen Bedeutung, dennoch gibt es einige Dörfer und Städte mit dem administrativen Zentrum von Maadan. Die SAA und verbündete Stammesmilizen drangen vor einigen Monaten bis auf wenige Kilometer nahe Maadan vor, wurden aber durch eine große IS-Offensive zurückgeschlagen und bis nach Ghanem al-Ali zurückgeworfen. Dementsprechend gibt eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass viele IS-Kämpfer in dem Gebiet eingeschlossen sind, darunter auch sehr gut ausgebildete und trainierte Islamisten. Einziger Fluchtweg verbleibt über den Euphrat, der jedoch ins Visier der Luftstreitkräfte so ziemlich aller Nationen gerät.

Neben den Fortschritten der SDF konnte die SAA ebenfalls einige Erfolge verzeichnen, vor allem östlich und westlich der Großstadt Deir ez-Zor. Im Osten drang man bis zum Dorf Jafra vor, laut einigen Berichten wird es dort zu Landung der SAA und verbündeter Einheiten über den Euphrat kommen. Ebenfalls wurde das Ölfeld al-Nishan erobert. Außerdem wurde Jabal Turdah vollständig gesichert, nachdem es durch amerikanische Luftschläge und eines IS-Angriffes im Oktober 2016 verloren wurde. Es ist gut möglich, dass der Militärflughafen vor Ort wieder funktionstüchtig gemacht werden könnte.

Mehr Erfolge gab es hingegen im Westen, also in dem eigentlich vom IS isolierten Territorium. Nach dem Durchbruch durch die jahrelangen Verteidigungslinien eroberte man Baghiliyah und die örtliche Universität. Einigen Angaben erreichte man dort ebenfalls den Euphrat, was aber nicht bestätigt ist.

Die entscheidende Frage wird aber die Option einer möglichen Landungsoperation der SAA auf der anderen Seite des Euphrats sein, der unweigerlich zur Konkurrenz mit der ansonsten größtenteils kooperierenden SDF führen würde. Wichtiges Ziel dabei sind die Ölfelder dutzende Kilometer östlich von Deir ez-Zor, die damit auch auf der nördlichen Seite des Flusses liegen. Auch wenn der Ölexport Syriens vor dem Krieg drastisch abgenommen hat und man sogar Importeur war, sind die Omar-Ölfelder von besonderer Bedeutung, da sie zuvor etwa 50% des produzierten Erdöls bereitstellten.

 

SDF beginnt nun auch Offensive auf Deir ez-Zor

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Nach den Erfolgen der syrischen Regierung in der Provinz Deir ez-Zor und dem Ende der Belagerung in der gleichnamigen Provinzhauptstadt startet die SDF und andere arabische Milizen eine neue Offensive im Norden der Provinz.

Unbestätigten Berichten zufolge eroberte die SDF bereits Hujayf az Zarrab und Tal Aljehev etwa 25km nördlich von Deir ez-Zor. Den Bodengewinnen vorausgegangen sind Luftschläge der USA und der restlichen, marginalisierten „Anti-IS-Koalition“. Höchst wahrscheinlich sind amerikanische Spezialeinheiten wie gewöhnlich ebenfalls involviert.

Ohnehin wurde diese Operation eher durch den Druck der USA gestartet, da viele Teile der SDF/YPG und vor allem die Kurden mit Widerwillen weiter in das arabische Land vordringen wollten. Stattdessen bezieht die USA ihre Unterstützung vor allem auf die regionalen Stämme und ihre in Jordanien von Großbritannien und der USA ausgebildeten Milizen, die Monate zuvor den syrisch-irakischen Grenzübergang al-Tanf schützten. Da der Islamische Staat durch die Armee völlig aus der Region vertrieben wurde schickte die USA (nach Widerstand) die Milizen nach Shadadi in Nordsyrien.

Besonderes Ziel sind die riesigen Omar-Öfelder nahe der irakischen Grenze, die vor dem Krieg etwa die Hälfte des syrischen Erdöls hervorbrachten und den Einfluss der syrischen Regierung größtmöglich zu minimieren.