Das doppelte Spiel Trumps in Syrien

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Während der amerikanische Präsident Trump nun innerhalb weniger Tage wiederholt seinen Willen ausgedrückt hat, in absehbarer Zeit amerikanische Truppen aus Syrien abzuziehen, sprechen die Fakten und das Geschehen auf dem Boden eine völlig andere Sprache, neue Waffen und Soldaten werden ins Land gebracht, Militärstützpunkte errichtet oder aufgebessert. Der vorgeschobene Grund eines Einsatzes gegen den Terror bzw. dem Islamischen Staat dient dabei zu nichts mehr als zur einfachen Legitimation. Während der IS im Euphrat-Tal aufgrund ausbleibender Kämpfe seine Kräfte konsolidieren kann, rüstet die USA massiv an den Grenzen zur Türkei in Manbij und zur syrischen Regierung in al-Tanf auf.

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Regierungsmiliz beschießt US-Basis in Syrien

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Amerikanische Soldaten überblicken Positionen der türkischen Armee nördlich von Manbij

Die mit der syrischen Regierung verbündete Miliz „Popular Resistance“ beschoss in der Nacht vom 1. April den US-Militärstützpunkt bei der Stadt Ain Issa in Nordsyrien, welches unter der Kontrolle der mit den USA verbündeten „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF) steht und primär aus den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) besteht. In einem veröffentlichten Video sieht man wie mit einem behelfsmäßig errichteten Abschussrampe zwei GRAD-Raketen oder Mörsergranaten auf die angebliche Militärbasis schießt. Der Erfolg der Operation ist unklar, wäre der Stützpunkt tatsächlich getroffen und gar amerikanische Soldaten dabei getötet worden, hätte das Pentagon derartige Berichte wie in der Vergangenheit bestätigt.

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US-Soldaten in Nordsyrien getötet – steckt die Türkei dahinter?

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US-Soldaten überblicken im Norden von Manbij Positionen der Türkei, die in Folge der Operation „Euphrates Shield“ in Nord-Aleppo gegen den IS errichtet wurden

Am Donnerstag starb jeweils ein amerikanischer und ein britischer Soldat bei einer Patrouille nahe der Stadt Manbij, der Ort befindet sich unter der Kontrolle der von den USA unterstützten kurdisch-arabischen Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) und grenzt im Norden und Westen an das Einflussgebiet (erobert in der Operation „Euphrates Shield“) der Türkei in Syrien. Aufgrund seiner Lage westlich des Euphrats rückt es immer wieder in den Mittelpunkt zukünftiger Armeeoperationen im Nachbarland, nachdem Erdogan bereits Manbij mehrmals mit dem Ziel bedrohte, die „terroristische PKK“ aus der Region zu vertreiben, so wie man es innerhalb von zwei Monaten in Afrin getan hatte.

Der Vorfall ist insofern interessant, da der Islamische Staat höchst wahrscheinlich nicht hinter der Tat steckt, nachdem er vor rund zwei Jahren aus der Region vertrieben wurde und es seitdem zu keinerlei Aktionen durch IS-Schläferzellen gekommen ist. Stattdessen kommt es aber immer wieder zu Anschlägen und Attentaten auf wichtige SDF-Mitglieder in der Stadt, hauptsächlich ausgeführt von der oppositionellen Gruppierung Harakat al-Qayyam, die intensive Beziehungen zur Türkei pflegen soll. Es ist durchaus denkbar, dass die Türkei durch derartige Anschläge versucht, die Präsenz der USA in Manbij zumindest zu reduzieren und sich damit ein „freies Feld“ für eine Offensive auf die SDF in der Region zu geben, da die schützende Hand der USA der einzige Grund für das bisherige Ausbleiben von Angriffen der Türkei ist.

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Türkei will neue Gebiete in Syrien erobern

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Militärische Situation im Norden der Provinz Aleppo (Schwarz umrahmt: Tel Rifaat)

Nachdem Einheiten der türkischen Armee und die mit ihnen verbündeten Oppositionskräfte (TFSA) die gesamte Region Afrin von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) bzw. der von den USA unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) erobert haben, scheint das Interesse der türkischen Regierung auf weitere Gebiete zu fallen: Tel Rifaat und Manbij. Erstere Stadt befindet sich direkt östlich von Afrin und ist bis auf das verbundene Regierungsterritorium völlig isoliert. Manbij liegt westlich des Euphrats und war in der Vergangenheit immer wieder von kleineren Protesten der Regierungs- und Oppositionsanhängern gegen die SDF geprägt.

Der türkische Präsident Erdogan kündigte in einer Rede an, dass das nächste Ziel die Stadt Tel Rifaat sein würde, welche in Folge einer YPG-Militärkampagne gegen die Opposition im Jahre 2016 erobert wurde. Eigentlich soll man mit dieser geplanten Operation bereits vor Tagen begonnen haben, dennoch herrscht ein regelrechtes Rätselraten über den Ort. Während türkische Medien bereits am Dienstag behaupteten, die Stadt und umliegende Dörfer würden unter der Kontrolle der türkischen Streitkräfte liegen, veröffentlichte die syrische Nachrichtenagentur SANA Bilder, die die Präsenz von syrischen Milizionären in der Stadt belegen. Es ist nicht gänzlich geklärt ob es sich hierbei um Soldaten der Armee oder nur Kämpfern der mehrheitlich schiitischen Milizen handelt. Angeblich sollen diese Truppen eingerückt sein nachdem es zu keiner Einigung bei den Gesprächen zwischen der Türkei und Russland gekommen ist.

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Türkei erobert Afrin

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Im Stadtzentrum weht noch die Fahne Rojavas, während die TFSA

Fast zwei Monate dauert nun die türkische Operation „Olivenzweig“ in Syrien an, wo die türkische Armee mit verbündeten Oppositionsgruppen (TFSA) gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) bzw. amerikanisch unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) vorgeht und dabei versucht, die Kurden aus der syrisch-türkischen Grenzregion zu vertreiben. Nun konnte die Türkei die Stadt Afrin erobern, das primäre Ziel der gesamten Operation und die wichtigste Hochburg der Kurden westlich des Euphrats. Ohne jeglichen Widerstand konnte die türkische Armee und die mit ihnen verbündeten islamistischen Söldner die Stadt über eine Nacht sichern, nachdem in den vergangenen Tagen umliegende Gebiete erobert wurden und nur noch ein etwa zwei Kilometer breiter Flüchtlingskorridor in südlicher Richtung offen gelassen wurde.

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Afrin vor dem Fall

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Kämpfer der Hamza-Division zeigt auf den westlichen Stadteingang von Afrin

Fast zwei Monate dauert nun die türkische Operation „Olivenzweig“ in Syrien an, wo die türkische Armee mit verbündeten Oppositionsgruppen (TFSA) gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) bzw. amerikanisch unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) vorgeht und dabei versucht, die Kurden aus der syrisch-türkischen Grenzregion zu vertreiben. Unaufhaltsam ist inzwischen der Vorstoß der türkischen Armee in Afrin, Tag für Tag können ohne großen Widerstand mehrere Dörfer von der YPG erobert werden. Die letzte kurdische Hochburg befindet sich von zwei Seiten umgeben, einzig ein schmaler Korridor zur Flucht bleibt der geschundenen Bevölkerung als Ausweg. Die Kurden sind dieser Übermacht hilflos ausgesetzt.  Inzwischen ist es nicht mehr eine Frage des „Ob“, sondern Eine des „Wann“, bis sich Afrin unter der Kontrolle der türkischen Armee befinden wird.

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Nur noch ein zwei Kilometer breiter und 18 Kilometer langer Korridor stellt die letzte Fluchtmöglichkeit für Zivilisten und Kämpfer gleichermaßen dar, die aus der Afrin-Region unter der Kontrolle der YPG vor den anrückenden türkischen Truppen fliehen möchte. Mitten in diesem Korridor liegt die gleichnamige „Hauptstadt“ des Kantons, die nun zur neuen Zielscheibe der Operation „Olivenzweig“ sein wird und ihre Eroberung eine vollkommene Kapitulation der Kurden bedeuten würde. Die mit der Türkei verbündeten Oppositionsgruppierungen der TFSA konnten alle umliegende Hügel und strategisch wichtigen Orte sichern, am Samstag begann ein erster Angriff auf den Westteil der Stadt, wobei man bereits erste Erfolge wie die Eroberung des Gefängnisses verzeichnen konnte. Es gibt keine offiziellen Statistiken über die Verbliebenen in Afrin, vor dem Krieg besaß der Ort 40.000 Einwohner, in Folge des Konfliktes und ihrer Darstellung als „Stabilitätsoase“ kann sich die Anzahl auf bis zu 100.000 erhöht haben.

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Türkei steht vor den Toren der Stadt Afrin

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Ein Kämpfer der „Hamza-Division“ überblickt die Stadt Afrin

über einem Monat dauert nun die türkische Operation „Olivenzweig“ in Syrien an, wo die türkische Armee mit verbündeten Oppositionsgruppen (TFSA) gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) bzw. amerikanisch unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) vorgeht und dabei versucht, die Kurden aus der syrisch-türkischen Grenzregion zu vertreiben. Unaufhaltsam scheint inzwischen der Vorstoß der türkischen Armee in Afrin, Tag für Tag können ohne großen Widerstand mehrere Dörfer von der YPG erobert werden. Nur noch wenige Kilometer trennen die türkische Armee vom primären Ziel, die Großstadt Afrin. Die Kurden sind dieser Übermacht hilflos ausgesetzt, insofern sie nicht Beziehungen zur syrischen Regierung aufnehmen wollen. Inzwischen ist es nicht mehr eine Frage des „Ob“, sondern Eine des „Wann“, bis sich Afrin unter der Kontrolle der türkischen Armee befinden wird.

Die Bombardierungen und Artillerieschläge nähern sich immer weiter der Stadt Afrin an, mit knapp 40.000 Einwohnern die größte Stadt in der Region und das Zentrum der YPG-Aktivitäten im gleichnamigen Kanton. Einheiten der türkischen Streitkräfte und der Opposition stehen nördlich nur noch zwei Kilometer vom Ortseingang entfernt und konnten bereits die Getreidesilos erobern. Im Westen porträtieren sich Kämpfer von verschiedenen Milizen auf dem Khalidiya-Berg, von dem man den gesamten Ort überblicken kann. Im Süden sieht die Situation für die Kurden ähnlich dystopisch aus, vom neulich eroberten Dorf Bablyat sind es lediglich fünf Kilometer bis Afrin. Dieser Vorstoß entlang des Afrin-Tals erinnert an einen typischen Zangenangriff mit dem Ziel, Afrin und umliegende Gebiete zu isolieren und somit zur Aufgabe zu zwingen. Bereits heute gibt es nur noch einen schmalen Korridor für Zivilisten, die derzeit zu Tausenden vor den Gefechten fliehen.

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