Kurdischer Widerstand in Afrin setzt erstmals Drohnen ein

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Die Besetzung der nordsyrischen Region Afrin durch die türkische Armee und ihre syrischen Verbündeten dauert seit fast einem Jahr an, auch weiterhin wird die Region von Korruption, wirtschaftlicher Ausbeutung durch den nördlichen Nachbarn und innerislamistische Machtkämpfe geplagt. Direkt profitieren tut vor allem der kurdische Widerstand, welcher sich in den zwei Organisationen der „Wrath of Olives“ (WoO) und „Afrin Liberation Forces“ (ALF) bildet und seit jeher Hunderte Tote in den Reihen der Islamisten verursacht haben und intensive Beziehungen zur syrischen Regierung und der kurdisch-arabischen Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) besitzen. Dabei erhalten sie auch neuerdings die Unterstützung durch modernste Technik: Drohnen.

ALF verkündete am vergangenen Sonntag erstmals den Einsatz von Drohnen gegen eine Militärbasis von „pro-türkischen Verbrechern“ in dem Dorf Jalbir, wodurch zwei Islamisten getötet wurden. An die normalen Drohnen wurden mehrere Granaten befestigt, welche dann zum gewünschten Zeitpunkt abgeworfen wurden. Diese Technologie wurde bereits von anderen Fraktionen im syrischen Konflikt verwendet, darunter der Islamische Staat, die Hisbollah oder die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) und stellen dementsprechend nichts besonderes dar. Der erstmalige Einsatz in Afrin ist jedoch besonders und könnte langfristig verlustreiche Konsequenzen für die Türkei bedeuten, sollten sie keine ausreichenden Verteidigungsmaßnahmen aufbauen. Der IS konnte in seinen letzten Jahren diese Technik verbessern und beispielsweise Landungsboote der Kurden bei Tabqa oder ein Munitionslager in einem stillgelegten Fußballstadium in Deir ez-Zor zerstören.

Neben dem Drohneneinsatz gab es auch unzählige weitere Aktionen in den vergangenen Wochen, darunter mehrere Scharfschützentötungen bei Mare oder direkte Angriffe auf türkische Stützpunkte nahe Tel Rifaat. Auffällig ist, dass zunehmend auch Gebiete der Türkei bzw. TFSA östlich von Afrin ins Visier geraten, vor allem jene, die eine Gefahr für die letzte Bastion der Kurden (Tel Rifaat) in der Region darstellen. Besonders der Einsatz mithilfe von Lenkwaffen wie ATGMs haben zugenommen, die wahrscheinlich von der syrischen Armee oder der YPG geliefert wurden. Bereits mehrere Fahrzeuge wurden auf diesem Fahrzeuge zerstört, darunter auch Mehrere des türkischen Militärs. Am Montag wurde in der Stadt Azaz eine Autobombe gezündet, die 21 Tote verursachte. WoO trat in der Vergangenheit bereits mit Autobomben in Aktion, darunter in Afrin selber, bisher bekannte sich aber keine Gruppierung zu dem Anschlag, ein möglicher Täter könnte auch der Islamische Staat darstellen.

Die Unterstützung für die verschiedenen kurdischen Guerillagruppen und dem Widerstand generell nährt sich auch aus der destruktiven Wut der Islamisten. Derzeit versucht man die weitläufigen Olivenplantagen zu zerstören und die dadurch entstandenen Hölzer gewinnbringend in die Türkei zu verkaufen. Afrin ist nicht nur bekannt für seine Olivenbäume, auch haben Oliven vor Ort eine enorme symbolische Bedeutung (nicht umsonst nannte die türkische Armee ihre Offensive in Afrin „Operation Olivenzweig“). Immer wieder entstehen Brände auf den Plantagen, die den Aufständischen zugeschrieben werden. Türkische Unternehmer brüsten sich damit, Olivenöl aus Afrin international weiterzuverkaufen. Die noch aus dem 19. Jahrhundert stammenden Eisenbahnstrecken werden von verschiedenen Organisationen abgebaut und das Metall eingeschmolzen, alles für den eigenen Gewinn.

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