Armee erobert Deir Hafer

Einheiten der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) eroberten offiziell Deir Hafer, die zweitgrößte Stadt unter der Kontrolle des Islamischen Staates in der Provinz Aleppo. Bereits Wochen zuvor flohen die letzten Kämpfer des Islamischen Staates aus der Stadt, bevor sie vollständig belagert und alle Nachschubwege gekappt wurden. In diesem Zeitraum schickte man u.a. russische und syrische Pioniere in die Stadt, um Minenaufräumarbeiten zu betreiben und damit die Stadt wieder vollständig für zivile Geschehnisse nutzbar zu machen. Bilder und Videos zeigen eine Stadt, die scheinbar vollkommen verlassen ist. Zugleich ist Deir Hafer von Kämpfen relativ unberührt geblieben, da wie bereits erwähnt alle Kämpfer sich zuvor zurückzogen und die Kämpfe an den umliegenden Gebieten und Dörfern stattfanden.

Mit der Kontrolle von Deir Hafer sichert sich die SAA den M4-Highway von Aleppo nach Raqqah als Versorgungslinie. Nächstes Ziel werden höchst wahrscheinlich die Jirah-Luftbasis, wovon die Frontlinien weniger als einen Kilometer entfernt sind. Durch die Oppositionsoffensive in Nord-Hama verlangsamte sich aber der Vorstoß gegen den Islamischen Staat in der Provinz Aleppo, große Teile der dortigen Einheiten mussten abgezogen werden. Dennoch eroberte man weiter östlich von Deir Hafer die Dörfer Kharayih Diham, al-Sagirah, Gharbi Saghir, Jubb Madi, al-Zakiyah und al-Musherfah.

Islamisten starten neue Teiloffensive in Hama

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Islamistische Gruppierungen unter der Führung der zweitgrößten Oppositionsgruppe Ahrar al-Sham starteten am Dienstag eine erneute Teiloffensive in Nord-Hama mit dem Ziel, der inzwischen größtenteils aufgehaltenen Offensive neue Initiative zu verleihen. Dafür begann man mit Kämpfen an den westlichen Frontlinien, die zuvor im Gegensatz zur Südlichen und Westlichen weniger Priorität besaß. Erste Kämpfe begannen somit bei al-Judaydah, wo auch umgebene Verteidigungsstellungen erobert wurden, das Dorf aber weiterhin in der Hand der syrischen Regierung ist. Kurz darauf startete man weitere Angriffe mithilfe von Artilleriebeschuss bei al-Sakr weiter nordwestlich von Hama, welches wenig später ebenfalls erobert wurde und damit bisher die einzig bestätigte Eroberung darstellt.  Ebenfalls aktiv ist dort Faylaq al-Sham, Abnaa al-Sham und Jaish al-Izza. Wenige Tage zuvor versuchte man erfolglos an einem nahen Ort, einen Hügel zu erobern und wurde dabei zurückgeschlagen.

Wettrennen in der syrischen Wüste

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Sämtliche Einheiten des Islamischen Staates zogen sich scheinbar am Montag aus den südlichen Gebieten der Syrischen Wüste zurück, nachdem die dort vertretenen Oppositionskräfte einige Erfolge verbuchten bei dem Versuch, den irakischen Grenzposten al-Tanaf mit dem teilweise belagerten Dumayr bei Damaskus zu vereinen. Da bis auf Wüste und wenige Häuser nicht viel in der Grenzregion zur drusischen Kernprovinz Suweida existiert, schenkte man ihr militärisch zuvor wenig Beachtung.

Bei den oppositionellen Gruppierungen handelt es sich u.a. um die islamistische Jaish al-Islam, Usud Al-Sharqiyah und verhältnismäßig „moderaten“ Faylaq al-Rahman und Ahmed Abdo Forces (FSA). Ehemals gehörte auch die Neue Syrische Armee dazu, einem Prestigeprojekt der amerikanischen und britischen Militärunterstützung, sie wurde aber nach militärischen Verlusten fallen gelassen. die Anführer sollen angeblich wieder zum Tabakschmuggel zurückgekehrt sein.

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Nachdem die oppositionellen Kräfte einige Verluste dem Islamischen Staat zufügen konnte und z.B. einige amerikanische Humvees eroberte konnten sie ihr Territorium in der Region al-Aythah wesentlich erweitern und fast verbinden. Da die Syrisch-Arabische Armee (SAA) und verschiedene drusische Milizen in der Nachbarsprovinz Suweida aber nicht tatenlos zusehen, startete man heute ebenfalls eine Überraschungsoffensive und konnte 300km² erobern, darunter kleine Ortschaften wie z.B. al-Qasr, Rajm al-Dawlah, Tell Asfar, Asheihib.

Das Verhältnis zwischen Opposition und syrischer Regierung ist in der Region ungewöhnlich positiv geprägt. Es kommt nicht nur zu keinen gegenseitigen Kämpfen, in der Vergangenheit kämpfte SAA und FSA in Dumayr Seite an Seite gegen den Islamischen Staat, der in der Vergangenheit beide Positionen unter Druck setzte. Besonders wichtig ist dort auch die al-Seen-Luftbasis, die einst eine direkte Frontlinie darstellte und zur Koordination der Luftunterstützung unabdingbar ist.

Brutale Kämpfe in Hama dauern an

 

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Die vor 5 Tagen gestartete Offensive in Nord-Hama hat in seiner Intensität nicht abgenommen und konnte bisher enorme Territorialgewinne für die islamistische Opposition verbuchen. Die Frontlinie verläuft derzeit fast 10km von der fünftgrößten Stadt Syriens Hama entfernt, welche seit 2011 unter der Kontrolle der syrischen Regierung ist. Nord-Hama bietet sich für Offensiven an, da die dort stationierten NDF-Milizen  eine äußerst schlechte Ausbildung besitzen und zumeist vor den Kämpfen fliehen. Daraus resultierend startet die Opposition jedes Jahr eine Offensive, die aber letzten Endes größtenteils immer zurückgeworfen wird.

Die ersten Tage begannen mit einer Blitzoffensive auf die an der Front liegenden Städte: Schwere Kämpfe in Souran und Kawkab dauerten bis in die Nacht hinein an, letzten Endes konnten die Ortschaften aber problemlos erobert werden. Wie inzwischen üblich begann man die Offensive mit schwerem Artilleriebeschuss und 2 Selbstmordattentätern (SVBIED), die für die größten Verluste sorgten und Löcher in den Verteidigungspositionen aufriss. Diese wurden dann geschickt ausgenutzt und die Moral der Soldaten gebrochen. Kurz nach dem Fall von Souran konnte man die umliegenden Städte (u.a. Ma’ardes) ebenfalls unter seine Kontrolle bringen. Nach Angaben von Tahrir al-Sham (ehemals bekannt als Jabhat Fateh al-Sham, oder Jabhat al-Nusra) handelte es sich bei den zwei Städten um die Hauptverteidigungslinie der Syrisch-Arabischen Armee (SAA) bzw. NDF, Milizen die dazu dienen ihre Heimatorte zu verteidigen.

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Eroberter T-72 in Hama

Aufgrund der derartig schnellen Eroberungen fuhr fälschlicherweise ein Kommandant der SAA nach Souran in der Annahme, die Stadt sei immer noch von der Armee gehalten. Er und zwei weitere Soldaten wurden dabei umgebracht. Insgesamt erwiesen sich die ersten 24 Stunden als äußerst erfolgreich: 15 Ortschaften konnten erobert werden, darunter Souran, Ma’ardes, Kawkab, Iskandariyah, al-Hijama, Qasshash, Sabahy und Irzah. Ausdruck dieses Erfolges war auch nach eigenen Angaben die Eroberung von 4 Panzern und mehreren gepanzerten Fahrzeugen, die durch den schlagartigen Rückzug hinterlassen wurden. Außerdem begann man mit dem Raketenbeschuss des Militärflughafens in Hama, um Luftunterstützung entscheidend zu schwächen.

Die darauf folgenden Tage verliefen nach dem selben Muster: Die Opposition unter Führung von Tahrir al-Sham attackiert verschiedene Dörfer (teilweise auch mithilfe von weiteren Selbstmordattenätern), die dortigen NDF-Milizionäre ziehen sich kurz darauf zurück. Letzten Endes konnte man bis Arzeh vordringen und bisher erfolgreich halten. Das weiter nordwestlich gelegene Khattab (nicht zu verwechseln mit Kawkab) war nochmal ein besonderer Verlust, besonders da die Stadt von Christen dominiert wurde und danach eine Massenflucht einsetzte. Insgesamt ist die Region um Hama von religiösen und ethnischen Minderheiten dominiert, z.B. Schiiten, Alawiten und Christen fliehen vor drohenden, religiösen Säuberungen der Opposition.

Weiter westlich starteten andere Teile der Opposition unter der Führung von Ahrar al-Sham eine Offensive auf Kernaz, die aber sehr schnell an Tell Sakr und Brej beendet wurde und etwa 25 Leben kostete. Ein Erfolg hätte die Front wesentlich erweitert und die SAA umso mehr unter Druck gesetzt.

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SAA-Verstärkung aus Homs

 

Die SAA saß über die gesamte Zeit  nicht tatenlos herum und konsolidierte seine Streitkräfte. Zwei Tage nach Anbeginn des Angriffes versammelten sich große Sektionen von verschiedenen, regierungsunterstützenden Gruppierungen in und um Nord-Hama. Die SAA schickte modernes Kriegsgerät (z.B. TOS-1) von Latakia, Ba’ath-Brigaden unter dem Kommando des 5th Corps aus Damaskus, Qalamoun Shield aus Palmyra und die legendären „Tiger Forces“ und Cheetah Forces unter dem Kommando von Suleil al-Hassan aus Aleppo. Wie sich dadurch erahnen lässt wurden auch viele Streitkräfte vom Kampf gegen Daesh abgezogen, welches eine erfolgreiche Bekämpfung des Islamischen Staates verhindert.

Diese Truppenzusammenlegungen konnten auch direkt Erfolge erzielen: Die strategisch äußerst wichtige und von vielen Personen als „für diese Offensive entscheidende“ Stadt Qumhana konnte bisher erfolgreich verteidigt und Angriffe zurückgeschlagen werden, nachdem Islamisten im Westen und Süden der Stadt vorgedrungen waren. Dies ist auch den dort beheimateten NDF-Einheiten zu verdanken, die eine rühmliche Ausnahme darstellen. Qumhana ist eine sunnitische Stadt, welche seit der Amtszeit von Hafez al-Assad die Assad-Familie unterstützt (und damit auch mehr pro-Assad als pro-Regierung sind). Aufgrund dessen leisteten die dortigen Familien erbitterten Widerstand. Bis heute dauern dort schwere Kämpfe an, die Oppositionellen sollen sich aber bis an den Stadtrand zurückgezogen haben. In den ersten drei Tagen sollen die getöteten Soldaten der SAA bei 64 liegen, eine verhältnismäßig niedrige Zahl.

Bis heute hat die Offensive an ihren Schwung verloren, an wenigen Orten konnte sie gar zurückgeworfen werden (Kawkab und Maarzaf). Nichtsdestotrotz ist die Lage weiterhin kritisch, die Armee leidet unter nicht zu verachteten Materialverlusten. Ein Status Quo ohne Rückeroberung würde der Opposition in die Hände spielen, die damit immer näher an die Stadt Hama herandringt. Auf der anderen Seite gab es eine derartige Situation bereits 2014, letzten Endes konnte die Offensive also vollständig zurückgeschlagen werden.

Auf Seiten der Opposition ist Tahrir al-Sham die antreibende Kraft. Diese wird unterstützt von Jaish al-Izza, Jaysh al-Nasr, Ajnad al-Sham, Ajnad al-Kavkaz, Turkmen Islamic Party, Ahrar al-Sham, Faylaq al-Sham und Free Idlib Army (FSA).

Auf Seiten der Regierung sind hingegen die Syrisch-Arabische Armee, Qalamoun Shield Forces, Harakat al-Nujaba, NDF, Ba’ath-Brigaden, Tiger Forces, Cheetah Forces, Leopard Homs und Revolutionsgarden präsent. Hisbollah erklärte ihre Bereitschaft, könnte als zukünftig ebenfalls dazu stoßen.

Armee belagert Stadt des IS

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Die Syrisch-Arabische Armee (SAA) unter der Führung der offensiven Eliteeinheit „Tiger Forces“ konnte nach langsamen, aber sehr erfolgreichen Eroberungen die zweitletzte Stadt Deir Hafer des Islamischen Staates in der Provinz Aleppo umkreisen und damit ein wichtiges Ziel in der gesamten Operation erreichen. Am heutigen Tage wurden die Orte Um Adash, Aqulah, Lalat Muhammed, Tal al-Sus, Kiyariyah und Ahmidyah erobert. In Zuge dessen wurde der Highway Raqqah-Deir Hafer unterbrochen, welcher der letzte Versorgungsweg des Ortes darstellen würde. Wie lange sich die dort stationierten IS-Kämpfer halten können ist von der Prioritätensetzung abhängig. Sollte der IS keinerlei Prioritäten im Gegensatz zu al-Bab auf Deir Hafer setzen, so wäre eine Einnahme innerhalb von 72 Stunden möglich.

Zuvor konnte die SAA sämtliches Territorium nördlich der Stadt einnehmen und damit den Euphrat erreichen. Diese Fortschritte führten zur Wiederaufnahme der Wasserversorgung in Aleppo, die zuvor von internationalen Hilfsorganisationen abhängig war. Weiter südlich konnte man bis an die Jihar-Luftbasis vordringen, ehemals eher als Flugschule als militärisch genutzt. Nach der Eroberung von Deir Hafer stehen zwischen SAA und Raqqah bzw. Tabqah nur noch die letzte Stadt des Islamischen Staates in Aleppo: Masakaneh. Dies würde ebenfalls die einzige Versorgungsroute zwischen Restsyrien und Aleppo (Illitryah-Khanaser) sichern, die immer wieder von Überfällen des Islamischen Staates betroffen war. Bei der Eroberung von Deir Hafer sind nicht nur die Tiger Forces aktiv, kleinere Präsenz besitzen auch die Cheetah Forces und Imam al-Baqir. Aufgrund der kritischen Situation in Nord-Hama mussten aber große Teile (und ihr Anführer Suleil al-Hassan) verlegt werden, was Kämpfe in und um Deir Hafer verlängern bzw. erschweren könnte.

Schwere Kämpfe in Damaskus‘ östlichen Vierteln

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Einsatz von Selbstmordattentätern

Verschiedene oppositionelle Gruppierungen wie z.B. Jaysh al-Islam, Tahrir al-Sham, oder Faylaq al-Rahman (FSA) starteten am Sonntag vom Viertel Jobar aus einen Überraschungsangriff auf den Industriepark al-Qaboun mit dem Ziel, die Belagerung der drei, weiter nordwestlich liegenden Viertel aufzuheben. Diese Viertel sind allesamt seit 2013 vollständig belagert. Seit einigen Wochen begann die Syrisch-Arabische Armee unter dem Kommando der 4th Division, alle Viertel in und um Damaskus (bzw. Rif Dimashq) zu erobern. Als Reaktion auf diesen zunehmenden Druck startete man nun diese Gegenoffensive im Süden, um vor allem die aktive Front im Norden zu entlasten. Hauptaustragungsort dafür ist der dortige Industriepark.

Die Offensive begann mit dem Einsatz von zwei Selbstmordattentätern, die sich in einer Autobombe selbst entzündeten. Kämpfe begannen im gesamten Bezirk, besonders schwer aber sind die Gefechte um die dortige Busstation, die Umgebungen wie z.B. der al-Abbayaseen-Platz wurden zum Schutz von Zivilisten geräumt. Dennoch schlagen immer wieder Granaten in den dortigen Wohnungen ein. Auf der anderen Seite gibt es intensive Luftschläge der russischen und syrischen Luftwaffe. Wage Schätzungen der Toten sprechen von ~70 auf Seiten der Armee und ~90 auf Seiten der oppositionellen Milizen, die Angaben befinden sich also sehr nahe.  Nach ewigem hin und her scheinen sich die Frontlinien aber stabilisiert zu haben, es kam zu keinen besonderen Territorialveränderungen und die Belagerung der drei Viertel ist weiterhin in Kraft. Am Dienstag verlautbarte die Opposition „Phase 3“, die das gleiche Ziel wie die vorherigen „Phasen“ hatte. Ein Indikator dafür, dass alle primären Ziele nicht erreicht wurden.

Ein Ende der Kämpfe sind dennoch nicht in Sicht, während die belagerte Opposition seine Kampfkraft immer weiter aufreibt und schlecht ersetzen kann, zieht die Armee Einheiten aus Ost-Ghouta und Palmyra zusammen.

Opposition beginnt Offensive in Nord-Hama

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Islamistische Gruppierungen starteten im Norden der Stadt Hama in Zentralsyrien eine Überraschungsoffensive. Erste Angriffe begannen mithilfe von 2 Selbstmordattentätern (SVBIED) auf die Stadt Souran. Unbestätigte Berichte erzählen von der erfolgreichen Abwehr dieser Autobomben, bevor sie ihr Ziel erreichen konnten. Derzeitig gibt es heftige Kämpfe um die Barrieregräben um Souran, von beiden Seiten wird schwere Artillerie zuhauf genutzt. Die letzte Offensive fand im Herbst 2016 statt, wobei die Syrisch-Arabische Armee nach enormen Territorialverlusten einen Großteil zurückerobern konnte. Der Erfolg dieser Operation ist von der Intensität abhängig.

Involvierte Gruppen sind Tahrir Al-Sham, Jaysh al-Nasr, Ajnad al-Sham, Ajnad al-Kavkaz, Turkmen Islamic Party und Free Idlib Army (FSA).

Israelische Aufklärungsdrohne über Syrien abgestürzt

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Eine israelische Aufklärungsdrohne des Typs „Sky Rider“ stürzte am Montag entlang der Grenze zwischen Syrien und der von Israel okkupierten Golanhöhen im Süden ab. Angeblich soll dies nahe der Stadt Quneitra geschehen sein. Die Syrisch-Arabische Armee (SAA) behauptet nach eigenen Angaben, dass die Drohne von Luftabwehrsystem abgeschossen wurde. Die IDF widerspricht dieser Behauptung und rechnet dem Absturz einem technischen Defekt zu. Die Aufklärungsdrohne „Rochev Shamayim“ bzw. „Sky Rider“ ist eine ziemlich simple Variante, es kam bereits Jahre zuvor zu mehreren Abstürzen, womit ein rein technischer Fehler definitiv nicht auszuschließen wäre. Erst im Dezember wurde zuletzt eine solche abgestürzte Drohne in Bat Shlomo (Israel) gefunden.

Dennoch ist der Zeitpunkt einer solchen Aktion ungünstig. Seitdem die israelische Luftwaffe Stellungen bei Palmyra angegriffen hat, scheint man auf Seiten Israels zu provozieren. Zunächst drohte Verteidigungsminister Lieberman damit, sämtliche syrische Luftabwehr zu zerstören, sollte sich ein solches Ereignis (sprich: Syrische Luftabwehr verteidigt ihren Luftraum und zerstört dabei angeblich einen Jet) wiederholen. Einen Tag später tötete ein Luftschlag einen NDF-Kommandanten an der israelisch-syrischen Grenze, der angeblich für die dortige Luftabwehr zuständig war.

 

Russland errichtet Militärbasis im Kurdengebiet

 

 

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Russische Soldaten in Afrin

Ein Pressesprecher der YPG veröffentlichte am Montag die Mitteilung, dass Russland in Kooperation mit der YPG/SDF im Afrin-Kanton im Nordwesten Syriens eine militärisch-zivile Basis errichten wird, die vor allem zum Training der dortigen Kämpfer dient. Diese Basis soll dafür in Qatmah entstehen. Genauere Planungen sind jedoch unbekannt, ein rein ziviler Nutzen für eine bessere Zusammenarbeit zwischen militärischen und zivilen Autoritäten ist nicht auszuschließen. Russische Truppen sollen bereits vor Ort sein.

Insgesamt besitzt die Aktion verschiedene Auswirkungen, z.B. wird damit ein ohnehin nicht existenter Einfluss der USA, im Gegensatz zu den restlichen Kantonen, erfolgreich (präventiv) verhindert. Das Afrin-Kanton erwies sich bereits in der Vergangenheit als sehr enger Verbündeter der syrischen Regierung im Kampf gegen die syrische Opposition, z.B. begann man Anfang 2016 gemeinsam eine Offensive im Norden der Provinz Aleppo, um die belagerten, schiitischen Städte Nubl und Zahraa zu befreien. Am Ende standen einzelne Verhandlungen über verschiedene Ortschaften, so wurden einige Städte an die YPG übergeben.

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Gehaltenes Territorium der türkisch-syrischen Operation „Euphrates Shield“

Besonders entscheidend ist aber ebenfalls der Faktor, dass damit die türkisch dominierte Operation „Euphrates Shield“ völlig eingekreist werden könnte. Während im Süden die Syrisch-Arabische Armee sitzt, deckt die SDF/YPG alle Gebiete westlich und östlich ab. Im Osten um Manbij übergab die SDF bereits mehrere Dörfer an Russland und die Syrisch-Arabische Armee, um ihre eigene Front gegen Euphrates Shield zu verkleinern bzw. wirksam weitere Kämpfe zu verhindern. Im Westen scheint nun in gewisser Weise das Selbe zu geschehen, die Türkei hat nun keine Möglichkeit mehr sich weiter zu expandieren ohne eine Eskalation mit weiteren Fraktionen (sprich: Russland und die syrische Regierung) zu riskieren.

Letztes oppositionelles Viertel in Homs wird evakuiert

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In der zentralsyrischen Stadt Homs wird das Viertel al-Waer evakuiert, welches das seit 2013 zuletzt gehaltene Viertel in der Stadt ist. In den kommenden 2 Monaten soll jedes Wochenende eine bestimmte Menge an Zivilisten & Kämpfern transportiert werden, zu Beginn sind es 1500 Zivilisten und 500 Kämpfer. Diese Personen sollen dann mithilfe der ominösen „Grünen Busse“ nach Jarablus transportiert werden, eine Stadt an der türkischen Grenze unter der Kontrolle der Einheiten der Operation „Euphrates Shields“.

Gerüchte über eine gemeinsame Verhandlung gab es seit letztem Jahr, scheinbar ist es nun zum Durchbruch gekommen. Zuvor sah die Opposition es als Grundbedingung an, 6000 Gefangene freizulassen, welches aber scheinbar fallen gelassen wurde. Durch die durchaus starke Präsenz besaß al-Waer eine gewisse Verhandlungsposition im Gegensatz zu anderen belagerten Orten, denen die militärische Niederlage drohte. Aufgrund dessen konnte wahrscheinlich auch ein ansonsten unbeliebter Transport nach Jarablus beschlossen werden. Danach übernimmt die russische Militärpolizei den Schutz und die Verwaltung des Ortes. Die Anzahl an verbliebenen Einwohnern ist unbekannt, eigene Angaben sprechen von 80.000 Einwohnern. Wesentlich realistischer sind aber maximal 15.000 Einwohner.

2 Terroranschläge erschüttern Damaskus zum 6. Jahrestag der Revolution

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Justizpalast

In Damaskus kam es in den vorherigen Stunden zu zwei Terroranschlägen, die Dutzenden Menschen bisher das Leben kostete. Ein Anschlag ereignete sich vor dem „Justizpalast“ westlich von der Altstadt, wo es bisher zu mindestens 31 getöteten Zivilisten kam. Weitere 80 wurden verletzt. Wenig später kam es in einem Restaurant im Zentrum der Stadt ebenfalls zu einem Anschlag, nähere Angaben existieren noch nicht. Weitere unbestätigte Berichte erzählen ebenfalls von einer dritten Bombe an der sogenannten Präsidentenbrücke, die aber entschärft wurden konnte. Die Terrorangriffe ereignen sich am 6. Jahrestag der sogenannten Syrischen Revolution, ein Zusammenhang wird in dem Kontext nicht unwahrscheinlich sein. Drei Tage zuvor kam es im Viertel Sayyidah Zainab zu einem Terroranschlag auf einen schiitischen Schrein. Die Anzahl und Frequenz der Angriffe ist außergewöhnlich für die syrische Haupstadt, welche in der Vergangenheit sich als relativ sicher erwiesen hat.

 

Syrische Armee vor den Toren Palmyras

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Im Osten der Provinz Homs konnte die Syrisch-Arabische Armee ((SAA) vor allem durch die Unterstützung des von Russland ausgebildeten 5th Corps der SAA) mit verschiedenen Verbündeten weiter auf die antike Stadt Palmyra bzw. Tadmur vordringen, welche inzwischen weniger als ein Kilometer entfernt ist. Dafür wurden in den letzten Wochen und Tagen die Felder von Bayarat erobert. Im Südosten sicherte man das äußerst wichtige Jabal Hayyal-Gebirge, welches damit einen Nachschub- und Fluchtweg für den Islamischen Staat in den Irak versperrt. Durch die Übernahme der umliegenden Gebirge konnte man sich auch den Verkehrsknotenpunkt in Palmyra erobern, in welchem sich eine katarische Villa befindet. Sie wurde von dortigen Stammesverbänden dem katarischen Königshaus gespendet, war aber bereits in der letzten Offensive das Opfer von Artillerie und ist damit schwer beschädigt. Videos zeigen im Norden ein vordringen bis an den See „Marbat al-Hassan„, der damit das Armeelager Hajjana weiter östlich unter Druck setzt. Könne man die Gebirgsketten um Palmyra erobern und eine starke Pufferzone errichten, wäre eine Verteidigung der Stadt deutlich erschwert.

Zuvor konnte man im Norden des Palmyra-Homs-Highways nach wochenlangen Kämpfen endlich die Jihar- und Hayyan-Ölfelder vollständig erobern, welches in Richtung des Nordens eine starke Kontrollzone bietet. Derzeit rückt man gen Jabal al-Tar und Jabal al-Hayyal vor, welches die Pufferzone erneut vergrößern wird. Eine Sicherung des umliegenden Gebirges/Territoriums ist unabdingbar für eine Sicherung der Offensive, bereits in der letzten Gegenoffensive des IS waren schnelle Übergriffe auf die schwach garnisonierte Gebiete zwischen Tadmur und der T4-Militärbasis ein wunder Punkt, welcher letztendlich innerhalb weniger der Tage das gesamte Gebiet kostete.

Laut unbestätigten Berichten der Hisbollah soll sogar bereits die Burg und die katarische Villa vollständig erobert worden sein. Dies wäre ein Indikator für unerwartet schnelle Fortschritte im Kampf um Palmyra. Entweder schlagen sich die syrischen Einheiten unter der Führung des 5th Corps besonders gut, oder der Islamische Staat selber setzt keine besondere Priorität auf Pamyra und versucht verhältnismäßig wenig, die Stadt zu verteidigen. Zum Vergleich: Die Kämpfe dauerten nur noch 4 Tage in der letzten Offensive an dem Punkt an, wo die Burg erobert wurde.

Während die Stadt keine militärische Bedeutung besitzt, bedeutet sie einen wichtigen propagandistischen Sieg für den IS, welches ansonsten an allen Fronten größtenteils verliert und damit durchaus zu kleinen Offensiven fähig ist. Ebenfalls bedeutet dies einen enormen Verlust an Prestige für Russland, welches die Rückeroberung äußerst brachial mit einem Konzert im Amphitheater etc. zelebriert hat. Für die syrische Regierung hingegen ist die Stadt unabdingbar für die Aufhebung der Belagerung von Deir ez-Zor. Die Ruinen sollen laut Satellitenbildern bisher noch mehr zerstört worden sein, besonders das Amphitheater hat es getroffen.