Al-Nusra hisst die weiße Fahne im Libanon

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Blau: Tahrir al-Sham (bzw. al-Nusra)

Die syrische Armee, die libanesische Armee und Hisbollah starteten am Donnerstag eine groß angelegte Offensive auf die verbliebenen Posten des Islamischen Staates und Tahrir al-Sham (HTS) in der Grenzregion um Arsal. Ziel ist die vollständige Rückeroberung der syrisch-libanesischen Grenze, die damit abgeschlossen wäre.

Am dritten Tag wurde der Großteil des Territoriums von al-Nusra/Tahrir al-Sham zurückerobert, darunter Positionen und Berge wie: die Korra-Erhebung, Qornet Khirbat al-Jiwar, Dalil Aswad-Erhebung, Harf Wadi Ouweini, Shajra-Erhebung bei dem Flita-Gebirge, Qornat Wadi al-Khayl, Qornat al-Qonzoh, Jawar al-Shij, Wadi Kriti, Dalil Abyad, Sorj Kwayse, Dahr Safa-Erhebung, Dalil al-Khayl-Erhebung, Izaba, Adi al-Khayl, Ikab al dubb, Heqab Wadi al-Khel, Heqab Wadi A-Ryhan, Al-Zellba und das gesamte Jaroud Falita, was fast eine komplette Kapitulation von al-Nusra bedeutet.

Bereits einen Tag zuvor sollen mehrere Kämpfer (insgesamt angeblich 200) die weiße Fahne gehisst haben und damit freiwillig aufgegeben haben. Andere Kämpfer sollen sich in den umliegenden Flüchtlingslagern zurückgezogen haben, die meist als Operations- und Rekrutierungsbasis genutzt werden.

Den Großteil der Kämpfe übernimmt die Hisbollah, die dementsprechend rund 20 Tote zu beklagen hat. Die libanesische Armee übernimmt vor allem Artillerieangriffe und die Koordination, weswegen es dort bisher zu keinen Verlusten gekommen ist.

Außerdem soll der Diplomat und Verhandlungsführer Ahmad al-Faliti seitens der libanesischen Regierung von Tharir al-Sham getötet worden sein. Sein Auto wurde in der Nähe von Wadi Hamid von einer Rakete getroffen.

Syrische Armee erreicht Euphrat bei Rakka

 

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Durch ein mediales Blackout kam es überraschend zu einem großen Vorstoß der Syrisch-Arabischen Armee und verbündeten Milizen (darunter dort beheimatete Stammesmilizen), der scheinbar seit Tagen angedauert hatte. In den Wüstengebieten südlich von Raqqah drang man über 35 Kilometer nordöstlich vor und erreichte das Dorf Dakhleh am Euphrat. Ausgangspunkt war der Knotenpunkt bei den antiken Ruinen von Sergiopolis und den umliegenden Erdgasfeldern. Primäre Streitkraft sind die „Tiger Forces“, eine offensive Eliteeinheit unter dem Kommando von Suheil al-Hassan.

Dadurch entsteht ein (womöglich verlassener) Kessel direkt südlich von Raqqah und zugleich werden weitere Vorstöße der von der USA unterstützten SDF entlang des Euphrats blockiert.

Die Region südlich von Raqqah ist vor allem von Wüsten und kleinen Dörfern geprägt, insofern ist ein schnelles vorschreiten gegen einen geschwächten Islamischen Staat zu erwarten. Rusafa (Segiopolis) gilt als Etappenziel für die Aufhebung der Belagerung von Deir ez-Zor. Nun ist zu erwarten, dass der restliche IS im Osten der Provinz Hama zusammenbrechen wird und der Weg nach Ostsyrien „offen“ ist.

Die Offensive steht auch mit der Operation „Lavendel“ im Zusammenhang. Diese hat ihren primären Zweck in der Aufhebung der Belagerung von Deir ez-Zor. Es ist die letzte, belagerte Bastion der syrischen Regierung und Armee entlang des Euphrates. Deir ez-Zor wird seit nun mehr als 3 Jahren vom IS belagert und ist in zwei Seiten geteilt. Vor dem Krieg hatte der Ort insgesamt 200.000 Einwohner, die heutige Zahl sollte weiterhin bei mindestens 50.000 liegen. Die belagerten Soldaten sind hauptsächlich die Republikanischen Garden unter dem Kommando von Issam Zahreddine.

Ahrar al-Sham und Tahrir al-Sham einigen sich auf Waffenruhe

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Dokument von Ahrar al-Sham zur Bestätigung der Waffenruhe

Die zwei größten und islamistischen Gruppierungen Ahrar al-Sham und Tahrir al-Sham scheinen sich am Freitag auf eine Waffenruhe geeinigt zu haben. Zuvor kam es zu dreitägigen Kämpfen in der ganzen Provinz von Idlib, Aleppo und Hama, wobei eine besonders intensiv an der türkischen Grenze waren.

Außerdem beschloss man in den Vereinbarungen die Freilassung aller Gefangenen und den Abzug von Ahrar al-Sham aus der Umgebung des syrisch-türkischen Bab al-Hawa-Grenzüberganges, der als das primäre Ziel von Tahrir al-Sham galt. Dieser wird zukünftig unter „ziviler Administration“ gestellt. Auch werden die eigentlich von Ahrar al-Sham angeordneten Kämpfer wieder nach Jarablus in Nord-Aleppo zurückgeschickt, nachdem sie in der Umgebung von Atmeh Unterstützung leisteten.

Insgesamt kann man die Operation als klaren Gewinn für Tahrir al-Sham bezeichnen, nicht nur konnte man viele Dörfer und Städte (siehe nähere Details hier) erobern sondern ist jetzt in der Position, den einzigen Grenzübergang der Opposition zur Türkei zu bedrohen und damit die Unterstützung der Türkei und Katar für Ahrar al-Sham zu versiegen. Nebenbei spalteten sich mehrere Gruppen von Ahrar al-Sham ab, die sie noch mehr schwächen.

Eskalationen zwischen den beiden einst traditionellen Verbündeten (es gab sogar Verhandlungen über eine Vereinigung) sind nichts ungewöhnliches, besonders in Zeiten der Waffenruhe und damit ohne einen gemeinsamen Gegner. Inzwischen kämpfen beide Seiten über die Herrschaft von Idlib, Tahrir al-Sham wählte sogar strategisch den ehemaligen, internationalen Pressesprecher von Ahrar al-Sham Abu Jaber Shaykh zum Anführer (Emir). Dennoch ist die derzeitige Intensität ungewöhnlich, zuvor wurde noch nie derartig schwere Waffen eingesetzt und über ganz Idlib gekämpft.

Tahrir al-Sham und Ahrar al-Sham können beide Beziehungen zu al-Qaida aufweisen. Während Tahrir al-Sham (ehemals bekannt als al-Nura und Jabhat Fateh al-Sham) den offiziellen Ableger bzw. die offizielle Abspaltung ebendieser darstellt, sind die Beziehungen bei Ahrar al-Sham wesentlich versteckter. Der Mitbegründer Abu Khalid al-Suri z.B. war ein enger Freund von Osama bin Laden. Ohnehin durchlebt Ahrar al-Sham derzeit einen Imagewechsel hin zu einer „moderateren“ Position, z.B. legitimierte man die Verwendung der FSA-Flagge und deren Einbeziehung ins Logo. In al-Arateb sollen sie bereits angeblich mehrere Fahnen der FSA gehisst haben.

Mit welchen Gruppen beendet die USA angeblich ihre Unterstützung? – Teil 1

US-Präsident Donald Trump hat laut Medienberichten die Waffenlieferungen der CIA an die syrische Opposition stoppen lassen. Auch Ausbildungsprogramme für andere Fraktionen sollen unterlassen werden. Hier ist eine Auflistung aller syrischen Oppositionsgruppen, die von der USA aktiv ausgebildet und/oder materiell unterstützt wurden, namentlich vor allem mit Panzerabwehrwaffen (TOWs). Teilweise ist es dennoch unklar, ob die Unterstützung bereits früher fallen gelassen wurde und dementsprechend keine Vollständigkeit garantiert wird.

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1st Regiment

Das 1st Regiment war einst Teil der Tawhid-Brigade und der Levant Front und löste sich Mai 2015 von der Letzteren los. Es besitzt enge Beziehungen zu Ahrar al-Sham, eine der größten islamistischen Fraktionen. Ihr Kommandant Hakim Anza selber weist Beziehungen zu al-Qaida auf und war in der Entführung von britischen und amerikanischen Journalisten involviert. Waren zuvor in Aleppo aktiv und operieren inzwischen vor allem in Nord-Hama. Im Juni 2017 kämpfte man an der Seite von Ahrar al-Sham gegen die Oppositionsgruppen Sultan Murad und Hamza-Division. 

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16th Infantry Division

Die 16th Infantry Division (inzwischen umbenannt in 23rd Division) war in der Vergangenheit in Aleppo aktiv. Ihr ehemaliger Anführer Khaled Hayani gehörte zu den korruptesten Warlords, bis er 2015 getötet wurde. Die Gruppe ist für die ständigen Artillerieangriffe auf die Wohngebiete der syrischen Regierung und YPG in Aleppo bekannt gewesen und wurde ebenfalls von Amnesty Internaional kritisiert. Außerdem nutzen sie gerne „Sieg Heil“ in ihrem Intro

11169984_407731169399218_3743319458400053842_n.jpgThuwar al-Sham

Gegründet von ehemaligen Mitgliedern der Mujahideen-Armee und kleineren Brigaden. Ebenfalls aktiv in Aleppo und kämpft vor allem gegen die syrische Armee in Süd-Aleppo. Sie nahm 2015 an der Idlib-Offensive teil und schloss sich zwei Jahre später Jabhat Fateh al-Sham (ehemals bekannt als al-Nusra, syrischer Ableger von al-Qaida) an. Im Januar 2017 lösten sie sich aber wieder los und schlossen sich Ahrar al-Sham an.

Levant_Front.pngal-Sham Front

Levant (oder al-Sham) Front ist quasi eine umbenannte Version von Liwa al-Tawhid, einem der Gründungsmitglieder der Islamischen Front. Verließ die FSA 2012 um der Islamischen Befreiungsfront beizutreten und gehört dort zu den „moderateren Gruppierungen“. 2016 traten sie der FSA wieder bei und bekamen im selben Jahr amerikanische Waffen. Außerdem wurden sie ebenfalls von Amnesty zu den Gruppen gezählt, die Menschenrechtsverletzungen in Aleppo begingen. Inzwischen sind sie mit Ahrar al-Sham verbündet und kämpften Anfang 2017 für kurze Zeit auch gegen al-Nusra/Fateh al-Sham/Tahrir al-Sham.

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Jaish al-Mujahideen

Die Armee der Mujahideen hat gute Beziehungen zum Islamischen Rat, ein eher moderater Dachverband. Die meisten Mitglieder werden zur FSA gezählt, dennoch gab es immer wieder Bemerkungen vor einigen Jahren, dass „al-Nusra unsere Brüder sind“ und rief Mitglieder des Islamischen Staates dazu auf, zu desertieren und bei Jaish al-Mujahideen teilzunehmen. Außerdem zwangen sie Christen dazu, Hijab zu tragen. Im Januar 2017 kämpften sie dennoch gegen al-Nusra (bzw. Fateh al-Sham) und verloren dabei den Großteil ihrer Kämpfer. Infolgedessen schlossen sie sich mit Thuwar al-Sham Ahrar al-Sham an.

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Fastaqem Union

Fastaqim Kama Umirt Union war einst Mitglied der Armee der Mujahideen doch spaltete sich und war vor allem in der Provinz Aleppo aktiv. 2016 kämpften sie gegen Fateh al-Sham, was fast vollständig zur Zerstörung führte. Die verbliebenen Mitglieder schlossen sich Ahrar al-Sham an. Außerdem gibt es noch eine kleine Präsenz in Nord-Aleppo im Zusammenhang zur Operation „Euphrates Shield“.

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Kataib al-Safawah

Über sie ist wenig bekannt, sie soll in Aleppo operiert haben und insgesamt maximal 500 Mitglieder besitzen. 2013 spalteten sie sich von Liwa al-Tawhid (bzw. Levant Front) und sind seitdem unabhängig.

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Liwa Ahrar Souriya

Gründungsmitglied der 16th Infantry Division, spaltete sich später und schloss sich wiederum Liwa al-Tawhid an. Dann spalteten sie sich wieder und in den Wirren erneuter interoppositioneller Kämpfe schlossen sich viele Mitglieder Harakat Nour al-Din al-Zenki (bekannt für die Enthauptung eines 12-jährigen Kindes, zuvor ebenfalls von der USA unterstützt) an, um Schutz zu finden. Einige Mitglieder schlossen sich in Nord-Aleppo auch der Sham Legion an.

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Hamza Division (Aleppo)

Die Hamza Division gehört zu den stärksten Gruppen des „Euphrates Shield“ und konnte dort ihren Einfluss ausbauen. Kämpfte in der Vergangenheit oft gegen das 1st Regiment (siehe oben) und die Sultan Murad Division. Trotz der Unterstützung der USA sind die sonstigen Beziehungen weniger gut, vor einigen Monaten wurden US-Soldaten von der syrisch-türkischen Grenze vertrieben. Inzwischen bevorzugt sie auch die Türkei über die USA. Ihr wurde vorgeworfen, zusammen mit Sultan Murad mehrere Diebe zum Tode gefoltert zu haben.

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Liwa al-Mutassim

Die Mutassim-Brigade ist eine kleine Gruppe in Nord-Aleppo. Besteht vor allem aus Kämpfen von Jabal al-Akrad, wo sie gewaltsam von al-Nusra damals vertrieben wurden. Sie sind ansonsten recht wenig aufgefallen, der Kommandant Awad Abu Saqr und mehrere Mitglieder flohen im letzten Monat in das Gebiet der SDF.

 

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51st Brigade

Operiert ebenfalls in Nord-Aleppo und besteht vor allem aus Mitgliedern von Deir ez-Zor. Außerdem ist der Kommandant ein Mitglied der inzwischen aufgelösten 7. Division gewesen.

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Northern Storm Brigade

Früher bestand die Gruppe vor allem aus Schmugglern an der syrisch-türkischen Grenze, denen immer wieder Menschenschmuggel und Entführungen vorgeworfen wurden. Man verlor viele Mitglieder 2013 durch Desertationen und Kämpfe gegen den Islamischen Staat in und um Azaz. Die verbliebenen Mitglieder schlossen sich Liwa al-Tawhid an. 2016 kam es wieder zu Kämpfen gegen al-Nusra.

Besondere Aufmerksamkeit erregte der Besuch des amerikanischen Senators John McCain, der einige Mitglieder der Brigade besuchte. Dies führte jedoch zu Zerwürfnissen gegen den Islamischen Staat (die damals eng mit der Opposition zusammenarbeitete)

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99th Division

Über die 99th Division ist ebenfalls sehr wenig bekannt, sie war in der Vergangenheit in Aleppo (sowohl Stadt als auch Provinz) aktiv und ist ein Zusammenschluss aus Liwa Ahfad Salah al-Din und der Dhi Qar Brigade.

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Faylaq al-Sham

Enge Beziehungen kennzeichnen Faylaq al-Sham aka Sham Legion. Es gehörte zu den Gründungsmitgliedern von Jaish al-Fateh, dem großen Dachverband zur Eroberung von Idlib mit derartigen Mitgliedern wie al-Nusra, Ahrar al-Sham, Jund al-Aqsa (dem IS angeschlossen) oder der Islamischen Turkestan-Partei. Aufgrund von Kämpfen gegen Jund al-Aqsa verließ man aber schnell wieder den Verband. Inzwischen unterstützen sie vor allem Ahrar al-Sham. Sie kämpften außerdem gegen die Northern Brigade (abgespalten von der Northern Storm Brigade) und hat Mitglieder von Harakat Nour al-Din al-Zenki aufgenommen. Die „Lions of Islam Brigade“ hingegen desertierte und schloss sich dem IS an. 

 

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1st Coastal Division

Ehemals bekannt als Liwa al-Aadiyat ist die eine Abspaltung der Ahfad al-Rasul-Brigade und in Latakia aktiv. Sie gehörte zu den ersten US-unterstützten Gruppen. Ihre Mitglieder besteht aus Arabern und Turkmenen von Jabal al-Akrad. Neben der USA gehört Katar zu den großen Geldgebern, einige Mitglieder wurden sogar extra in Katar ausgebildet und trainiert. Zusammen mit Ahrar al-Sham, al-Nusra und der Islamischen Turkestan-Partei eroberten sie Jisr al-Shughour, welches inzwischen von uigurischen Familien der ITP-Kämpfer kontrolliert wird. Medial bekannt sind sie für Abu Hamza, der zu den besten TOW-Schützen des Konfliktes gilt.

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Die zweite Küstendivision (kein Zusammenhang zur Ersten, wobei sie als Vorbild gilt) besteht primär aus Turkmenen und gilt als ein türkischer Proxy. Die türkischen, Grauen Wölfe assistieren der Gruppe aktiv, sowohl mit Kampfkraft, als auch mit Waffen und Logistik. Sie sind dafür bekannt auf die russischen Piloten in der Luft geschossen zu haben, die durch die türkische Luftabwehr 2016 abgeschossen wurden.

 

 

Al-Qaida könnte türkischen Grenzübergang erobern | Oppositionsinterne Kämpfe gehen weiter

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Free Idlib Army erhält Kafrnabel von Tahrir al-Sham als diplomatischer Vermittler

Die Kämpfe zwischen den zwei größten und islamistischen Oppositionsgruppierungen Ahrar al-Sham und Tahrir al-Sham dauern nun inzwischen seit drei Tagen in den Provinzen Idlib und Aleppo an. Die Kämpfe stellen derzeit eine Art „Bürgerkrieg im Bürgerkrieg“ da, deren Ausgang derzeit von Tahrir al-Sham dominiert wird. Großes Ziel scheint die Eroberung des einzigen türkischen Grenzüberganges der Opposition Bab al-Hawa zu sein.

Am Donnerstag kam es zu vielen Gebietsveränderungen, aber auch fraktionsinterne Proteste gegen die Kämpfe. Tahrir al-Sham eroberte al-Isqat, al-Abideen, al-Aqrabat, Zerdna, Atmeh imd dem Berg Babsiqa, der den Grenzübergang überblickt. Allesamt befinden sich die Orte im Umkreis der syrisch-türkischen Grenze. Das am Mittwoch eroberte Dorf Saraqeb wurde aufgegeben, nachdem die Bevölkerung dagegen protestiert hatte. Ahrar al-Sham selber eroberte nur Malaat al-Madiq in Nord-Hama. Gefechte finden nun beim Grenzübergang, bei Harim und nahe dem Flüchtlingslager von Atmeh statt.

Wesentlich spannender sind die Spaltungen auf beiden Seiten, wo einzelne Gruppen aus Protest gegen die Kämpfe und anderen Gründen sich abspalteten. Von Tahrir al-Sham spaltete sich nur Nour al-Din al-Zenki und Quwa al-Markaziyah ab, die sich vor einem Jahr dem Vorgänger Jabhat Fateh al-Sham anschloss. Al-Zenki ist für die lebendige Enthauptung eines 12-jährigen Kindes in Aleppo bekannt geworden und genoss zuvor amerikanische Unterstützung. Gründe waren neben den Kämpfen das Ignorieren der diplomatischen Rolle eines Fatwa-Komitees und des Juristen Abdul Razzaq al-Mahdi.

Ahrar al-Sham verließen hingegen mehrere Gruppen, die dennoch teilweise nur sehr klein sind. Darunter fallen Katibat Abu Mariyan, Liwa Usud al-Islam, Liwa Ahlu Sunnah, Katibat Fajr al-Islam, Saraya al-Farouq, Ghuraba al-Sham, Liwa al-Hijrah und Liwa al-Badia. Auch ist der Ahrar-Funktionär in der vorgestern eroberten Stadt Dana Jamil Yusuf Najjar übergelaufen.

Die Türkei versucht derweil, das Gleichgewicht wieder zugunsten von Ahrar al-Sham beeinflussen zu können. Nachdem man bereits den Grenzübergang vor einigen Tagen geschlossen hat scheint man ihn weiterhin für Truppen der türkischen Operation „Euphrates Shield“ geöffnet zu haben. Berichten zufolge erschienen bereits erste Brigaden vor Ort, nachdem sie von Nord-Aleppo verlegt wurden. Angeblich möchte man über 5000 Mitglieder nach Idlib schicken, die Zahl wird aber wahrscheinlich eher bei rund 500 liegen. Viele Mitglieder von Ahrar al-Sham werden in türkischen Krankenhäusern behandelt.

Außerdem soll es ein großer Gefängnisausbruch von 900 Gefangenen gekommen sein, darunter waren viele Schläferzellen des Islamischen Staates. Erst vor kurzem kam es zu einer größeren Razzia gegen ebendiese in Idlib, die immer wieder Zivilisten und Kämpfer mithilfe von Selbstmordattentätern töteten. Angeblich wurde auch der militärische und faktische Anführer von Tahrir al-Sham Mohammed al-Joulani bei einem Überfall auf seinen Konvoi leicht verletzt.

Eskalationen zwischen den beiden einst traditionellen Verbündeten (es gab sogar Verhandlungen über eine Vereinigung) sind nichts ungewöhnliches, besonders in Zeiten der Waffenruhe und damit ohne einen gemeinsamen Gegner. Inzwischen kämpfen beide Seiten über die Herrschaft von Idlib, Tahrir al-Sham wählte sogar strategisch den ehemaligen, internationalen Pressesprecher von Ahrar al-Sham Abu Jaber Shaykh zum Anführer (Emir). Dennoch ist die derzeitige Intensität ungewöhnlich, zuvor wurde noch nie derartig schwere Waffen eingesetzt und über ganz Idlib gekämpft.

Tahrir al-Sham und Ahrar al-Sham können beide Beziehungen zu al-Qaida aufweisen. Während Tahrir al-Sham (ehemals bekannt als al-Nura und Jabhat Fateh al-Sham) den offiziellen Ableger bzw. die offizielle Abspaltung ebendieser darstellt, sind die Beziehungen bei Ahrar al-Sham wesentlich versteckter. Der Mitbegründer Abu Khalid al-Suri z.B. war ein enger Freund von Osama bin Laden. Ohnehin durchlebt Ahrar al-Sham derzeit einen Imagewechsel hin zu einer „moderateren“ Position, z.B. legitimierte man die Verwendung der FSA-Flagge und deren Einbeziehung ins Logo. In al-Arateb sollen sie bereits angeblich mehrere Fahnen der FSA gehisst haben.

Syrische & libanesische Armee beginnen Grenzoperation gegen IS & HTS

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Die syrische Armee, die libanesische Armee und Hisbollah starteten am Donnerstag eine groß angelegte Offensive auf die verbliebenen Posten des Islamischen Staates und Tahrir al-Sham (HTS) in der Grenzregion um Arsal. Ziel ist die vollständige Rückeroberung der syrisch-libanesischen Grenze, die damit abgeschlossen wäre. Bereits Tage zuvor griff die syrische Luftwaffe koordiniert Stellungen des Gegners an.

Die Operation begann mit Artillerieangriffen und Luftschlägen auf  Juroud Arsal, Owiena und Dhohor Alhiweh. Bodentruppen wurden bisher noch nicht wirklich eingesetzt. Dennoch gibt es bereits unbestätigte Berichte von der Eroberung von Tel Borkan durch die Syrisch-Arabische Armee.

Es könnte sich womöglich um einer eher länger angelegte Operation handeln, da die dortige Region äußerst gebirgig ist und die beiden Gruppen mehrere Jahre die Möglichkeit hatten, Verteidigungsanlagen aufzubauen. Außerdem nutzt man aktiv Flüchtlingslager in der Umgebung, wie die Erstürmung eines Lagers zeigte.

CIA beenden angeblich Unterstützung der syrischen Opposition

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Amerikanisches TOW im Besitz von Ahrar al-Sham

Berichten zufolge hat der amerikanische Präsident Donald Trump der CIA den Befehl erteilt, die finanzielle und materielle Unterstützung der syrischen Opposition zu beenden. Er soll diese Entscheidung bereits vor einem Monat getroffen haben, kurz bevor es zu einem Treffen mit Putin in Hamburg kam. Die CIA wollte bisher nichts dazu sagen.

Dennoch ist es derzeit unklar, ob alle Fraktionen darin involviert sind. Die CIA selber unterstützte vor allem oppositionelle Gruppierungen in der Provinz Idlib, die eng mit Islamisten zusammenarbeiten. Im Süden Syriens hingegen nahmen die aggressiven Aktionen unter der Administration von Trump zu, nach der Ausbildung verschiedener Gruppen wie der „Neuen Syrischen Armee“ (inzwischen Jaysh Maghawir al-Thawra)  in Jordanien erklärte man das Gebiet an der syrisch-irakischen Grenze um al-Tanf einseitig zur „Deeskalationszone“, Verbündete der syrischen Armee durften sich nicht näher als 55km an al-Tanf annähern, ansonsten kam es zu (insgesamt fünf) Luftangriffen. Außerdem errichtete man mehrere Militärbasen in al-Tanf und im Territorium der SDF, die jedoch von dem neuen Entschluss nicht betroffen sein werden.

Auf jeden Fall werden diverse Kreise über diese Entwicklungen nicht erfreut sein und diesen Schritt als „Sieg Russlands“ beschreiben. Auch ist es ein Sieg für die syrische Regierung und einen Schritt näher an ein Ende des Konfliktes.