Syrische Armee erobert neue Orte in Idlib

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Nachdem es für mehrere Tage zu keinen Bodenveränderungen gab, startete die Syrisch-Arabische Armee unter der Führung ihrer Eliteeinheiten eine neuere, regional beschränkte Offensive nordwestlich der ehemalig umkämpften Stadt Kafr Naboudah in der Provinz Idlib. Bisher konnten sie ohne erwähnenswerten Widerstand vier Dörfer erobern. In der gesamten Provinz kommt es zu Flächenbombardements durch die syrischen und russischen Luftstreitkräfte, von der einst verhandelten Waffenruhe ist nichts mehr übrig. Trotz den neuen Eroberungen bleibt abzuwarten, ob sich die derzeitige Offensive ausweiten könnte oder die Armee zum einstigen Stillstand zurückkehrt.

Die Orte Al-Qasabiyah, Al-Humayrat, Al-Qarutiyah und Al-Qiratah konnten an der administrativen Grenze zwischen Idlib und Hama von der Eliteeinheit der „Tiger Forces“ am Dienstag gesichert werden. Dabei verloren die Islamisten mehrere Fahrzeuge, darunter auch mindestens einen Panthera-F9, welche die Türkei erst vor einem Jahr an die Opposition geliefert hatte. Die gesamte Region von Nord-Hama wird von der russischen und syrischen Luftwaffe bombardiert, Dutzende Verteidgungsstellungen, Militärkonvois zerstört und Islamisten getötet. Zunehmend kommt es zu Nachteinsätzen, wo oft Brandmunition verwendet wird. Bei diesen Angriffen starben auch mehrere Zivilisten, genaue Zahlen existieren dazu nicht.

Vor Ort sind vor allem Milizionäre der pro-türkischen „Nationalen Befreiungsfront“ unter der Führung der islamistischen Ahrar al-Sham und die radikalislamistische Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Jabhat Fateh al-Sham und al-Nusra) aktiv und stellen das Gros der eingesetzten Kräfte. Auch die regional verwurzelte Jaish al-Izzah ist präsent. Neuerdings strömen auch Einheiten aus Nord-Aleppo an die Front, also aus jener Region, die von der Türkei fast vollständig kontrolliert wird und die dortigen Islamisten massiv finanziert und unterstützt.

Russland und die Türkei einigten sich vor mehreren Monaten gemeinsam auf eine etwa 15 bis 20 Kilometer breite „demilitarisierte Zone“ entlang der Frontlinien in den Provinzen Idlib, Hama und Aleppo. Diese Pufferzone soll eine militärische Eskalation der derzeitigen Situation in Idlib verhindern, die letzte von der Opposition bzw. Islamisten gehaltene Provinz in Syrien. Die Kontrolle sollen dann türkische und russische Patrouillen in einem Gebiet übernehmen, welches vom Latakia-Gebirge bis an die Großstadt Aleppo reicht. Mit diesen Verhandlungen konnten beide Länder eine lange vorbereitete und angekündigte Großoffensive der Syrisch-Arabischen Armee zumindest vorerst aufhalten. Ein Großteil der türkischen Observierungspunkte wurden bei Beginn der Operation mithilfe von Helikoptern verlassen, wovon Einige wenig später wieder besetzt wurden.

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