Islamischer Staat attackiert kurdische Stellungen

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Der Kampf zwischen den von den USA unterstützten „Syrisch Demokratischen Kräften“ (SDF) und dem Islamischen Staat dauert weiterhin in Ostsyrien an, erneut führten IS-Kämpfer eine Offensive auf die Verteidigungspositionen des kurdisch-arabischen Milizenbündnisses aus, die SDF verklagt dabei schwere Verluste, während sie selber die Initiative gegen den Islamischen Staat in der Provinz Deir ez-Zor verloren hat und sich stattdessen auf eine Verteidigung konzentriert. Derweil kommt es in der größten, unter SDF-Kontrolle stehenden Stadt Raqqah zu Protesten und Rangeleien zwischen kurdischen Milizionären und der arabischen Bevölkerung, die seit der Wiedereroberung in einer völlig zerstörten Stadt leben müssen.

IS-Medien berichteten am Donnerstag auf einen groß angelegten Angriff auf die Militärstellungen der SDF nördlich von Haijin, derzeit die größte Stadt unter der Kontrolle des Islamischen Staates. Mithilfe von Selbstmordattentätern, Autobomben (SVBIEDs) und Panzerabwehrwaffen sollen sie nach eigenen Angaben 30 SDF-Kämpfer getötet und mehrere Basen überrennt haben. Dazu wurde auch ein Video veröffentlicht, welches die Eroberung mehrerer Stellungen zeigt und wie man von dort aus Straßen mithilfe von Pick-Up-Trucks blockierte. Später zog man sich unter den Luftangriffen der USA zurück, konnte aber insgesamt als gestärkt aus der Situation hervorgehen. Außerdem hat der Islamische Staat zwei Zivilisten entführt und ermordet, da sie angeblich mit der Anti-IS-Koalition kooperiert haben.

Fernab der Frontlinien sieht die Situation für die SDF nicht besser aus. In Raqqah kam es erneut zu Protesten in der Nacht, in dessen Folge mit Barrikaden und brennenden Autoreifen Straßen blockiert wurden. Anlass sollen Streitigkeiten durch einen SDF-Kämpfer gewesen sein, der eine Frau belästigt haben soll. Ein Einwohner ist dazwischen gegangen und wurde daraufhin geschlagen. Seitdem kommt es zu kleineren Aufständen im Zentrum der weiterhin völlig zerstörten Innenstadt. Die Lage in Raqqah ist weiterhin angespannt, da die Bevölkerung selbst nach über einem Jahr immer noch keine gesicherte Wasser- und Stromversorgung haben und selbst zentrale Plätze wie am Naem-Kreisverkehr sind völlig zerstört. Es gibt kaum Geld für den Wiederaufbau der zerstörten Gebäude, was ein starker Kontrast zu Orten wie Aleppo darstellt.

Der Kampf zwischen SDF und Islamischem Staat dauert seit fast einem Jahr im Euphrat-Tal an. Nach anfänglichen Erfolgen wurde die Operation „Jazira Storm“ immer wieder verzögert, meist aus verschiedenen Faktoren. Generell werden mehrere Gründe für den ausbleibenden Erfolg gegen den IS genannt: Der für die Operationen zuständige Militärrat genießt einen schlechten Ruf bezüglich militärischer Kompetenzen und ist eher mit Vorwürfen der Korruption und Rekrutierung ehemaliger IS-Mitglieder beschäftigt. Zudem bestehen die Einheiten größtenteils aus Kurden und Araber, die weit entfernt von ihrer eigentlichen Heimat im Norden kämpfen. Einigen Aussagen zufolge soll die USA aber einen effektiven Endschlag gegen den Islamischen Staat verhindern, so würde damit eine Legitimation für die weitere Präsenz in Syrien wegfallen. Außerdem attackieren die Dschihadisten immer wieder die Städte der syrischen Regierung auf der anderen Uferseite, wodurch sie sich untereinander schwächen.

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