Über 70 Stämme rufen zum Kampf gegen USA und Kurden im Norden Syriens auf

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In der Stadt Deir Hafer östlich der nordsyrischen Millionenstadt Aleppo trafen sich Vertreter von über 70 Stämmen und der syrischen Regierung, um sich auf ein gemeinsames Vorgehen gegen die „ausländischen Truppen [USA] und die von ihnen unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF)“ zu einigen. Demnach werden neue Kampfverbände gegründet die gegen das kurdisch-arabische Milizenbündnis vorgehen soll und dabei aktiv die syrische Regierung unterstützen. Diese Stämme stammen aus den Provinzen Rakka, al-Hasakeh und Aleppo, also primär aus jenen Gebieten, die derzeit unter der Kontrolle der SDF stehen. Es bleibt abzuwarten ob es sich hierbei nur um eine diplomatische Protestnote handelt oder tatsächlich der Beginn eines bewaffneten Kampfes bedeutet.

Nach zwei Tagen veröffentlichte man ein Acht-Punkte-Plan, wo man die Regierung als einzigen legitimen Herrscher des gesamten syrischen Territorium deklariert, gegen eine Teilung des Landes, Bündnis mit der syrischen Armee und vieles mehr. Die USA, Türkei und Frankreich sollen gewaltsam besiegt und vertrieben werden, um die „ausländische Okkupation“ zu beenden.

Dabei beschloss man auch die Gründung des Dachverbandes mit dem Namen „Tribal Popular Resistance“, ein neue Milizen unter der Kontrolle der verschiedenen arabischen Stämme. Dennoch sind nähere Details wie die Größe der Streitkräfte völlig unbekannt, sollten sich aber auf dem Niveau von Hunderten bis Tausenden Kämpfern befinden.

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Kleine Militärparade in Deir Hafer anlässlich des Treffens

Neben Vertretern der jeweiligen Stämme und ihre Anführer waren auch einzelne Milizen wie „Liwa al-Quds“ oder „al-Baqir“ aus Aleppo oder die syrische Armee anwesend. Eine Delegation aus der gleichnamigen Provinzhauptstadt al-Hasakeh wurde von kurdischen Polizeistreitkräften auf ihren Weg nach Deir Hafer verhaftet.

Die SDF hat in letzter Zeit wieder zunehmend mit Protesten gegen ihre Präsenz zu kämpfen, besonders die einstige Großstadt al-Raqqah und Manbij sind davon betroffen. In den letzten Tagen kam es in Rakka nahezu täglich zu neuen, kleineren Protesten, wobei mehrere Demonstranten gefangen genommen wurden. Vor einem Monat kam es sogar zu größeren Protestzügen durch den Ort. Die Stadt gilt traditionell als Hochburg der syrischen Regierung.

Im Norden und Osten Syriens bilden die arabischen Stämme noch wichtige politische Instanzen und Bewegungen, auf dessen Unterstützung die jeweils herrschende Gruppierung angewiesen ist. In weiten Teilen des Nordens, vor allem in der Region um Rakka, gelten die SDF und vor allem die Kurden als äußerst verhasst. Es ist unklar welch ein politisches Gewicht diese 70 Verbände besitzen werden, jedoch sollte diese Entwicklung nicht unterschätzt werden.

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