Islamischer Staat erobert mehrere Dörfer, erreicht irakische Grenze

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Ein militärisches Desaster hat sich im ostsyrischen Euphrat-Tal für die von den USA unterstützten „Syrischen Demokratischen Kräften“ (SDF) ereignet: In Folge eines fatalen Gegenangriffes des Islamischen Staates mussten sich die SDF-Verbände aus den in den letzten Monaten hart erkämpften, eroberten Gebieten zurückziehen und dabei schwere Verluste erleiden, Dutzende Kämpfer wurden getötet oder gefangen genommen. Inzwischen wurden mehrere Islamisten bei der irakischen Grenze gesichtet. Der Islamische Staat kontrolliert nur noch wenige Dörfer und Städte am nördlichen Euphrat-Ufer in Syrien, wurde dennoch seit über einem Jahr nicht von der SDF besiegt – sei es aus politischen oder militärischen Unwillen.

Aufgrund eines großen Sandsturmes, die bereits schon seit Tagen andauert, konnte die USA nicht mit ihrer Luftwaffe eingreifen und somit waren die SDF-Verbände unter dem Kommando des eher fragwürdigen „Deir ez-Zor-Militärrates“ auf sich alleine gestellt, was dem IS perfekte Bedingungen für eine Gegenoffensive ermöglichte. In nur wenigen Stunden wiedereroberten die Dschihadisten die Dörfer al-Susah, Baghuz und al-Safafinah, belagerten später auch Baghuz Taftani und Jabal Baghuz. Von vielen Orten hat sich die SDF zurückgezogen, da sie nicht mehr zu verteidigen waren. Am Ende des Tages konnte man über zehn Kilometer bis an die irakische Grenze vorrücken und einigen Angaben zufolge fast 70 SDF-Kämpfer töten und Einige gefangen nehmen.

Die Internationale Anti-IS-Koalition unter der Führung der USA hat bereits in einem Statement Fehler eingeräumt. Demnach hat man bei den Wetterverhältnissen nicht mit einem IS-Angriff von dieser Intensität erwartet. Als Reaktion darauf soll nun Verstärkung geschickt werden, neben schweren Waffen und Fahrzeugen wie Panzern sollen auch Einheiten der kurdischen YPG bzw. deren Spezialeinheiten („HAT“) dorthin gebracht werden. Wahrscheinlich werden auch amerikanische und französische Spezialeinheiten ihre Präsenz vor Ort ausbauen. Auf irakischer Seite hat man Einheiten der Armee und Milizen von Hashd al-Shaabi an die Grenze zusammengezogen, um eine mögliche Gefahr abzuwenden.

Der Kampf zwischen SDF und Islamischem Staat dauert seit fast einem Jahr im Euphrat-Tal an. Nach anfänglichen Erfolgen wurde die Operation „Jazira Storm“ immer wieder verzögert, meist aus verschiedenen Faktoren. Generell werden mehrere Gründe für den ausbleibenden Erfolg gegen den IS genannt: Der für die Operationen zuständige Militärrat genießt einen schlechten Ruf bezüglich militärischer Kompetenzen und ist eher mit Vorwürfen der Korruption und Rekrutierung ehemaliger IS-Mitglieder beschäftigt. Zudem bestehen die Einheiten größtenteils aus Kurden und Araber, die weit entfernt von ihrer eigentlichen Heimat im Norden kämpfen. Einigen Aussagen zufolge soll die USA aber einen effektiven Endschlag gegen den Islamischen Staat verhindern, so würde damit eine Legitimation für die weitere Präsenz in Syrien wegfallen. Außerdem attackieren die Dschihadisten immer wieder die Städte der syrischen Regierung auf der anderen Uferseite, wodurch sie sich untereinander schwächen.

Die syrische Regierung kann auf diesen Kampf keinen Einfluss nehmen, da die USA den Euphrat als eine Grenze für die einseitig ausgerufene „Deeskalationszone“ erklärte und die syrische Armee somit nur auf das südliche Ufer beschränkt ist, wo der IS bereits 2017 vertrieben wurde. Das hinderte den Islamischen Staat jedoch nicht an einen Überfall über den Euphrat, wo man nahe Abu Kamal angeblich einen Soldaten entführte.

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