Islamischer Staat überrennt SDF-Stellungen

DszF2KFWoAAXJWe.jpg

Der Islamische Staat ist im Euphrat-Tal wieder im Aufwind: Nach erfolgreichen Gegenoffensiven und Überfällen auf Einheiten der von den USA unterstützten „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF) konnte der Islamische Staat mehrere Positionen erobern und zumindest zeitweise eine neue Stadt halten. Erst unter amerikanischer Unterstützung konnte der IS-Angriff zurückgeworfen werden, jedoch wurden in diesem militärischen Debakel Dutzende SDF-Kämpfer gefangen genommen und viele Waffensysteme erbeutet. Es wird immer unwahrscheinlicher, dass die SDF den Islamischen Staat im näheren Zeitraum aus dem Euphrat-Tal effektiv vertreiben kann und der IS damit eine ständiges Kerngebiet halten kann.

Inmitten eines Nebels attackierten Hunderte IS-Kämpfer die Stadt al-Bahrah, wenige Kilometer nördlich von Haijin, der größte Ort unter der Kontrolle der Dschihadisten. Nach einem Exodus der arabischen Bevölkerung attackierten IS-Kämpfer mithilfe von Selbstmordattentätern und selbstgebauten Transportern die Stadt und konnten sie zumindest teilweise halten. Erst mit der Unterstützung der amerikanischen Luftwaffe konnte der Angriff zurückgeschlagen werden. Das Ergebnis: 15 SDF-Kämpfer (davon ein Assyrer) wurden gefangen genommen, die meisten davon werden wahrscheinlich exekutiert. Zudem wurden viele Waffen gesichert, von Panzerabwehrwaffen wie RPGs bis zu amerikanischen Humvees. Insgesamt konnten mehrere Kontrollpunkte überrannt und Dutzende Kämpfer getötet werden.

Die dem Islamischen Staat nahe stehende Nachrichtenagentur AMAQ hat für die Angriffe ungewöhnlich viele Videos und Bilderalben veröffentlicht, die die Gefechte und erbeuteten Waffen zeigen. Dabei konnte man auch sehen, wie die SDF-Kämpfer in ihrer isolierten Position zunächst umkreist wurden und daraufhin kapitulierten. Angeblich soll der IS auch einen Checkpoint mithilfe von erbeuteten SDF-Uniformen nördlich von al-Bahrah errichtet haben, um nötige Verstärkungen hinauszuzögern. Auf der anderen Seite sollen bis zu 40 IS-Kämpfer beim Vorstoß getötet worden sein, Einer davon wurde von der wütenden Lokalbevölkerung enthauptet.

Der Kampf zwischen SDF und Islamischem Staat dauert seit fast einem Jahr im Euphrat-Tal an. Nach anfänglichen Erfolgen wurde die Operation „Jazira Storm“ immer wieder verzögert, meist aus verschiedenen Faktoren. Generell werden mehrere Gründe für den ausbleibenden Erfolg gegen den IS genannt: Der für die Operationen zuständige Militärrat genießt einen schlechten Ruf bezüglich militärischer Kompetenzen und ist eher mit Vorwürfen der Korruption und Rekrutierung ehemaliger IS-Mitglieder beschäftigt. Zudem bestehen die Einheiten größtenteils aus Kurden und Araber, die weit entfernt von ihrer eigentlichen Heimat im Norden kämpfen. Einigen Aussagen zufolge soll die USA aber einen effektiven Endschlag gegen den Islamischen Staat verhindern, so würde damit eine Legitimation für die weitere Präsenz in Syrien wegfallen. Außerdem attackieren die Dschihadisten immer wieder die Städte der syrischen Regierung auf der anderen Uferseite, wodurch sie sich untereinander schwächen.

Advertisements