Kurdischer Widerstand tötet türkische Soldaten in Afrin

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Die inzwischen vollständig von der Türkei und ihre syrischen Stellvertreter beherrschte Region Afrin im Nordwesten Syriens kommt weiterhin nicht zur Ruhe. Tagtäglich sorgen kurdische Milizionäre für Verluste in den Reihen der Islamisten, im Untergrund dauert ein brutaler Guerillakampf gegen die derzeitigen „Besatzer“ an, die wiederum die über Jahre hinweg aufgebaute Zivilgesellschaft und Lebensgrundlage der Bewohner Afrins zerstören. Es ist kein Ende für die immer öfters auftretenden Attentate und Anschläge in Sicht, so wurden zuletzt sogar zwei türkische Soldaten ermordet. Besonders in der kurdischen Bevölkerung findet der Widerstand enorme Beliebtheit.

Am Donnerstag konnten Guerillakämpfer der sogenannten Gruppierung „Wrath of the Olives“ (eine Anspielung auf die für Afrin berühmten Olivenbäume und den Namen der türkischen Operation „Olive Branch“), welches hauptsächlich aus Kämpfern der kurdischen „Volksverteidigungseinheiten“ (YPG) besteht, zwei türkische Soldaten im Dorf Kimar töten, wie das türkische Verteidigungsministerium bestätigt. Mithilfe von Lenkwaffen attackierten sie einen türkischen Außenposten in der Nähe und beschädigten ihn dabei. Diese Aktion führte wenig später zum Artilleriebeschuss von YPG-Stellungen in Tel Rifaat, seit der türkischen Eroberung von Afrin eine kleine Exklave die von Kurden und syrischer Regierung gemeinsam verwaltet wird.

Ein weiterer Vorfall in letzter Zeit stellt ein versuchter Bombenanschlag mithilfe eines Motorrades dar, welcher aber auf dem Weg zu seinem Ziel (Afrin) aufgehalten und detoniert wurde. Dennoch starben dabei zwei Zivilisten, eigentlich sollte eine Polizeistation attackiert werden. Dass unschuldige Personen vom Guerillakampf betroffen sind ist ein Novum und wird zu einem schlechteren Ruf bei der ansonsten so beliebten kurdischen Bevölkerung führen. Vor wenigen Stunden ereignete sich eine weitere Explosion auf einem Markt in Afrin, in dessen Folge mehrere Zivilisten getötet oder verletzt wurden. Der Täter ist bisher nicht bekannt. Außerdem tötete Wrath of the Olives immer wieder Kämpfer verschiedener islamistischer Milizen, so überfielen sie z.B. einen Militärkonvoi von Sultan Murad und töteten dabei zwei Kämpfer und zerstörten mehrere Fahrzeuge.

Die bisherigen Ziele beschränken sich vor allem auf die Kämpfer verschiedener Organisationen, darunter beispielsweise die Sarmakad-Brigade, Mustafa-Regiment, Faylaq a-Sham oder Ahrar al-Sham. Aber es wurden auch Lokalpolitiker exekutiert, so wurde der Politiker Akash Ahmed vor zwei Monaten getötet,  welcher Mitglied im von der Türkei gebildeten Stadtrat Afrins ist. Generell scheint die Frequenz der getöteten Kämpfer zugenommen zu haben, fast täglich kommt es dadurch zumindest zu einem Toten. Inzwischen attackiert man auch vermehrt Pick-Ups, in denen sich meist vier pro-türkische Söldner befinden. Bei Jinderes könnten sie sogar einen T-55-Panzer erfolgreich zerstören.

Die Unterstützung für die Volksverteidigungseinheiten nährt sich auch aus der destruktiven Wut der Islamisten. Derzeit versucht man die weitläufigen Olivenplantagen zu zerstören und die dadurch entstandenen Hölzer gewinnbringend in die Türkei zu verkaufen. Afrin ist nicht nur bekannt für seine Olivenbäume, auch haben Oliven vor Ort eine enorme symbolische Bedeutung (nicht umsonst nannte die türkische Armee ihre Offensive in Afrin „Operation Olivenzweig“). Immer wieder entstehen Brände auf den Plantagen, die den Aufständischen zugeschrieben werden. Die noch aus dem 19. Jahrhundert stammenden Eisenbahnstrecken werden von verschiedenen Organisationen abgebaut und das Metall eingeschmolzen, alles für den eigenen Gewinn.

Hinzu kommen die Entführungen, wo angebliche YPG-Anhänger gefoltert und meist erst nach einer hohen Lösegeld freigelassen. Die islamistische Organisation Ahrar al-Sharqiya hat nach eigenen Angaben fünf Kämpfer von Faylaq al-Sham dabei erwischt, wie sie ein Mitglied von al-Sharqiya entführen wollten, den sie für einen Zivilisten hielten. Der Machtkampf macht inzwischen nicht mehr vor den eigentlichen Verbündeten Halt.  Seit der „Befreiung“ durch türkische Verbände regiert in Afrin die Korruption.

 

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