Islamischer Staat hält nur noch fünf Orte in Syrien

Ahmed Abu Kholeh, head of the Deir al-Zor military council which fights under the SDF, speaks during a press conference in the village of Abu Fas

Der Islamische Staat scheint im ostsyrischen Euphrat-Tal fast vollständig besiegt zu sein: Innerhalb der letzten Wochen konnte das kurdisch-arabische Milizenbündnis der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) mit amerikanischer Unterstützung den Islamischen Staat aus viele seiner Hochburgen nahe dem irakischen Grenzgebiet vertreiben und das Herrschaftsgebiet Terrormiliz damit auf ein Gebiet mitsamt fünf Dörfern reduzieren. Sollte die derzeitige Operation „Jazira Storm“ weiterhin so erfolgreich verlaufen, könnte der Islamische Staat in den kommenden Wochen offiziell keine Gebiete mehr in Syrien halten. Trotz des geplanten US-Abzuges leisten amerikanische Spezialeinheiten und Kampfjets am Boden und in der Luft weiterhin Unterstützung.

Auch weiterhin kommt es zu intensiven Gefechten zwischen SDF-Kampfverbänden und Kämpfern des Islamischen Staates. Besonders die Städte al-Shafah im Norden und Baghuz al-Faqwani am südlichen Ende sind hart umkämpft, seit Tagen kommt es in Shafah zum gegenseitigen Artilleriewechsel. Der Islamische Staat setzt alle seine letzten, vorhandenen Ressourcen in Form von Scharfschützen, Minenfeldern und Selbstmordattentätern ein, unter den IS-Kämpfer befinden sich weiterhin viele Extremisten aus dem Ausland. So konnte die SDF zwei Amerikaner, zwei Pakistaner und ein Iren gefangen nehmen. Bei Gefechten um al-Shafah wurden durch einen ATGM-Angriff zwei britische Soldaten schwer verletzt und kurz darauf in ihre Heimat transportiert, wo sie nun behandelt werden.

Der letzte größere Ort unter vollständiger IS-Kontrolle lautet al-Susah, welches einst 8.800 Einwohner besaß und etwa 20 Kilometer zur irakischen Grenze entfernt liegt. Neben al-Susah besitzen die Islamisten noch die Orte  Shajlah, Salafinah, Marashidah, und al-Shafah, letzterer Ort ist jedoch seit Tagen hart umkämpft und etwa zur Hälfte in den Händen arabischer SDF-Einheiten.

Der Kampf zwischen SDF und Islamischem Staat dauert seit fast einem Jahr im Euphrat-Tal an. Nach anfänglichen Erfolgen wurde die Operation „Jazira Storm“ immer wieder verzögert, meist aus verschiedenen Faktoren. Generell werden mehrere Gründe für den ausbleibenden Erfolg gegen den IS genannt: Der für die Operationen zuständige Militärrat genießt einen schlechten Ruf bezüglich militärischer Kompetenzen und ist eher mit Vorwürfen der Korruption und Rekrutierung ehemaliger IS-Mitglieder beschäftigt. Zudem bestehen die Einheiten größtenteils aus Kurden und Araber, die weit entfernt von ihrer eigentlichen Heimat im Norden kämpfen. Einigen Aussagen zufolge soll die USA aber einen effektiven Endschlag gegen den Islamischen Staat verhindern, so würde damit eine Legitimation für die weitere Präsenz in Syrien wegfallen. Außerdem attackieren die Dschihadisten immer wieder die Städte der syrischen Regierung auf der anderen Uferseite, wodurch sie sich untereinander schwächen.

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