Islamischer Staat überrennt in Nigeria mehrere Orte & Militärbasen

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Einer der erbeuteten Panzer, nachdem der IS mehrere Militärbasen erfolgreich überrennen konnte

Der Islamische Staat kann im afrikanischen Land Nigeria seine Macht kontinuierlich ausbauen und gehört inzwischen zweifelsohne zu den stärksten Ablegern der Terrormiliz. Zur Jahresende konnte der „Islamische Staat in Westafrika“ (ISWA) mehrere erfolgreiche Überfälle durchführen und dabei mehrere Orte im Norden des Landes erobern. Dutzende Soldaten wurden bei Gefechten getötet oder gefangen genommen, schweres Militärequipment wie mehrere Panzer konnten erbeutet werden. Schritt für Schritt läuft ISWA Boko Haram als größte und wichtigste islamistische Gruppierung in Nigeria den Rang ab, von der aus eine völlig neue Gefahr des Terrors in Westafrika enstehen könnte.

Ende Dezember überrannten Truppen des Islamischen Staates mehrere Orte und einen Militärstützpunkt nahe der Grenze zum nördlichen Nachbarland Tschad. Unter den eroberten Dörfern befindet sich auch die 50.000 Einwohner zählende Stadt Baga, darin fanden sie auch Unmengen an Waffen und Munition, welche von der geflüchteten, nigerianischen Armee zurückgelassen wurden. Weitere eroberte Orte sind das umliegende Shuwari, Kukawa, Kauwa und der örtliche Militärstützpunkt, nahe dem See Tschad liegt eine ebenfalls überrannte Basis.  Dort soll es angeblich zu Dutzenden an Exekutionen und Gefangennahmen gekommen sein, viele Menschen werden noch vermisst. Alleine in der letzten Woche wurden laut realistischen Schätzungen bis zu 140 nigerianische Soldaten getötet. Die Militärbasis wird zudem von der Multinational Joint Task Force genutzt. Derzeit finden die Gefechte bei Sabun Gari und Buni Gari statt, wo Nigeria bereits einen Helikopter verloren hat.

Dem nigerianischen Verteidigungsministerium zufolge habe man die Situation unter Kontrolle, auch wenn Baga größtenteils von Terroristen kontrolliert werde, dauern Gefechte mit den lokalen Streitkräften weiterhin an. Das Militär hat jedoch bereits in der Vergangenheit stets schönernde Berichte veröffentlicht, dementsprechend kritisch sollten derartige Statements gesehen werden. Offizielle Medienkanäle des Islamischen Staates veröffentlichten mehrere Bilder, die erbeutetes Equipment, getötete Soldaten und zerstörte Militärbaracken zeigen. In einem Video werden die Waffensysteme stolz in der eroberten Militärbasis nahe Tschad gezeigt, darunter mehrere Fahrzeuge und zwei Panzer.

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Bilder von Gefechten in der Region um Damask

Bei dem „Islamischen Staat in Westafrika“ handelt es sich im Falle Nigerias um eine Abspaltung von Boko Haram, die noch zuvor den radikaleren Flügel darstellten. Auch wenn Boko Haram dem IS-Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi die Treue geschworen hat, gilt die Unterstützung des IS weiterhin dem radikaleren Flügel unter Abu Mus’ab al-Barnawi. Auch in anderen Ländern Afrikas wie in Niger oder Burkina Faso sind die Dschihadisten aktiv. Inzwischen wird ISWA als der stärkere Teil angesehen und besitzt die engsten Verbindungen zum IS im Nahen Osten. Vor allem die Ideologie, Strategien und Taktiken werden nahezu 1:1 von dort übernommen, was auch die letzten Erfolge erklären.

Erst Mitte Dezember stürmten IS-Kämpfer eine Militärbasis bei Gudumbali und erbeuteten dabei mehrere Fahrzeuge und töteten Dutzende an Soldaten. Zu Weihnachten überfielen etwa 20 Islamisten ein Militärkonvoi im Nordosten Nigerias. Am 1. September tötete der Islamische Staat in Nigeria über 30 Armeesoldaten bei Zari, neun Tage später wurden Hunderte Zivilisten aus der Stadt Gudumbali aufgrund der Kooperation mit der nigerianischen Armee entführt und teilweise getötet. Insgesamt häufen sich die Angriffe des Islamischen Staates in seinen afrikanischen Einflussgebieten, sowohl quantitativ, als auch qualitativ.

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