Tausende fliehen aus den letzten Quadratmetern des IS

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Im Osten verweilen weiterhin Hunderte IS-Kämpfer und ihre ebenso extremistischen Familienangehörige  in einem Zeltlager von wenigen Quadratmetern, die von den USA unterstützten „Syrischen Demokratischen Kräften“ (SDF) schließen den Belagerungsring immer weiter, geben aber genügend Fluchtwege für „normale“ Zivilisten und kapitulierende IS-Kämpfer, die Meisten davon kommen aus dem Westen oder Zentralasien. Trotz der kleinen Fläche flohen in den vergangenen Woche bis zu 5.000 Flüchtlinge aus dem Ort nur wenige Kilometer von der irakischen Grenze entfernt, Hunderte bis Tausende sollen weiterhin eingeschlossen sein. Vom einstigen Kalifat ist nicht mehr viel übrig, aber der Islamische Staat ist noch lange nicht geschlagen.

In der Nähe des Dorfes al-Baghouz befindet sich die letzte Enklave des Islamischen Staates, eng beieinander müssen Zivilisten, Kämpfer und Geistliche mit ihrem letzten Hab und Gut in diesem etwa 2km² großem Gebiet ausharren. Schätzungsweise über 12.000 Menschen hielten sich zeitweise in diesem Ort auf, durch ein komplexes, vom IS erschaffenes Tunnelsystem konnten unter der Erde viele Menschen Schutz finden. Während zu Beginn nur Zivilisten flüchteten, kapitulieren inzwischen auch Hunderte Dschihadisten, welche vorübergehend in SDF-Gefängnisse im Norden des Landes gebracht werden. Die Kämpfe sind nahezu erloschen, jedoch soll weiterhin ein kleiner radikaler Kern jegliche Verhandlungen mit dem kurdisch-arabischen Milizenbündnis ablehnen und sich für ein finales Gefecht bereit machen.

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Kapitulierte IS-Kämpfer werden von al-Baghouz weggebracht

Trotz der Niederlage des Islamischen Staates als territoriales Konstrukt wird er weiterbestehen und zu seiner alten Identität als Guerillamiliz zurückkehren. Bereits heute hat die Anzahl der Anschläge und Attentate im Territorium der SDF bzw. kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) erheblich zugenommen, gerade die Provinzen Raqqah und Hasakah kommt es nahezu wöchentlich zu Angriffen auf diverse Institutionen oder Stammesführer. Die Anschläge auf US-Truppen stellen dabei das bisherige Novum dar, innerhalb einer Woche wurden zwei US-Militärkonvois angegriffen, wobei vier Amerikaner starben. Auch in den Randgebieten der syrischen Regierung gibt es vermehrt Berichte, dass der IS die Unwirtlichkeit der syrischen Wüste für sich ausnutzt und von dort vermehrt Angriffe vor allem auf die drusische Bevölkerung in Suweida ausführt.

Besonders im Irak hat der Islamische Staat nach wie vor eine enorme Präsenz im westlichen Teil des Landes, trotz der durchaus effektiven Maßnahmen des Staatsapparates, welcher z.B. bei einer Anti-Terror-Operation in Anbar Hunderte Guerillakämpfer festgenommen konnte und die wichtigen Versorgungsstraßen im Lande sichert. Dennoch gehören gerade die ländlichen Regionen in der Nacht der Terrormiliz, dort führen sie nahezu ungestört Attentate auf feindliche Stammesführer, Militärs oder Beamte statt. Gerade Kirkuk und die Wüstenprovinz Anbar sind davon betroffen.

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