Zehntausende fliehen vor dem letzten IS-Widerstand

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Der Kampf gegen die letzte Enklave des Islamischen Staates in Syrien geht in den dritten Monat, auch weiterhin können sich die Dschihadisten in ihren letzten, etwa ein Quadratkilometer großem Zeltlager halten, trotz der massiven Unterstützung westlicher Spezialeinheiten und der amerikanischen Luftstreitkräfte. Zehntausende Menschen flohen aus diesem kleinem Gebiet, Tausende IS-Kämpfer, meist aus Europa oder Zentralasien, erkannten die Aussichtslosigkeit des Kampfes und kapitulierten. Dennoch sind die verbliebenen IS-Kräfte weiterhin Unwillens, aufzugeben und greifen inzwischen sogar auf die nicht minder radikalen Frauen als Kämpfer zurück. In einem neu veröffentlichten Propagandavideo aus dem Gebiet schwören sie Rache an dem Westen.

Das nur wenige Kilometer entfernt liegende Dorf al-Baghouz ist temporäres Auffanglager für die inzwischen auf bis zu 50.000 Menschen anwachsende Zahl an Flüchtlingen, der SDF ist es trotz internationaler Hilfe nur schwer möglich, so viele Menschen auf einmal in einem (ehemaligen) Kriegsgebiet versorgen zu können. Darunter befinden sich auch bis zu 2.000 IS-Kämpfer, welche fast ausschließlich ausländischer Herkunft sind und sich dem Jihad verschrieben haben. Viele ihrer Familienangehörigen sind nicht minder radikal und bewerfen und beschimpfen beispielsweise SDF-Kämpfer, Journalisten und gerade Frauen ohne Kopftuch als Ungläubige.

Am 11. März veröffentlichte ein übrig gebliebenes Medienteam des Islamischen Staates ein letztes Video über die Geschehnisse und Verhältnisse innerhalb ihres kleinen Territoriums. Dabei riefen sie vor allem zu Anschlägen in der Welt auf und dass man hier kapitulieren solle, um so an einem anderen Tag noch kämpfen zu können. Damit zeigt der Islamische Staat weiterhin seine Ambitionen als internationale Terrororganisation auf, an dessen Ziel das Kalifat steht. Dies wird aber nun durch andere Mittel erreicht – dem Guerillakampf.

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Screenshot aus dem letzten IS-Video, welches das restliche Gebiet unter dschihadistischer Kontrolle zeigt

Trotz der Niederlage des Islamischen Staates als territoriales Konstrukt wird er weiterbestehen und zu seiner alten Identität als Guerillamiliz zurückkehren. Bereits heute hat die Anzahl der Anschläge und Attentate im Territorium der SDF bzw. kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) erheblich zugenommen, gerade die Provinzen Raqqah und Hasakah kommt es nahezu wöchentlich zu Angriffen auf diverse Institutionen oder Stammesführer. Die Anschläge auf US-Truppen stellen dabei das bisherige Novum dar, innerhalb einer Woche wurden zwei US-Militärkonvois angegriffen, wobei vier Amerikaner starben. Auch in den Randgebieten der syrischen Regierung gibt es vermehrt Berichte, dass der IS die Unwirtlichkeit der syrischen Wüste für sich ausnutzt und von dort vermehrt Angriffe vor allem auf die drusische Bevölkerung in Suweida ausführt.

Besonders im Irak hat der Islamische Staat nach wie vor eine enorme Präsenz im westlichen Teil des Landes, trotz der durchaus effektiven Maßnahmen des Staatsapparates, welcher z.B. bei einer Anti-Terror-Operation in Anbar Hunderte Guerillakämpfer festgenommen konnte und die wichtigen Versorgungsstraßen im Lande sichert. Dennoch gehören gerade die ländlichen Regionen in der Nacht der Terrormiliz, dort führen sie nahezu ungestört Attentate auf feindliche Stammesführer, Militärs oder Beamte statt. Gerade Kirkuk und die Wüstenprovinz Anbar sind davon betroffen.

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