Syrische Armee erobert zweitgrößte Stadt Idlibs

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Nachdem die Syrisch-Arabische Armee (SAA) ihre Operation in der letzten, noch von Islamisten kontrollierten Provinz Idlib wiederaufgenommen haben, ergibt sich bereits nach nur zwei Tagen ein eindeutiges Bild: Nach minimalen Kämpfen konnten die syrischen Streitkräfte mehrere Städte erobern und die zweitgrößte Stadt der Provinz, der einst 60.000 Einwohner zählende Ort Maraat al-Numan, vollkommen sichern. Damit konnten sie das erste Ziel in der neuesten Offensive erreichen. Ohne nennenswerten Widerstand konnten Siedlungen entlang der M5-Autobahn gesichert werden und im Norden sogar auf halben Weg auf die nächste strategisch wichtige Stadt Saraqib vorrücken. Außerdem konnten sie erneut Dutzende türkische Soldaten umkreisen und einschließen.

Etliche Orte rundum Maraat al-Numan konnten in den vergangenen 24 Stunden von der SAA erobert werden, darunter mehrere Tausende Einwohner zählende Städte wie al-Hamidiyah, Maar Shamshah, Maashurin oder al-Dana. Mit den neuesten Fortschritten konnte Maraat jeweils im Norden und Süden umzingelt werden, einzig eine Straße in Richtung Nordwesten diente als letzter Fluchtweg. Damit konnten die letzten Verteidiger sich zurückziehen und die syrischen Kampfverbände konnte damit dem verlustreichen Häuserkampf aus dem Weg gehen. Maraat al-Nuuman selber konnte innerhalb weniger Stunden vollkommen gesichert werden. Direkt südwestlich von Maraat al-Numan kommt es in der Stadt Kafrumah zu schweren Gefechten mit Anhängern von Tahrir al-Sham, die eigenen Angaben zufolge einen Selbstmordattentäter eingesetzt haben.

Derweil öffnet sich eine neue mögliche Front. Militäreinheiten rückten auf der M5-Autobahn entlang in Richtung Norden vor und befinden sich nun etwa 16 Kilometer von Saraqib entfernt, entlang zwei Autobahnen liegt sie in einer strategisch günstigen Position und öffnet damit Tor und Tür zur gleichnamigen Provinzhauptstadt Idlib. Bei diesem Vorstoß konnten sie zudem einen türkischen Militärstützpunkt umzingeln und isolieren, wodurch Dutzende türkische Soldaten nun eingeschlossen sind. Die türkischen Soldaten hatten eigentlich die Aufgabe, die zwischen Russland und der Türkei ausgehandelte Waffenruhe zu überwachen, weiteten aber effektiv nur den Einfluss der Türkei in Idlib aus. Insgesamt handelt es sich um den dritten „Observierungspunkt“, welcher in Folge der Idlib-Offensive belagert werden konnte.

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Die neuesten Gefechte haben zur Massenflucht von Zivilisten geführt, Zehntausende Menschen fliehen aus dem Großraum Aleppo in Richtung türkisch-syrischer Landesgrenze. Die Meisten von ihnen kehren nicht zum ersten Mal ihrer Heimat den Rücken. Durch die intensiven Bombardements Syriens und Russlands wurden auch Dutzende Zivilisten ermordet, alleine in der gleichnamigen Provinzhauptstadt wurden 15 Personen auf einem Marktplatz getötet. Im Gegentausch werden durch die anhaltenden Mörser-Angriffe ebenfalls Dutzende Zivilisten in Aleppo getötet. Inzwischen sind die Flüchtlingslager entlang der türkischen Grenze mit den Massen an Fliehenden völlig überfordert und setzen auf internationale Unterstützung, da die Anzahl nicht anderweitig bewältigt werden kann.

Die kurz vor Weihnachten gestartete Offensive im Südosten Idlibs der syrischen Armee stellt der eigenen Darstellung zufolge die „zweite Phase“ der Idlib-Offensive dar, nachdem es im Mai zur ersten größeren Operation in Nord-Hama gekommen ist und in dessen Folge mehrere wichtige Städte wie Khan Sheikhoun erobert wurden. Das genaue Ziel der derzeitigen Offensive ist nicht klar, Gerüchten zufolge soll aber die zweitgrößte Stadt der Provinz, Maraat al-Numan, und sämtliche Gebiete östlich der M5-Autobahn, welche Hama und Aleppo miteinander verbindet, gesichert werden. Dies entspreche etwa einem Drittel des gesamten, von der Opposition gehaltenen Territoriums in Idlib.