Neue Armeeoffensive in Südsyrien offiziell gestartet

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Die Syrisch-Arabische Armee (SAA) und verbündete Streitkräfte verkündeten erstmals den offiziellen Anbeginn der sogenannten Operation „Basalt“, die die Eroberung sämtlicher Territorien in den südsyrischen Provinzen Suweida, Quneitra und Da’ara vorsieht, die entweder unter der Kontrolle der Opposition oder unter dem Islamischen Staat stehen. Nachdem Damaskus seit Frühling wieder vollständig sich in den Händen der syrischen Regierung befindet, kam es zu einer monatelangen Pause, bis auf kleinere Plänkeleien im Norden und Säuberungsoperationen in der syrischen Wüste war es wieder relativ ruhig in Syrien. Dementsprechend wichtig ist diese neue Offensive, wochenlang erreichten neue Militärkonvois die Frontlinien im Süden, welches quantitativ nur mit dem Niveau der Ost-Ghouta-Offensive zu vergleichen ist. Bis zu 500.000 Menschen können von den bevorstehenden Kämpfen betroffen sein.

Auch wenn der Startschuss offiziell am Sonntag gegeben wurde gab es bereits fünf Tage früher erste Gefechte in der Region um Lajat, in der Vergangenheit auch als das „Todesdreieck“, aufgrund brutaler Gefechte zu Beginn des Konfliktes, bekannt. Dort konnte die Armee bereits erste Erfolge erzielen und kleinere Dörfer sichern, wodurch alle Nachschublinien weiter nördlich gekappt wurden, was wiederum die erste Belagerung bedeutet. Zu diesen Siedlungen zählen al-Shomarah, Shayahat, Harran, al-Madurah, al-Alali und Berghshah. In anderen Frontabschnitten blieb es hingegen ruhig.

Den Anfang der Operation haben russische Luftbombardements begleitet, die in den letzten Tagen nicht aktiv waren. Sie flogen vor allem Angriffe auf die größeren Städte in der Nähe, namentlich Hirak und Busra al-Harir in Vorbereitung auf eine bevorstehende Erstürmung dieser Orte. Im Vergleich zu den syrischen Luftstreitkräfte soll Russland ein vielfaches an Luftschlägen ausgeführt haben, angeblich über 20 alleine auf diese zwei Orte. Der erste Teil der groß angelegten Offensive scheint sich ohnehin auf diese Gebiete zu konzentrieren, immerhin würden sie die Frontlinien wesentlich verkürzen und zugleich mehrere Nachschublinien sichern.

Primäres Ziel der Offensive wird neben der vollständigen Wiedereroberung vor allem eine Landverbindung mit Jordanien sein, ein wichtiger Handelspartner für Syrien. Der Grenzübergang „Naseeb“ ist dabei wohl Eines der wichtigsten Ziele in der gesamten Operation. Auch wenn das Nachbarland zu Beginn die Opposition unterstützte ist es inzwischen relativ gleichgültig wer die Grenzen kontrolliert und ist stattdessen an Frieden und der Rückkehr der Flüchtlinge interessiert. Konfliktpotential könnten Gefechte an den von Israel kontrollierten Golanhöhen bedeuten, da Israel bereits in der Vergangenheit daraufhin die syrische Armee bombardierte.

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Artillerie der Opposition attackiert Verteidigungsstellungen der Armee bei Lajat

Da die syrische Armee nahezu seine sämtlichen offensiven Kapazitäten im Süden konzentriert hat und auf die Unterstützung Russlands zählen kann sollte es sich um eine relativ schnellen und erfolgreichen Sieg in Südsyrien handeln, auch weil die Opposition in verschiedene Lager gespalten ist und bereits in den vergangenen Jahren erhebliche Verluste erleiden musste und über diesen Zeitraum hinweg keinen erfolgreichen Angriff auf den isolierten Islamischen Staat in der Region starten konnte. Die Opposition könnte alleinig siegreich davon gehen, wenn sie eine Intervention der USA oder Israel heraufprovozieren könnte. Die amerikanische Botschaft in Jordanien wies aber bereits derartige Hoffnungen abwies aber bereits derartige Hoffnungen ab.

Die Moral auf Seiten der Opposition ist schlecht, auch wenn sie vor Anbeginn der Gefechte martialisch die „Verteidigung ihrer Heimat bis zum Tod“ ankündigten. Selbige Aussagen gab es auch in Ost-Ghouta oder Rastan, wo viele Orte bereits nach kurzen Gefechten aufgaben und die Kämpfer flohen oder kapitulierten. Auch in Südsyrien gibt es derartige Berichte, die Stadt Karak soll bereits Verhandlungen mit der syrischen Regierung aufgenommen haben. Das russische Verteidigungsministerium spricht außerdem davon, dass sich die oppositionelle Organisation „Omari Brigade“ der Armee angeschlossen haben soll.

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Die Armee hat neben regulären Streitkräften auch Eliteeinheiten wie die „Tiger Forces“, die „Republikanische Garde“ und die 4. Division aufs Feld gebracht. Unterstützt werden sie in ihrem Vorhaben auch von einfachen Milizen wie dem Golan-Regiment, Liwa al-Quds oder Nusour al Zawba’a. Ein Ausnahmefall bildet die fehlende Beteiligung der Hisbollah und dem Iran nahe stehende Milizen, die nach angeblichen Hinterzimmer-Verhandlungen zwischen Israel und Russland sich auf eine Pufferzone einigten, wo der Iran und mit ihm verbandelte Milizen sich nicht der israelischen Grenze nähern dürfen und dementsprechend nicht in Südsyrien aktiv sein werden.

Die sogenannte „Southern Front“ im Süden Syriens war in der Vergangenheit die inzwischen wohl ruhigste, aktive Front im gesamten Konflikt. Sie ist mehrheitlich von der FSA dominiert, Islamisten erhalten aber immer mehr Zulauf. Seit den äußerst verlustreichen Offensiven im Jahre 2015 in Richtung Quneitra und schweren Kämpfen in der Stadt Sheikh Maskeen fehlt er den dortigen Einheiten eigentlich an offensiven Kapazitäten.  Dara’a selber ist seit Anbeginn des Krieges in zwei Teile geteilt. Ursprünglich war die gesamte Region Teil der Deeskalationszonen, völlig erloschen sind die Kämpfe jedoch nie. Die Ankunft der jeweiligen Verstärkungen scheinen von einem Niveau zu sprechen, welches es ansonsten nur in Aleppo oder Ost-Ghouta zuletzt gab.

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