Dutzende Tote bei Protesten im Südirak

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Nach einer monatelangen Pause eskalierten die wiederauferflammten Proteste im armen Süden des Iraks über Nacht und führten nach bisherigen Berichten zu mehreren Toten und Gefechten zwischen den Protestierenden und Sicherheitskräften. Sowohl mehrere Gebäudekomplexe der irakischen Regierung, schiitischer Milizen und das iranische Konsulat wurden in dessen Folge in Basra niedergebrannt, einigen Angaben zufolge wurde der örtliche Flughafen mit Mörsergranaten angegriffen und die amerikanische Botschaft in der Nähe umstellt. Anlass ist die immer noch nicht gelöste Armut und Not in der eigentlich ölreichen Region, besonders seitdem das Wasser der Wasserversorgung ungenießbar und verschmutzt ist kommt es zu Demonstrationen.

Die Proteste waren zu Beginn auch von diesem ökonomischen Unmut geprägt, gegen die der Zentralregierung zugerechnete Korruption und Armut in einer Stadt, die aufgrund ihrer Funktion als Hafen und zugleich ölreichsten Region extrem reich sein würde. Stattdessen aber gibt es nur eine unregelmäßige Stromversorgung, eine hohe Arbeitslosigkeit welche den Großteil der jungen Erwachsen in die Mitgliedschaft von schiitischen Milizen vor Ort treibt. Später aber folgten ebenso politische Komponente, vor allem Anhänger des „anti-iranisch“-schiitischen Gelehrten al-Sadr und seine in den Wahlen stärkste Partei beteiligen sich an den Protesten, wodurch auch der benachbarte Iran und seine angeblichen „Marionetten“ in das Fadenkreuz geraten. Am 4. September entflammten die derzeitigen Proteste wieder und verschlimmerten sich von Nacht zu Nacht. Ein wichtiges Ereignis für die anhaltende Eskalation war die gewaltsame Auflösung der Proteste durch Sicherheitskräfte, wobei angeblich auch fünf Zivilisten getötet wurden.

Am 6. September steckten mehrere Aufständische zunächst die Stadtverwaltung in Basra in Brand und plünderten das Gebäude daraufhin. Wenig später wurden dann die Büros von pro-iranischen Milizen wie al-Baqr, Asa’ib Ahl al-Haq oder Kataib Hisbollah gestürmt und ausgeräumt, gefolgt von drei Parteibüros der irakischen Dawah-Partei unter dem ehemaligen Premierminister al-Maliki. Dabei soll die Anzahl der Toten auf bis zu zwölf angestiegen sein, darunter zwei Kämpfer von Hisbollah al-Nujaba. Die Polizei war völlig überfordert, die Nacht gehörte der Anomie und dem Chaos, mehrere Straßen wurden mithilfe von brennenden Reifen blockiert, einen Tag später wurde der Ausnahmezustand ausgerufen.

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Bild des iranischen Konsulats

Trotz des Ausnahmezustandes und der Verlegung von Armeedivisionen änderte sich nicht viel in der darauffolgenden Nacht. Das iranische Konsulat wurde von einem wütenden Mob gestürmt, welches bereits einen Tag zuvor evakuiert wurde. Nachdem man die Inneneinrichtung plünderte steckte man auch das Gebäude in Brand. Woanders konnten Sicherheitskräfte und die Armee schlimmeres verhindern, beispielsweise wurde versucht, das al-Kasib-Krankenhaus anzuzünden. In anderen Teilen der Stadt kam es zu Schusswechseln zwischen den verschiedenen Fraktionen, insgesamt wurden elf Soldaten verletzt. Ein Krankenwagen soll mehrere Revoltierende überfahren haben und wurde daraufhin in Brand gesteckt. Die amerikanische Botschaft vor Orte wurde zwar umstellt, jedoch kam es zu keinen Gewaltexzessen. Wenige Stunden später sollen vier Raketen oder Mörsergranaten der nur wenige Meter entfernte Flughafen von Basra angegriffen haben, nähere Details sind bisher nicht bekannt.

 

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