Plant die Türkei eine neue Militäroffensive gegen die Kurden?

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Türkische Truppen auf dem Katma-Berg in Afrin

An der nordsyrischen Grenze brodelt es: Gerüchte von einer bevorstehenden Militäroffensive der türkischen Armee und ihrer verbündeten Islamisten auf das Kernland der von den USA unterstützten „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF) bzw. der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) tauchen vermehrt auf. Angeblich wurde eine Karte geleaked, welches das nächste militärische Ziel von Erdogan zeigen soll: Eine Pufferzone vom Euphrat bis nach Kobane, bekannt und symbolisch wichtig für den kurdischen Widerstandskampf gegen den Islamischen Staat. Der seit Tagen andauernde Beschuss türkischer Artillerie auf kurdische Stellungen erinnert frappierend an die Vorbereitung einer Bodenoperation in Afrin.

Die türkischen Angriffe begannen am Sonntag mit mehreren Übergriffen auf das Dorf Zur Maghar nahe Jarablus, welches wiederum seit Jahren unter der Kontrolle der Türkei und seiner islamistischen Stellvertreter steht. Dabei wurden vor allem Stellungen getroffen, die nach eigenen Angaben zum Tod von vier YPG-Kämpfern führte und weitere verletzte. Nach weiteren Angriffen an weiteren Orten entlang der syrisch-türkischen Grenze antwortete die SDF am Sonntag mit einem Gegenangriff nahe dem Dorf Ashma, wo man mithilfe einer Panzerabwehrlenkwaffe einen Truppentransporter der türkischen Armee zerstörte. In den darauffolgenden Tagen wurden mehrere Zivilisten getötet, bei Kobane starben mehrere Menschen und in Tel Abyad wurden zwei Journalisten verletzt. Sie wurden später von einer amerikanischen Delegation im Krankenhaus besucht.

Ohnehin spielt die USA bei dem Konflikt eine entscheidende Rolle und verstärkte in den letzten Tagen seine Präsenz an der Grenzregion, auch um deeskalieren. Nahe Kobane wurde ein amerikanischer Militärkonvoi stationiert und patrouilliert nun die syrisch-türkische Grenze. Die USA wird aber in breiten SDF-Teilen mit Argwohn betrachtet, da sie in den letzten Monaten und Jahren der Türkei Zugeständnisse gab. Zuletzt gibt es Gerüchte von der türkischen Übernahme der Region um Manbij, das letzte Gebiet westlichen des Euphrats, welches unter SDF-Kontrolle steht und von Erdogan immer wieder als „rote Linie“ bezeichnet wird. Diese Übernahme soll intern zwischen der USA und Türkei entschieden worden sein, ohne die Absprache des vor Ort regierenden Militärrates. Die erste gemeinsame Militärpatrouille zwischen türkischen und amerikanischen Einheiten soll dafür nur der erste Schritt sein, später folgen erste türkische Observierungsstützpunkte in Manbij und die Ausbildung lokaler Streitkräfte, welches die faktische Vertreibung der SDF bedeuten würde. Dementsprechend misstrauisch sind die Kurden gegenüber der USA und ihren Plänen.

Nicht nur nimmt die aggressive Rhetorik der Türkei erheblich zu und baut dabei Parallelen zu der damals bevorstehenden Afrin-Operation auf. Auch auf der anderen Seite des Grenzzaunes ziehen die türkischen Kampfverbände ihre Truppen zusammen, vor allem das bekannte Kobane und Tel Abyad scheint in das Fadenkreuz von Erdogan zu rücken. Meldungen zufolge rekrutiert die Türkei bereits erste Kämpfer in den Reihen der islamistischen Milizen aus den bereits „befreiten“ Gebieten in Nordsyrien, die sich dadurch potentielle Reichtümer erhoffen. In den türkischen Medien sei eine geleakte Karte aufgetaucht, die die Etablierung einer türkischen Pufferzone zwischen Kobane (bzw. Ayn al-Arab) und Tel Abyad vorsieht. Die Authentizität des Planes ist aber mehr als fragwürdig und es existieren keine weiteren Informationen.

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