Dschihadisten erobern wichtige Stadt von ihren Kontrahenten

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Die radikalislamistische Organisation Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Fateh al-Sham und Jabhat al-Nusra) konnte in der letzten, noch von der Opposition kontrollierten Provinz Idlib einen entscheidenden Sieg gegen interne Feinde erringen, die Großstadt Maraat al-Nuuman vollständig erobern und ihre zivilen Stellvertreter wie die sogenannte „Heilsregierung“ installieren können. Die Stadt galt wie andere, inzwischen von Tahrir al-Sham (HTS) kontrollierte Orte zu den Hochburgen gegen den Herrschaftsanspruch von HTS und wurde von „moderateren“ und lokalen Kräften beherrscht. Damit bauen die Dschihadisten ihre dominante Position innerhalb der Opposition weiter aus, nur wenige Orte im Süden Idlibs sind vom Einfluss von Tahrir al-Sham unberührt.

Es kam bereits in der Vergangenheit zu mehreren Versuchen von HTS, Maraat gewaltsam zu erobern, nach kurzzeitigen Erfolgen wurden die Islamisten aber wieder durch zivile Proteste und Demonstrationen vertrieben, auch da Tahrir al-Sham kein Massaker an den Einwohnern verursachen wollte. Diesmal ist jedoch die Situation anders: Umliegende Gebiete von Maraat al-Nuuman stehen fest unter HTS-Kontrolle und aufgrund der starken Position und kaum existenten Widerstand muss sich der ehemalige syrische al-Qaida-Ableger keine Sorgen mehr um seinen Ruf bzw. Reputation sorgen. Maarat al-Nuuman selber ist symbolisch für Opposition wichtig, so war sie den Anfangsjahren des Konfliktes Heimatbasis der desertierten und neugegründeten „13. Division“, welche als erste Gruppierung Panzerabwehrwaffen von den USA erhielten.

Einen Tag nach der erfolgreichen Besetzung der entlang zwei wichtiger Straßen gelegenen Stadt gab es bisher noch keine Konsequenzen mit der Ausnahme, dass die Syrisch-Arabische Armee aus bisher unbekannten Gründen den Ort mit Artillerie bombardierte und dabei für einige Verluste sorgte. Zudem attackierte ein Selbstmordattentäter das Hauptquartier der „Heilsregierung“ in Idlib, was aber eher durch Schläferzellen des Islamischen Staates verursacht wurde und damit unabhängig der derzeitigen Entwicklungen ist.

Anfang des Jahres startete Tahrir al-Sham mit verbündeten Milizen wie Hurras al-Din oder der chinesischen Turkestan-Partei eine groß angelegte Offensive gegen verschiedene Kontrahenten in Idlib, allen voran die pro-türkische „Nationale Befreiungsfront“, hauptsächlich bestehend aus den Islamisten von Nour al-Din al-Zenki und Ahrar al-Sham. Nach schnellen und unerwarteten Erfolgen konnte Tahrir al-Sham riesige Gebiete erobern, darunter die al-Ghab-Felder, der Westen der Provinz Aleppo und die Region um Maarat al-Numan. Tausende Islamisten, vor allem von al-Zenki, wurden nach Afrin und Nord-Aleppo „evakuiert“, welches von der Türkei und ihrer Stellvertreter beherrscht wird und damit ein Gegengewicht zu dem von Tahrir al-Sham kontrollierten Idlib darstellt.

 

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