Kurden zerstörten deutschen Leopard-Panzer in Afrin|Blutigster Tag für die Türkei

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Überreste des Leopard-2A4-Panzers

Seit zwei Wochen dauert nun die türkische Operation „Olivenzweig“ in Syrien an, wo die türkische Armee mit verbündeten Oppositionsgruppen (TFSA) gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) bzw. amerikanisch unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) vorgeht und dabei versucht, die Kurden aus der syrisch-türkischen Grenzregion zu vertreiben. Trotz anhaltender Erfolge und Bodengewinne muss die Türkei enorme Verluste verzeichnen, innerhalb eines Tages wurden mehrere Panzer zerstört und Soldaten getötet. Die Kurden erhöhen den Druck auf die vorrückenden Einheiten, auch wenn sie den derzeitigen Vorstoß nicht aufhalten können.

Die türkische Armee konnte die Angriffe der vergangenen Tage weiterhin intensivieren und erneut Dutzende Dörfer erobern. Nach der Eroberung der ersten größeren Siedlung Bulbul konnten in der Umgebung die Ortschaften Bilal Kuy, Haj Bilal und Sheikh Horuz erobert werden. Der Berg Jabal Horuz beim gleichnamigen Ort war am Samstag Schauplatz von den meisten Angriffen seitens der YPG auf türkische Panzer. In Folge der Bedrohung starteten türkische Spezialeinheiten eine Nachtoperation und sicherten die Bergkette von Jabal Horuz. Die meisten Eroberung folgten insofern in den Bezirken von Bulbul in Nord-Afrin und bei Rajo in West-Afrin. An den restlichen Frontlinien schweigen die Waffen derzeit.

Dennoch gab es in letzter Zeit vermehrt Gerüchte über eine Reaktivierung der Front in Süd-Afrin. Dort kam es in der Vergangenheit zu kleineren Plänkeleien und Überfällen zwischen den Kurden und der von Tahrir al-Sham (ehemals bekannt unter den Namen Jabhat Fateh al-Sham und al-Nusra) dominierten Opposition, jedoch zu keinen Gebietsveränderungen. Weitere islamistische Fraktionen wie Nour al-Din al-Zenki (bekannt für die Enthauptung eines 12-jährigen Kindes in Aleppo) und Faylaq al-Sham kündigten die Verstärkung der südlichen Frontlinien mithilfe eigener Truppen an, wofür wiederum Einheiten aus Idlib abgezogen werden. Im Süden existiert ein Deal zwischen Tahrir al-Sham und der Türkei, die türkischen Truppen die Stationierung von mehreren Kontingenten in den grenzenden Gebieten und Städten ermöglicht.

Bei Gefechten an der syrisch-türkischen Grenzregion im Norden Afrins wurden acht türkische Soldaten getötet. Alle gehörten zu den Panzermannschaften, die in Folge des vermehrten Einsatzes von Panzerabwehrwaffen zerstört wurden. Darunter fällt auch der erste deutsche Leopard-A2-Panzer, der nach einem scheinbaren Treffer explodiert ist und nur noch Trümmer übrig ließ. Ein weiterer M60-Panzer wurde im Verlauf des Tages ebenfalls beschädigt. Damit steigt die Anzahl der getöteten türkischen Soldaten in der Operation „Olivenzweig“ auf bisher 13, die Hälfte davon an nur einem Tage.

Es bleibt bisher ein Rätsel, wieso es im späteren Verlauf der türkischen Offensive zu mehr Angriffen mithilfe von Panzerabwehrwaffen (ATGMs und TOWs) gekommen ist. Die einzigen Gründe können ein vermehrter Schmuggel und/oder die Unterstützung seitens Russlands und der syrischen Regierung sein. Letzteres bestätigen die genutzten Modelle, darunter die russische „9K111 Fagot“ und das iranische Toophan-System. Bisher stehen die Grenzen zwischen Afrin und Aleppo relativ offen und die beiden erwähnten Fraktionen haben ein strategisches Interesse am Sieg der YPG in Afrin, unwahrscheinlich wäre diese Option also nicht.

Ebenso interessant ist ein erst neu veröffentlichtes Video von Nour al-Din al-Zenki, welches den Schmuggel von Panzerabwehrwaffen zwischen Afrin und die von der islamistischen Opposition gehaltene Provinz Idlib bestätigt. In einem veralteten Tanklaster wurden 17 russische Konkurs-ATGMs, Dutzende RPGs und etliche Kleinwaffen gefunden. Dieser Tanklaster ist sicherlich keine Ausnahme sondern eher die Regel, der Waffen- und Ölschmuggel zwischen den beiden Seiten versiegte nie und wird gerade in solchen Momenten besonders florieren.

 Zudem soll es zum Schmuggel von derartigen Waffen in den von der Regierung gehaltenen Städten Nubl und Zaara kommen, die vor allem von schiitischen Gruppierungen wie der Hisbollah kontrolliert werden und ein besonders positives Verhältnis zu Afrin aufweisen. Beide Städte waren jahrelang belagert und von der Außenwelt abgeschnitten, einzig die Kurden in Afrin unterstützten sie mit Lieferungen und regelmäßigem Handel.

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Beide Seiten kompensieren die Verluste mit dem Erreichen neuer Einheiten und Gruppierungen aus ihren Heimatregionen. In den letzten Tagen und Wochen wurden immer mehr türkische Spezialeinheiten in der Nähe der syrischen Grenze gesichtet, die mithilfe von Transportflugzeugen ihr Ziel erreichten. Darunter befindet sich beispielsweise das 56. Regiment „Bingöl“, welches bereits in der Vergangenheit erfolgreich gegen die PKK in der Türkei operieren konnte. Ihre Erfahrung im gebirgigen Terrain wird in den Bergregionen von Afrin sehr hilfreich sein. Die YPG/SDF hingegen erhielt von Nordostsyrien reguläre Unterstützung und auch internationale, kommunistische Kampfverbände. Die Einheiten nutzten das syrische Regierungsterritorium im Norden der Provinz Aleppo, welches Afrin und das restliche Gebiet der SDF miteinander verbindet. Es stellt den einzigen Weg zu Afrin dar, die restlichen Gebiete werden von der Türkei oder mit ihnen verbündeten Gruppierungen kontrolliert.

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